Karlsruhe, 11. Dezember 2011. Etiketten auf Flasche, Tube oder Dose senden am Point of Sale die oft letzte kaufentscheidende Botschaft, wie das Produkt heißt, was es kann, was es enthält. Dass Etiketten einer Marke auch schaden können, zeigt die aktuelle Kritik der Verbraucherschützer an einem Nuss-Nougatcremehersteller. Während sie nur Inhalte und Typografie kritisieren, ist die von der Karlsruher IT-Firma Optimum entwickelte Software zur Etikettenprüfung Teil des gesamten Qualitätsmanagements. Der Name zeigt, wie (end-)kundenfreundlich diese IT-Technologie ist: Der Schlaue Klaus. Er prüft, ob ein Shampoo das vorgesehene Etikett bekommt, ob die Pillen-Dose den Aufkleber an exakter Stelle trägt und ob Auszeichnung und Inhalt übereinstimmen. Die Bilderkennungs-Software markiert das Ende des Herstellungsprozesses - bevor es in die Distribution zum Kunden geht. Irrtümliche Angaben können etwa bei Arzneimitteln zu Haftungsansprüchen führen. Um Verbraucher über Qualität, Inhaltsstoffe und Herkunft von Lebensmitteln zu informieren und dem Gebot der Transparenz nachzukommen, sind Angaben auf Produktverpackungen Pflicht. Der Schlaue Klaus wurde gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
Der Schlaue Klaus interveniert am Ende des Workflows, wenn vorgängige Produktion und abschließende Konfektionierung nicht korrespondieren. Seine Sichtkontrolle ist gleichzeitig Qualitätskontrolle. Sie weist gemäß dem Siegel „Quality proved" eine Verlässlichkeit von 0 parts per million (0 ppm) auf. D.h. bei einer Million Sichtprüfungen entgeht dem „Auge" kein Verstoß gegen Güte-Kriterien. Die Software signalisiert, ob das Produkt hält, was es - dem Äußeren nach - verspricht. Dazu werden vorab die Güte-Parameter und Prüfzonen definiert. Dann werden bis zu fünf Gebinde-Formate (Flaschen, Dosen, Schachteln etc.) pro Sekunde dem optoelektronischen Check unterworfen. Das Kontrollsystem lernt die Parameter und wendet sie in der Fehlerdetektion an, ohne mit den bewegten Produkten in Kontakt zu treten oder den Produktionsablauf anzuhalten. Fehler werden erkannt, korrigiert und die Korrektur anhaltend in den Prüf-Prozess zurückgesteuert. Der Schlaue Klaus ist dazu in das gesamte Steuer- und Regelsystem eingebunden; dank dieser Inline-Kontrolle ist die Inspektion an die Produktion angebunden. So wird prozessimmanent produziert und geprüft, ohne einen aufwändigen, mechanischen Vorgang zusätzlich einzufügen. Dies gelingt, indem Optimum die aus der Fotografie bekannte Parallaxenverschiebung kreativ zum Vorteil nutzt: Je näher ein Motiv ist, desto stärker weicht das Abbild ab. „Was in der Fotografie unerwünscht ist, steigert bei Optimum die Effizienz: Da es nicht um Ästhetik, sondern um Exaktheit geht, kann die Etikett tragende Dose so, wie sie am Laufband vorbeikommt, aufgenommen und kontrolliert werden", so Wolfgang Mahanty, Geschäftsführer von Optimum. Der Schlaue Klaus macht eine Standkorrektur überflüssig und erfasst automatisch die Position der Dose, scannt und gleicht Ist- mit Soll-Position des Etiketts ab - konventionelle Systeme müssen den Prüfgegenstand aufwändig mechanisch justieren, bevor er erkannt wird. Der Schlaue Klaus erspart maschinenbauliche Vorrichtungen, die erst den Gleichlauf ermöglichen müssen: Detektion ohne Intervention – zu Gunsten höherer Geschwindigkeit und Effizienz.
Autor: Wolfgang Mahanty