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Herzkrank durch zu wenig Liebe - Einsamkeit schuld an Alzheimer und Demenz?

Autor: rwerner | Erstellt am: 08.09.2009 | Gelesen: 2542
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Ungeliebt und einsam macht krank und raubt den Verstand

Rüdiger Werner
Rüdiger Werner
Das wohl größte Problem unserer heutigen Zeit ist die rapide zunehmende Einsamkeit der Menschen. Trotz aller topmodernen Kommunikationsmittel wie Handy, Computer, Internet !

Trennungen sowie Scheidungen sind heutzutage die Regel – Heiraten gelten beinahe schon als „exotische" Ausnahmen? Immer weniger Menschen gelingt es, eine dauerhafte und glückliche Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen. Die Partner-Vermittlungsagenturen sind mittlerweile kaum noch zu zählen. Einsamkeit ist an der Tagesordnung. Die körperlichen und seelischen Folgen sind fatal !

Kennen Sie Bernard Lown? Er ist Nobelpreisträger und einer der berühmtesten Kardio-logen der Welt. Sein größter Beitrag zur Medizin ist der Defibrillator, ohne den kaum eine Herzoperation oder gar Wiederbelebung gelingen könnte. Kein Arztfilm ohne den dramatischen Elektroschock. Größere Bahnhöfe sowie Flughäfen besitzen ihn so selbstverständlich wie Feuerlöscher. Was aber hat das mit Einsamkeit zu tun?...

Bernhard Lown bringt es auf den Punkt: "Ich habe mich mein ganzes Leben als Arzt mit den Krankheiten von Herz und Kreislauf beschäftigt, mit den Menschen, die herzkrank werden. Risikofaktoren, über die ständig geforscht und gesprochen wird, Cholesterin, Bluthochdruck usw., sind nebensächlich. Für das Entstehen so vieler Herz-Kreislauf-Krankheiten sind traurige, tragische Lebensumstände verantwortlich: Einsamkeit, Verzweiflung und Aussichtslosigkeit," (zit.n. B.Hontschik in „Diagnose Einsamkeit" v.11.1.08)

Zahlreiche Beispiele beweisen den positiven Einfluß von Gefühlen wie Verständnis, Liebe, Freundschaft und Geborgenheit auf schwere Erkrankungen:
Bei einer Gruppe von Brustkrebspatientinnen, deren Krankheitsverlauf über mehrere Jahre hinweg verfolgt wurde, zeigte sich Folgendes:. Die eine Gruppe nahm regelmäßig an Treffen teil, bei denen sie Ängste diskutieren sowie versuchen konnten, Probleme gemeinsam zu bewältigen. Nach fünf Jahren waren alle Patientinnen dieser Gruppe noch am Leben. Von den übrigen Patientinnen jedoch, die auf diese Form der Therapie ver-zichtet hatten, waren die meisten verstorben!

Die berühmte, vor 20 Jahren begonnene finnische Langzeitstudie, bei der 11.000 Männer befragt wurden, zeigte eindeutig, daß zufriedene Menschen länger leben: Es starben dreimal mehr unzufriedene Teilnehmer an einer Krankheit, als zufriedene. Wir alle brau-chen Nähe, Liebe. Geborgenheit, Freundschaft und Kontakte, gerade auch im näheren Wohnumfeld. Menschen „zwangsweise" umzusiedeln, wie heute immer mehr üblich, ist aus meiner Sicht unzumutbar, insbesondere bei Senioren.

Der Mangel an Liebe macht Sie krank

Der berühmte US-Herzspezialist Dean Ornish, einer der großen Pioniere der ganzheitlichen Herzforschung, erlangte seinen internationalen Ruf aus einem interessanten Grund: Er hatte als einer der ersten Schulmediziner den Mut, zu sagen, daß mangelnde Liebe der größte krankmachende Faktor für Körper und Seele ist – speziell für das menschliche Herz. Liebe und menschliche Nähe sind inzwischen auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Heilfaktoren Nummer eins für Herzkrankheiten.

Nicht nur die physischen Herzerkrankungen haben in unserer Kultur ein epidemisches Ausmaß erreicht", so Ornish weiter, „sondern auch die Krankheiten, die ich als emotionale und spirituelle Herzerkrankungen bezeichne." Als Auslöser nennt Ornish tiefe Gefühle von Einsamkeit, Isolation, Entfremdung und Depression.

Menschen, die langfristig in guten sozialen und emotionalen Netzen verankert sind, wer-den besser vor Herz - Kreislauferkrankungen geschützt als sozial isolierte oder in spannungsreichen Beziehungen lebende Menschen.Je mehr Verknüpfungen, desto besser. Als stärkster Anker erweist sich in den meisten Fällen eine gute Beziehung zum Partner. Langzeitstudien haben ergeben, daß Menschen in stabilen Partnerschaften seltener krank werden als Alleinstehende.

Kann Einsamkeit den Verstand rauben?
Wenn Senioren in sozialer Isolation leben, haben sie ein doppelt so hohes Risiko, an Demenz zu erkranken wie gesellig lebende Menschen gleichen Alters. Wer im Alter allein gelassen wird, vereinsamt auch geistig. Mehr noch: allein das Gefühl, einsam zu sein, raubt den Menschen den Verstand – wer sich allein fühlt, wird einfach schneller krank. Der Verdacht liegt nahe, daß eine krankhafte Abnahme der Verstandesleistung im Alter, also eine Alzheimer-Demenz, umso häufiger auftritt, je mehr der Freundes- und Bekanntenkreis schrumpft. Einsamkeit ist jedoch keine Frage der Mathematik. Einsamkeit ist ein seelischer Zustand, der in hohem Maße von individuellen, subjektiven Gefühlen abhängt.

Kann also der Verlust sozialer Kontakte das Denkvermögen wirklich beeinträchtigen?
Und genau das wollten die Mediziner mit dem „Memory and Aging Project" am Rush- Medical-Centre der University in Chicago wissen: Besteht nun eine enge Beziehung zwischen Einsamkeit und Alzheimer-Demenz oder nicht? Dazu beobachteten sie 823 ältere Menschen aus Senio-renheimen in Chicago und Umgebung über einen Zeitraum von vier Jahren.

Zu Anfang der Untersuchung war bei keiner der beteiligten Personen, die im Schnitt über 80 Jahre alt waren, eine Alzheimer-Demenz festzustellen. Viele von ihnen waren bereits vor dem Ausbruch der Erkrankung zunehmend sozial isoliert. Auffällig war lediglich, dass diejenigen, die sich eher einsam fühlten, von Beginn an in ihrer geistigen Leistungsfähigkeit etwas schlechter eingestuft werden mußten.

Höchst auffällig war jedoch insbesondere die Verlaufsbeobachtung: In der aktuellen Studie (2007) zeigten Robert Wilson und Mitarbeiter, daß bei denjenigen Senioren, die sich einsam fühlten, der geistige Verfall wesentlich rascher voranschritt. So wurde am Ende bei doppelt so vielen, die unter Einsamkeit litten, eine Alzheimer-Demenz festgestellt, als bei denen, die nicht darunter leiden mußten.

Es ist also auf jeden Fall heilsam, von anderen wahrgenommen zu werden und sich einem anderen Menschen verbunden zu fühlen!

Rüdiger Werner
 
 
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