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Helios Verlag, K.-H. Pröhuber, 'Neues Deutschland' Buchbesprechung

Autor: helios-verlag.de | Erstellt am: 14.07.2008 | Gelesen: 931
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Wieso denn Tschekisten? Das Wachregiment »Feliks Dzierzynski«

'Neues Deutschland'
'Neues Deutschland'
Ein ehemaliger Berufsoffizier und ein früherer Redakteur des Deutschlandfunks legten die erste umfassende Arbeit über diese Einheit Ministerium für Staatssicherheit der DDR vor, die zunächst »Wachbataillon der Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei« im DDR-Innenministeriumen war, ins Leben gerufen auf der Grundlage eines Befehls des Volkspolizeichefs vom 4. November 1949. Deren Aufgabe bestand von Anbeginn darin, zentrale Objekte der Staats- und Parteiführung zu sichern. Das VP-Wachbataillon stellte ferner eine Ehrenkompanie, die repräsentative Aufgaben beim Empfang ausländischer Politiker zu erfüllen hatte.

Nach der Bildung des MfS 1950 übernahm dieses das Wachbataillon, das ab Frühjahr 1952 »Wachregiment beim MfS« hieß. Deren Aufgabenbereich erweiterte sich rasch. Als neue Bewachungsobjekte kamen z. B. hinzu die Wohnsitze der Mitglieder der DDR-Regierung und des SED-Politbüros sowie von ausländischen Staatsmännern auf dem Territorium der DDR. Aber auch zentrale Konferenzen, Parteitage, Kundgebungen und Demonstrationen mussten zunehmend durch das Wachregiment »geschützt« werden.

Nach der Arbeiterrebellion im Juni 1953 in der DDR und der ungarischen Tragödie 1956 erfolgte ein weiterer Ausbau auch in waffentechnischer Hinsicht; sogar Artillerie-Einheiten wurden nun aufgestellt, in den 80er Jahren aber wieder abgeschafft. Am 15. Dezember 1967 wurde der Einheit von MfS-Minister Erich Mielke der Name Feliks E. Dzierzynski verliehen. Hierzu hätte man sich von den Autoren eine Problematisierung der Frage gewünscht, warum sich die DDR in der Phase »des Aufbaus der entwickelten sozialistischen Gesellschaft« ausgerechnet an »tschekistischen« Prinzipien der wilden Revolutions- und Bürgerkriegszeit im jungen Sowjetrussland anzuknüpfen verpflichtet fühlte. Auch eine historisch-kritische Bewertung des aus polnischem Adel stammenden Gründers der Tscheka, des ersten sowjetischen Geheimdienstes, vermisst man. Die Verfasser begnügen sich stattdessen mit antikommunistischen Schlagworten, wonach Dzierzynski ein »Massenmörder« im Auftrage Lenins bzw. ein »ziegenbärtiger Staatsterrorist« gewesen sei.

Ausführlich und materialreich wird auf die Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit, die schrittweise Qualifizierung, die Einkommensverhältnisse, auf Gliederung und Dienstlaufbahnen sowie die Waffenfarbe »Rot« eingegangen. 1989 war die Truppe auf Divisionsstärke angeschwollen; sie verfügte nunmehr über 11 203 Angehörige, darunter 8735 Unteroffiziere auf Zeit. Den letzten großen, wenig rühmlichen Einsatz hatte das Regiment in den Tagen um den 7. Oktober 1989. Deren Angehörige wurden als »Stasischweine«, und »Verräter des eigenen Volkes« beschimpft. Dabei hatte die Krise der DDR auch die Reihen des Wachregiments erfasst. In Erkner schrieben am 7. November 31 Soldaten eine »kollektive Protesterklärung«. Es kam zu Fahnenfluchten und zur Bildung von »Soldatenräten«. Unter Ministerpräsident Hans Modrow entstand im Frühjahr 1990 die entmilitarisierte »Wachbereitschaft Berlin« mit einer Mannschaftsstärke von 2500 Mann, die bis zur Herstellung der deutschen Einheit im Oktober 1990 bestand.

Hagen Koch/Peter Joachim Lapp: Die Garde des Erich Mielke. Der militärisch-operative Arm des MfS. Das Berliner Wachregiment »Feliks Dzierzynski«. Helios Verlag Aachen. 185 S., geb.
 
 
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