HDR-Aufnahme im Gegenlicht
Jeder Besitzer eines Fotoapparats, egal ob es eine analoge oder eine digitale Kamera ist, kennt die Problematik der Begrenzung des verfügbaren Konstrastumfangs durch die Aufnahmetechnik. Auf unzähligen Fotos ist ein blauer Himmel viel zu hell dargestellt, die Wolken sind in der Regel ganz verschwunden oder nur flau erkennbar und die Personen unter den Bäumen sind nur ein Schatten ihrer selbst.
Motive mit hohem Kontrastverhältnis stellten einfach schon immer eine besondere Herausforderung für den Fotografen dar.
In den Hauptzeiten der analogen Fotografie hatten auch ambitionierte Hobbyfotografen meist Graufilter im Gepäck, um bei sehr intensivem Sonnenlicht den Himmel abdunkeln zu können. Der Einsatz eines Blitzes zur Aufhellung der Personen oder Gegenstände in den schattigen Bereichen war fast eine Standardprozedur. Abwedeln oder Nachbelichten von Teilen des Bildes während der Entwicklung in der Dunkelkammer war zumindestens in den Zeiten, als man die Aufnahmen noch selbst entwickelte, eine gängige Methode zur Anpassung des Kontrastumfangs an die wirklichen Gegebenheiten.
Immerhin kann in der Natur bei intensivem Sonnenlicht und Idealbedingungen ein Dynamikumfang von 18 - 19 Blendenstufen auftreten, was einem Kontrastumfang von ca. 2.000.000 : 1 entspricht. Auch wenn dieser Kontrast von unserem Auge nicht ohne weiteres in einem Blick zu verarbeiten ist, so kann doch das menschliche Auge durchaus 14 Belichtungseinheiten, also ca. 15.000:1, mit einem schnellen Blick erfassen.
Wenn man nun bedenkt, dass selbst eine moderne Digitalkamera kaum 10 Blendenstufen verarbeiten kann, wobei selbst dies nur unter idealen Bedingungen und bei Verwendung des RAW Formats möglich ist, dann sieht man schnell die Begrenzungen der heute verfügbaren Aufnahmetechnik.
Bis zur Verfügbarkeit bezahlbarer Kameras, die wenigstens den Kontrastumfang aufnehmen, den das menschliche Auge wahrnehmen kann, wird es wohl noch einige Jahre brauchen. Die momentane Lösung des Problems liegt in einer intelligenten Nachverarbeitung der Bilder und einer entsprechenden Anpassung der Aufnahmeprozedur.
Die einfach klingende, aber wirkungsvolle Vorgehensweise besteht darin, dass man bei der Aufnahme nicht nur ein Bild mit einer Belichtungseinstellung macht, sondern eine Belichtungsreihe mit unterschiedlichen Blenden- bzw. Verschlusseinstellungen aufnimmt.
Ein guter Kompromiss ist schon die Aufnahme von 3 Bildern, wobei diese mit der von der Kamera vorgeschlagenen Blendeneinstellung plus je eine Unterbelichtung ( minus 2 Blendenstufen) und eine Überbelichtung ( plus 2 Blendenstufen ) durchgeführt werden. Die Erstellung von Reihen mit 5 oder mehr Aufnahmen kann die Kontrasterweiterung noch deutlich verbessern, allerdings gestattet die Mehrzahl der heutigen Digitalkameras nur das automatische Erstellen von bis zu 3 Aufnahmen. Ein Blick in das Handbuch ihrer Kamera ist dafür in der Regel unumgänglich.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von
HDR - Softwareprogrammen, die dann am Rechner aus diesen 3 oder mehr Teilaufnahmen ein sogenanntes
HDR-Bild erzeugen, was einen deutlich höheren Kontrastumfang besitzt, als jede einzelne Aufnahme.
Da die meisten Ausgabemedien, wie der Monitor eines PC oder ein Tintenstrahldrucker, in der Regel diesen hohen Kontrastumfang nicht direkt darstellen können, schließt sich dem
HDR-Prozess noch das Tone-Mapping an, was eines der erwähnten
HDR-Softwarepakete und ein wenig Fingerspitzengefühl bedarf.
Natürlich gibt es bei der
HDR-Fotografie viele Dinge zu beachten bevor ein Meisterwerk entstehen kann, wie z.B. die richtigen Einstellungen an der Kamera, die Benutzung eines Stativs bei langen Belichtungszeiten und natürlich die richtige Wahl der
HDR Software, die es sowohl als kostenlose als auch als professionelle Kaufvarianten gibt. Zur intensiveren Beschäftigung mit der
HDR-Fotografie gibt es sehr gute Bücher und auch entsprechende Artikel auf Websites im Internet.
Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal eigene Versuche zu wagen, da gelungene
HDR Fotos wahrliche Blickfänge auf jeder Präsentation oder in Fotoalben sind.
Jürgen Gobel