Pflege-Fälle zu Hause betreuen
Erst kürzlich erwähnte die bekannte deutsche Kriminalautorin Ingrid Noll in einem Interview, dass sie ihre Mutter im Alter von 90 Jahren bei sich zuhause aufgenommen hatte und sich bis zur ihrem Tod im Alter von 106 um sie gekümmert hat. Die alte Dame war, obwohl sehr rüstig, nach einem Beinbruch zu einem Pflegefall geworden. Niemand ahnte, dass sie noch 16 Jahre leben würde. Die meisten Kinder lieben ihre Eltern und wären ebenfalls bereit, sie bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit auch zu unterstützen. Je nach Wohnsituation bringt man den Vater oder die Mutter sogar in die eigene Wohnung, damit man sich besser um sie kümmern kann.
Aber kaum jemand macht sich eine Vorstellung davon, was es bedeutet, einen echten Pflegefall in seiner Wohnung zu betreuen. Je nach Schwere der Behinderung ist dies ein absoluter Fulltimejob, der den Verwandten alles abverlangt. Das Familienleben kann aus den Fugen geraten, wenn sich plötzlich alles nur um eine Person dreht, die rund um die Uhr betreut werden muss. Viele scheuen sich, den Betroffenen in einem Pflegeheim unter zu bringen. Sie hätten ein schlechtes Gewissen, weil es so aussieht, als würde man ihn abschieben. Ein weiterer Grund sind die Kosten, die in einem Pflegeheim auflaufen. Wenn da nicht genügend finanzielle Mittel vorhanden sind, lässt sich so ein Aufenthalt sowieso nicht finanzieren.
Eine Alternative zum Pflegeheim ist die häusliche Pflege durch Fachpersonal. Da könnte der Betreute in der Familie leben oder je nach Gesundheitszustand sogar noch in seiner eigenen Wohnung. Das ist für die meisten die schönste Option, erhält man sich so doch noch eine gewisse Eigenständigkeit. Manchmal benötigt ein alter Mensch auch nur eine Haushaltshilfe, die ihm bei der Bewältigung des Alltags hilft. Auch das erscheint Vielen optimaler als den Umzug in ein Seniorenheim.
Haushaltshilfen und Pflegekräfte aus Polen haben sich in unserem Land einen guten Ruf erworben. Zum Einen sind sie fachlich auf der Höhe und zum Anderen arbeiten sie meist kostengünstiger als vergleichbare einheimische Pflegekräfte.
Die EU erlaubt die freie Arbeitswahl ihrer Bewohner innerhalb der Eurozone und so ist die Einstellung von polnischen Pflegekräften keine komplizierte Angelegenheit, zumal es polnische Vermittlungsstellen gibt, die Fachpersonal angestellt haben und nach Deutschland zur Arbeit entsenden. Das bedeutet für die Betroffenen, sie sind von den normalen Verpflichtungen eines Arbeitgebers entbunden und müssen keinerlei Behördengänge auf sich nehmen, sondern nur das vereinbarte Honorar an das polnische Vermittlungs-Unternehmen zahlen. Ein Lob auf die EU-Gesetze zur Dienstleistungsfreiheit innerhalb der Europäischen Gemeinschaft.
Andreas Mettler