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Hauptschule abschaffen oder Politik wandeln?

Autor: ArneFrentzel | Erstellt am: 08.05.2009 | Gelesen: 2218
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Hat die klassische Dreiteilung in Gymnasium, Real- und Hauptschule wirklich ausgedient?

Hauptschule ade?
Hauptschule ade?
Die deutsche Schulbildung ist gefangen im Mittelmaß. Händeringend wird nach einem Ausweg aus der Misere gesucht. Auch die klassische Dreiteilung des deutschen Schulsystems gerät dabei zunehmend ins Visier.

Heute besucht nur noch ein Rest der Schüler die Hauptschule. Wenig mehr als 15% der Schüler wählt den Weg der einstigen Volksschule, während die große Mehrheit das Gymnasium wählt. Bayern ist da noch eine Ausnahme. Dass das nicht immer so war, zeigen Statistiken aus den 50iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals war es normal, zur Volksschule zu gehen. Nur eine Minderheit besuchte das Gymnasium.
Doch das hat sich stark geändert. Lieber heute als morgen möchte NRW die Hauptschule ganz abschaffen und der Realschule angliedern. Nicht nur unzufriedene Pisaergebnisse auch besorgniserregende Schlagzeilen über die "Sozialfalle Hauptschule" machen der Regierung zu schaffen. Man erhofft sich nicht nur einen positiven Leistungsschub, sondern auch eine bessere Integration sozialer Problemfälle, die sich bisher vor allem in den Hauptschulen ballen.

Aber die Frage, ob die Dreiteilung oder wie in einigen Bundesstaaten, die Vierteilung mit der Gesamtschule, wirklich am Ende ist, bleibt berechtigt. Sicherlich ist ein Mehr an Bildung generell positiv zu sehen. Auf der anderen Seite stellt sich jedoch die Frage nach dem Sinn an mehr Bildung für nicht wenige Berufsbilder. Nicht zuletzt kostet die Umgestaltung in ein zweigliedriges System viel Geld.

Auch ist die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule kein Garant für bessere Ergebnisse. Vielmehr ist zu befürchten, dass sich dieser neue Schultyp, die Realhauptschule, mittelfristig der heutigen Hauptschule angleicht, da viele Eltern ihre Kinder dann direkt auf ein Gymnasium schicken würden. Konsequenterweise sollte man daher ohne Umwege sogleich die Einheitsschule schaffen. Doch die wirklichen Probleme werden weder durch eine Zweiteilung, noch durch die Einheitsschule gelöst. Das Problem in Deutschland sind die zu großen Klassen!

Es rächt sich jetzt, was die Politik seit den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei uns falsch gemacht hat. Es steht außer Frage, dass der heutige Schüler mit dem vor 30 oder gar 50 Jahren nicht zu vergleichen ist. Schüler sind heute einer Flut von Reizen ausgesetzt, sie sind unruhiger, aufsässiger und egoistischer. Ihr Bedarf an individueller Betreuung ist viel größer. Anstatt also die Anzahl der Schüler kontinuierlich den gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen, ist die Politik in Deutschland den schlechtest möglichen Weg gegangen: Sie hat die Klassen vergrößert, mit dem einzigen Ziel, Geld einzusparen.

Allmählich wird jedoch der volkswirtschaftliche Schaden dieses Sparkurses deutlich. Schulabbrecher, erhöhte Kriminalität, gesteigerte Aggressionsbereitschaft, als auch erhöhte Sicherungssysteme und vieles mehr fressen eingesparte Mittel nicht nur auf, sie verlangen sogar zusätzliche Staatsausgaben. Nicht zuletzt leidet das Unterrichtsklima in zu großen Klassen. Störer tauchen in der Menge ab und Lehrer reglementieren mehr, als dass sie unterrichten.

Der einzige Weg raus aus dieser Misere, gleich ob wir ein dreigeteiltes oder aber ein zweiteiliges Schulsystem haben, kann jedoch nur die deutliche Verkleinerung unserer Klassen sein. 20 Schüler als Richtwert in der Sekundarstufe I sollten angestrebt werden, wobei die Hauptschulklasse deutlich weniger, die gymnasiale Klasse etwas über diesem Schnitt liegen könnte. In Bayern ist die Realschule mit einem Schnitt von 35 Schülern noch Lichtjahre davon entfernt. Aber auch in anderen Bundesländern sieht es nicht viel besser aus.

Vielleicht sollten unsere Politiker einfach bei unseren Nachbarn und Pisavorbildern schauen. Dort ist eben diese Klassengröße von 20 die Regel. In einigen Ländern wie z.B. Finnland, ist die Klassengröße im Mittel sogar unterhalb der 15! Doch wahrscheinlich wissen Politiker und Verantwortliche es längst und führen uns seit Jahren ein politisches Scheintheater vor, um vor eben diesem Problem abzulenken, denn kleinere Klassen bedeuten immer erst einmal deutlich höhere Investitionen. Vor diesem Hintergrund wird das Herumhantieren und Knausern der Politiker selbst zum kriminellen Akt an jetzigen und kommenden Schülergenerationen.

Arne Frentzel www.arnefrentzel.de.tl
 
 
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