Harris Tweed
Dies sind die Tatsachen über Harris Tweed, die Sie, vor dem Kauf, auf jeden Fall wissen sollten. Der Hergang der Produktion ist einmalig und die Qualität des Stoffes, außerordentlich.
Als Erstes muss ich erklären, woher der Harris Tweed stammt und wie er produziert wird.
Der Harris Tweed ist einer der begehrtesten Stoffe der Welt, und wird ausschließlich nur auf den schottischen Inseln, „Harris" und „Lewis", gewebt. Bessergesagt, eine Insel wurde halbiert, mit „Harris" im Süden und „Lewis" im Norden.
Harris Tweed (gallisch auch Cloh Mor – der große Stoff, genannt) ist eine zertifizierte Handelsmarke, und muss aus 100% reiner Schurwolle bestehen. Der Stoff wird von den Inselbewohnern gefärbt, gesponnen und per Hand (Fuss) gewebt. Es ist vorgeschrieben, dass das Weben des Stoffes, in dem Haus des Webers, stattfindet.
Der Harris Tweed hat schon lange etwas Geheimnisvolles an sich. Geschichten über seine Produktion, in den abgelegenen Hütten der schottischen Inseln, tragen zu diesen Mysterien bei.
Jährlich, im Frühsommer, versammeln sich die Inselbewohner um die Schafe zu scheren, obwohl ein großer Teil der Wolle auch vom Festland eingeführt wird. Die Wolle wird dann in einer Mühle gewaschen und gefärbt.
Weiße und gefärbte Wolle wird im vorherbestimmten Verhältnis abgewogen, gut durchgemischt und zum Schluss, gesponnen. Die gesponnene Wolle wird schließlich auf Holzrahmen aufgedreht wo man sicherstellt, dass die Spannung gleichmäßig verteilt ist. Auf diesen Holzrahmen wird die Wolle zu den Webern, nach Hause, geliefert.
Die Weber bekommen ihre Muster von den auftragenden Manufakturen. Manche verkaufen ihre Stoffe auch selbst.
Die Fäden werden sorgfältig in das Webegerät, welches nur manuell (mit dem Fuß) betätigt werden kann, eingespannt, und der Webeprozess begonnen. An einem guten Tag, kann ein erfahrener Weber ungefähr 3 Meter Harris Tweed Stoff, pro Stunde, produzieren. Selbstverständlich hat dies seinen guten Preis.
Sobald der Stoff gewebt ist wird er wieder zu den Manufakturen gebracht wo er gewaschen wird, und kleine Mängel aufgehoben werden. Er untergeht einer weiteren Inspektion bei der hängende oder gerissene Fäden beseitigt werden. Erst dann kann die „Harris Tweed Authority" den Stoff gründlich prüfen, und ihn mit dem wohlverdienten „Harris Tweed Label" versehen. Der Harris Tweed Label bestätigt die Reinheit und Originalität des Stoffes.
In diesen abgelegenen Gebieten Schottlands, war das Weben schon immer ein grosser Teil des Lebens. Es war jedoch erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, dass der Harris Tweed „entdeckt" wurde. Als er angefangen wurde von den Königen getragen zu werden, wurde er immer mehr zum Statussymbol.
Im zwanzigsten Jahrhundert wurde der Harris Tweed immer berühmter und seine Qualität immer mehr gefragt. Sein guter Ruf verbreitete sich weltweit. Jahrelang konnten viele Harris Tweed Weber sehr angenehm von ihren Verdiensten leben.
In den 80iger Jahren jedoch, erlitt die Nachfrage nach Harris Tweed einen starken Rückgang. Mit der Massenproduktion von leichteren, optisch identischen Stoffen, die auch billiger waren, sank der Bedarf so drastisch, dass heute nur noch maximal 100 Weber geblieben sind, die die Harris Tweed Tradition weiterführen.
Erfreulicherweise ist der Bedarf für Harris Tweed, seit der Wende des Jahrtausends, wieder am Steigen. Dies können wir wohl Modedesignern wie Vivienne Westwood, Karl Lagerfeld, Jean Paul Gaultier und vielen anderen, verdanken. Diese Designer haben neuerdings den Harris Tweed wieder für ihre Moden entdeckt was sich sehr positiv auf die Nachfrage auswirkt. Selbst die berühmte Sängerin, Madonna, legte sich ein Harris Tweed Outfit an.
Selbst von diesem magischen Stoff begeistert, finde ich diesen neuen Aufschwung wunderbar. Es wäre einfach zu schade, sollten die Weber, diese Jahrhunderte alte Tradition, nicht mehr fortfahren können.
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Julia Phelps