Rainer Sauer/Autor
Harmonie ist ein Gemüts-Zustand, den wir ausschließlich in uns selbst ausfindig machen können und der sich uns dann, wenn wir ihm in uns begegnen, in der Außenwelt als Widerspiegelung zeigt. Sind wir in uns in Disharmonie, befinden uns also in einer unruhigen Stimmungslage, ist es uns praktisch unmöglich, die Harmonie in den weltlichen Erscheinungen zu entdecken. Das heißt, überall im göttlichen Schauspiel ist die Harmonie als solches zwar stets existent, wird aber von uns nur dann wahrgenommen, wenn wir uns auf sie
einstimmen, eben wenn wir uns auch im Zusammenklang, Wohlklang, im Akkord mit ihr befinden. Im Außen können wir also eigentlich keine Harmonie finden, wenn wir uns nicht innerlich dementsprechend sensibilisieren. Was aber nicht heißt, daß ein sich Begeben in eine harmonische Atmosphäre, in eine ausgeglichene Umgebung keinen Sinn macht und keine Auswirkung auf unsere Stimmung hat. Tatsächlich können wir zweifellos unsere erwünschte Stimmungsveränderung in Richtung Harmonie dadurch unterstützen, daß wir uns in eine ausgeglichene Atmosphäre begeben, das steht außer Frage, aber sie wird eben nicht durch das Außen unmittelbar hervorgebracht. Sondern wir können dadurch, daß wir
wirkliche Harmonie in der Außenwelt aufsuchen, den Prozeß der inneren Einstimmung positiv beeinflussen und somit harmonisch in uns selbst werden und die Wahrnehmung derselben kultivieren.
Das äußere Streben nach Harmonie zeigt sich uns oftmals sehr bald in einer Art Harmonie Süchtigkeit, welche in der zwanghaften Suche nach unerreichbarer Perfektion in der Welt der Unvollkommenheiten mündet. Da wir hier praktisch nicht auf das Harmonische eingestimmt sind, also eine Ausrichtung darauf fehlt, finden wir auf unserer Suche demnach auch immer nur das Nicht Harmonische, das Unvollkommene auf, was selbstverständlich nicht unserer Bedürfnis nach Ausgeglichenheit stillt. Wir suchen eben mit einem gänzlich ungeeigneten Werkzeug, mit unserer disharmonischen Stimmung dort nach Harmonie, wo wir sie in dieser Art und Weise nicht aufzufinden vermögen. Ein Unterfangen, welches sich uns in unseren Beziehungen, in unserer Arbeitswelt, im täglichen Leben ständig als eine fast schon selbstständig funktionierende Lebensform aufzeigt, welche stur das Ziel verfolgt, eine sterile, konstante, unzerstörbare und vermeintlich sichere Atmosphäre der Harmonie zu finden oder herzustellen und diese vor allem bis auf alle Ewigkeit hin beizubehalten. Wir eilen so gesehen einem Gespenst, einer illusionären Harmonie hinterher, die unerreichbar und unrealistisch ist und uns von der tatsächlichen Begegnung mit der Harmonie zurückhält, welche in uns bereits im Hier und Jetzt existent ist und auch für unser Aufsuchen, also für unsere Einstimmung jederzeit bereit ist. Wenn wir in unsere Gefühlsebenen vordringen, in denen wir immer noch kindliche Voraussetzungen antreffen, also noch gänzlich unreife Wünsche und Bedürfnisse hegen, die mit der Verweigerung jeglicher Verantwortung einhergehen, erfahren wir diese Aussage als durchaus relevant. Wir sehen hier nämlich, daß durchaus ein etwas verzerrtes Bild von Harmonie als solches in uns besteht und erkennen, wie dieses in unserem Leben Auswirkung hat und auch daß wir in diesen unreifen Bereichen eine zumeist irrige Vorstellung vom Erreichen und Erlangen von Harmonie haben, welche schwerlich zum Ziel führen kann. Mit anderen Worten, daß wir im Außen nach der Harmonie suchen, welche wir nur in uns als unsere ureigene existente Wirklichkeit auffinden können.
Harmonie ist nämlich ein Zustand, in dem wir mit uns und allem Existierenden sowie Nicht Existierenden eins sind, eine Erfahrung, welche wir ausschließlich an einem inneren Ort der absoluten Ausgeglichenheit in uns selbst machen können. Und die aus diesem Grunde eigentlich ja naheliegend unmöglich im Außen für uns erreichbar ist, da wir dieses Maß an absoluter Ausgeglichenheit wohl kaum in den äußerlichen Bedingungen, insbesondere in den unzähligen Erscheinungen von Gegensätzen vorfinden, wenn wir selbst für dieses Phänomen nicht empfänglich sind. Wir Harmonie schließlich als erstes angekommen in uns selbst erleben und ihr dann auch in der Ausgeglichenheit der scheinbaren Gegensätze begegnen. Diese Begegnung mit der Harmonie in der Außenwelt findet also als Folgeerscheinung erst dann statt, wenn wir an diesem Ort des Ausgeglichenseins in uns angekommen sind und eine echte Harmonie sich einstellt, demnach das Eintauchen in das Einssein auch im Außen erlebbar wird. Was die äußerlichen, scheinbaren Gegensätze erst jetzt als Resultat der innerlich aufgefundenen Harmonie als folgerichtiges Nebenprodukt Versöhnung miteinander feiern läßt. Das Suchen nach Harmonie im Außen und vor allem dann selbstverständlich das übersteigerte Verlangen nach ihr ist nur Ausdruck für die Nicht Bereitschaft, unserem derzeitigen inneren Zustand von Dis Harmonie begegnen zu wollen. Und verhindert somit unser Ankommen im realen Augenblick, der vermutlich Disharmonie widerspiegelt und den wir somit als unerwünscht, mit unerfreulicher Natur definieren. Er verhindert also unser Ankommen in der Realität, welche Ausgangspunkt, praktisch die Startposition für das Suchen und Auffinden der echten Harmonie ist. Mit anderen Worten, nur in der Realität können wir tatsächlich Berührung mit der Harmonie aufnehmen. Harmonie ist stets existent und immerwährend, und die Begegnung mit ihr ist auch jederzeit möglich, wir müssen nur damit aufhören, sie herstellen oder produzieren zu wollen und damit aufhören, sie ausschließlich im Außen zu suchen. Wir sollten uns also eher auf unsere Bereitschaft konzentrieren, sie in uns selbst aufzusuchen, um sie letztendlich dort und auch überall anders als ultimativ existent zu erfahren