Der Körper im Raum – so könnte man Robert Morris' Lebensthema zusammenfassen. Berühmt wurde er 1961 in New York durch seine Two Columns: Zwei mannshohe, hohle Sperrholzsäulen, eine stehend, eine liegend. Wie der Betrachter sich zu solchen Gegenübern verhält, welches Körpergefühl die simplen Formen bei ihm auslösen, das war Morris' zentrale Frage. In ähnlicher Weise funktionierten vier Jahre später seine berühmten L-Beams: Sperrholzskulpturen in L-Form, die der Künstler in unterschiedlicher Aufstellung im White Cube arrangierte und die ihn endgültig zum Säulenheiligen der jüngeren Kunstgeschichte adeln sollten.
Morris' revolutionäre Auffassung vom Verhältnis Raum-Körper-Skulptur manifestierte er 1966 in seinem legendären Beitrag „Notes on Sculpture" in der Zeitschrift „Artforum", der das starke Interesse der damaligen Künstlergeneration an Maurice Merleau-Pontys „Phänomenologie der Wahrnehmung" wiederspiegelte. Dabei verwundert es nicht, dass Morris' Skulpturen etwas seltsam Menschliches anhaftet: Von Tanz und Performance kommend und im Judson Dance Theater mit Carolee Schneemann und Yvonne Rainer aktiv, ließ er schon 1961 eine Säule auf der Bühne wie ohnmächtig umkippen – ganz so, als wollte er damit Michael Frieds kritische These vorwegnehmen, die Minimal Art hebe mit ihrer Theatralität die Distanz zwischen Werk und Betrachter auf.
Und auch Morris selbst blieb nicht einfach stehen. Während Donald Judd, Carl Andre und Dan Flavin, die in Minimal-Anthologien mit ihm gern im selben Atemzug genannt werden und ihren einmal entwickelten Erfolgsrezepten treu blieben, spann Morris den Faden immer weiter – von verspiegelten Kuben, die die Interaktivität des Betrachters herausfordern, über Land Art-Gebilde in Form von Kratern und dampfenden Flächen im Außenraum bis hin zu Filzbahnen, die von der Wand fallen und heute längst zu den Inkunabeln der Anti-Form zählen. Dass Morris seinen künstlerischen Strategien bis heute treu bleibt und dabei dennoch stets neue Formen entwickelt, demonstrierte jüngst seine Ausstellung bei Sprüth Magers Berlin: Hier waren zwölf Arbeiten von 2009 aus der mit verbundenen Augen erstellten Zeichnungsreihe Blind Time Drawings präsentiert, die Morris 1973 begonnen hat – und die bis in die Gegenwart für Überraschungen gut ist. Heute wird Robert Morris 80 Jahre alt.
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