(Online-Artikel.de) - Hape Kerkeling hat es vorgemacht: eine längere Auszeit ist viel wert. Es muss ja nicht der Jakobsweg sein, aber mal zwei Monate am Stück – ein Traum.
Gerade im EDV-Bereich hat sich das Programmiererleben in „Projekten" eingebürgert. Software-Einführung in vier Monaten ... zum Jahresende ... dann das nächste NAV-Projekt ... usw. Bis dahin gilt der alte Witz: IBM, das heißt „Immer bis Mitternacht!". Voller Einsatz gefragt. Sonderschichten, Überstunden, egal. Hauptsache der Termin wird gehalten. Zwischen zwei Projekten, da könnte es passieren: Sabbatical ist das Zauberwort. Auszeit! Nix wie weg. Aber: wie steht es mit der Finanzierung? Läuft in der Zeit auch die Sozialversicherung weiter? Wie regelt man so etwas mit dem Arbeitgeber?
Die eleganteste Lösung: das Lebensarbeitszeitkonto. Wie funktioniert das? Bestimmte Teile des Brutto-Lohnes werden nicht an den Arbeitnehmer ausbezahlt. Dieser hat auf die Auszahlung verzichtet und sein Arbeitgeber baut in einem Lebensarbeitszeitkonto einen Brutto-Lohn-Vorrat auf. Genutzt werden kann dieser Gehalts-Vorrat zur Finanzierung von Auszeiten: zum Beispiel aus familiären Gründen wie Elternzeit, zur Weiterbildung, für die Weltreise oder – immer beliebter – für den heiß ersehnten Vorruhestand. Zeitwertkonten sind das beste Mittel gegen „Rente mit 67!" und bringen Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Lebensarbeitszeitkonten sind kein Privileg der Großindustrie. Das gibt es auch für den Mittelstand. Auf dem Markt sind auch Komplett-Angebote für KMU-Betriebe. Damit kommen auch diese in den einzigartigen Genuss von höchstmöglicher Flexibilität im Personaleinsatz. Auszeiten sind je nach Bedarf möglich. Schwankende konjunkturelle Auslastung kann ausgeglichen werden, moderne Patchwork-Lebensläufe werden bewältigt und begehrte Fach- und Führungskräfte beginnen „ihre" Firma zu mögen.
Nehmen wir den Informatiker Steinbrenner. Mit seinen 35 Jahren verdient er heute 4.500 €. Monatlich verzichtet er auf brutto 350 €. In seinem Geldbeutel spürt er bei Steuerklasse 4 lediglich einen „Netto-Einsatz" von 164 €. Der Finanzminister legt in seinem Depot 144 € Lohnsteuern mit an und die Sozialversicherungen sind mit zwei mal 42 € dabei. Fällig werden diese Abzüge erst dann, wenn aus dem EL-Depot Geld zur Finanzierung einer Auszeit (Freistellung, Vorruhestand) entnommen wird. Bleibt er über die Jahre dabei, dann kann er mit 62 Jahren spätestens in den Vorruhestand. Problemlos ist während der Jahre auch noch der Jakobsweg drin.
Der steuerliche Zufluss und somit die sofortige Besteuerung wird dadurch vermieden, indem das Lebensarbeitszeitkonto auf den Namen des Unternehmens läuft. Je länger die „Rest"-Lebensarbeitszeit, desto mehr profitiert der Arbeitnehmer vom deutlich spürbaren Zinseszinseffekt. Damit ist auch ein Vorruhestand schon mit 60 Jahren möglich. Ein weiterer Vorteil: Erträge auf Lebensarbeitszeitkonten unterliegen nicht der 2009 kommenden Abgeltungssteuer.
Bei einem Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber kann das Konto mitgenommen werden – und während des USA-Aufenthaltes ruht es dank einer Wiedereinstellungsgarantie unangetastet. Die Bindung des jungen Ingenieurs an seinen Arbeitgeber ist enorm – denn dieser hat mit den Lebensarbeitszeitkonto für eine mehr als angenehme Stimmung gesorgt: der Familienvater kann sich sicher sein, dass auf ihn und seine Familie Rücksicht genommen werden kann. So macht Lebensplanung Spaß und kann mit dem vollen Einsatz für die Firma kombiniert werden.

Neben weiteren Vorteilen wie Verbesserung des Firmenimage oder Erhöhung der Mitarbeitermotivation gibt es auch einen finanziell interessanten Aspekt aus Firmensicht. Das Unternehmen verbucht dank der freundlichen Gestaltung der Körperschaftsteuer einen nicht unerheblichen Gewinnanteil bei den Unternehmens-Steuern. Je mehr Mitarbeiter die Lebensarbeitszeitkonten nutzen, umso stärker entwickelt sich dieser steuerliche Vorteil. Ein spannender Effekt, der deutlich das Gefühl vermittelt, dass hier ein Vorteil der Großindustrie direkt in der eigenen Buchhaltung angekommen ist.
Das Lebensarbeitszeitkonto zeigt sich insgesamt als ein sehr attraktives Instrumentarium der Personalpolitik, das flexibel in den Unternehmensprozess eingefügt und umgesetzt werden kann. Dabei kann es aber noch mehr – die Initiierung des Angebotes von Seiten des Arbeitgebers hat auch eine positive Signalwirkung auf den Mitarbeiter: die Bindung der Mitarbeiter an das eigene Unternehmen wird erhöht, Mitarbeiter-Wissen gesichert und die Fluktuationskosten werden verringert. Damit kann der Mitarbeiter nach dem Jakobsweg auch eine Auszeit nehmen, um wie Hape Kerkeling ein eigenes Buch zu schreiben.
Martin Oehler, Spezialist für Lebensarbeitszeitkonten,
www.lebensarbeitszeitkonto.net