Artikel-Recherche: Titel Beschreibung   Erweiterte Suche

Hallenkrane: Mehr Sicherheit durch Funkfernsteuerungen

Autor: autocom | Erstellt am: 11.09.2008 | Gelesen: 3321
Kategorie: Wissenschaft - Forschung & Technik | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
PDF Erstellen PDF Erstellen | Drucken Drucken | An Freund Senden Versenden

(Online-Artikel.de) - Moderne Funkfernsteuerungen sind solche mit Kabelverbindungen weit überlegen

Hallenkran im Betrieb
Hallenkran im Betrieb
Vielfach werden Hallenkrane noch mit Steuerflaschen betrieben, also mit einer Kabelverbindung von der Steuereinheit zum Kran. Doch zunehmend setzen sich Funkfernsteuerungen durch: Sie haben ihre Praxistauglichkeit seit vielen Jahren in den unterschiedlichsten Branchen unter Beweis gestellt und die Sicherheit für den Bediener wesentlich erhöht: Denn er kann sich frei bewegen und so stellen, dass er die Last zwar immer sieht wie vorgeschrieben, aber durch sie nie gefährdet wird. Daher werden viele neue Hallenkrane von vornherein mit Funkfernsteuerungen ausgestattet und ältere nachgerüstet. Aber: Wie sicher sind sie in der Praxis?

Wer schon einmal erlebt hat, wie in einem Glas verarbeitenden Betrieb eine große Glasscheibe zu Bruch ging, weil die Steuerflasche durch Unachtsamkeit dagegen geprallt ist, der versteht, warum derartige Betriebe mit zu den besten Kunden der Hersteller von Funkfernsteuerungen gehören. Aber immer wieder ist zu hören, dass man sich bei Kranarbeiten doch sicherer fühle, wenn eine feste Kabelverbindung zwischen Steuer- und Empfängerteil bestehe. Und dies trotz der Einschränkung durch die Kabellänge. Bei Funkwellen wisse man ja eben doch nicht so genau, ob die nicht abgelenkt oder gestört werden könnten. Und wenn sich der Hallenkran dann selbstständig macht, ist schnell der Schaden groß. Wegen solcher oder ähnlicher Unsicherheiten scheut sich daher so mancher, seinen Hallenkran auf eine Funkfernsteuerung umzurüsten.

Funkfernsteuerungen bestehen generell aus einem Sender und einem Empfänger. Bei Mehrsenderbetrieb oder Tandemfahrt können dies auch mehrere Sender und Empfänger sein. Für aller Versionen jedoch gilt: Ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl einer Funkfernsteuerung stellt ihre Funktionssicherheit dar: Das bedeutet, dass der Empfänger die Funksignale aller Sender in seinem Empfangsbereich außer des ihm zugewiesenen zuverlässig ignorieren muss. Funkfernsteuerungen dürfen nur sichere Daten übermitteln und empfangen. Es muss sichergestellt sein, dass sie niemals eine ungewollte oder eigenständige Aktion auslösen. Zudem müssen sie beim Ausfall eines Bauteiles sicher abschalten.

Die meisten Hersteller von Funkfernsteuerungen setzen Digitaltechnik ein. Denn nur sie bietet unbegrenzte Möglichkeiten, gesendete und empfangene Signale zu verschlüsseln. Damit ist jede der Funkfernsteuerungen gewissermaßen ein Unikat, das von keinem anderen Gerät angesteuert werden kann. Dazu werden die Befehlsdaten wie beispielsweise „Last senken" vor ihrer Übertragung zum Empfänger so verschlüsselt, dass der eindeutig erkennen kann, ob sie auf dem Funkweg durch etwaige Übertragungsstörungen verändert wurden. Durch eine mehrstellige numerische Adresse erkennt der Empfänger, dass die ankommenden Daten für ihn bestimmt sind. Diese Adresse wird dem so genannten Telegramm hinzugefügt, das außerdem die Startinformation, die eigentlichen Übertragungsdaten, die Sicherheitsinformation und die Stop-Information enthält. Nur dieses selbst prüfende Übertragungsverfahren kann sicherstellen, dass der Empfänger das übermittelte Telegramm als zuverlässig und richtig erkennt.

Die Sicherheitsfunktion greift dann, wenn der Empfänger ein normalerweise ununterbrochen vom Sender ausgestrahltes Signal nicht mehr empfängt. Dies kann geschehen, weil möglicherweise ein Sender-Ausfall durch einen entladenen Akku auftritt, oder weil Sende- und Empfangsteil zu weit voneinander entfernt sind. In diesen Fällen wird der Hallenkran abgeschaltet. Das System geht bei vielen Herstellern automatisch dann in den sicheren Zustand, wenn der Empfänger länger als 0,5 Sekunden kein Signal erhalten hat.

Weitere Sicherheitsfunktionen bieten den Schutz vor ungewolltem und unverhofften Wiederanlauf, da der Empfänger plötzlich wieder ein Signal erhält: Die für diesen Fall verantwortliche so genannte Nullstellungsüberwachung des Empfängers sorgt dafür, dass der Kran erst nach erneuter Aktivierung einer Bedienfunktion wieder anläuft. Diese Nullstellungsüberwachung ist auch im Sender vorhanden. Dort sorgt sie dafür, dass nicht sofort und für den Bediener überraschend eine Funktion ausgeführt wird, wenn beispielsweise bereits beim Einschalten des Senders eine Taste hängt.

Sollte nun trotz aller Sicherheitsvorkehrungen einmal ein Fehler auftreten, so ist sichergestellt, dass er keinen Schaden für Mensch und Maschine verursachen kann: Dafür sorgt als so genannte übergeordnete Instanz der Passiv-Not-Stop-Kreis: Tritt ein Fehler auf, klebt beispielsweise ein Relais, so wird dennoch der Kran jederzeit zuverlässig abgeschaltet.

Viele Funkfernsteuerungen der unterschiedlichen Hersteller sind mit einem aktiven, redundanten System ausgestattet. Dies bedeutet, dass stets zwei Schaltkreise parallel arbeiten. So ist die gesamte Steuer- und Auswerteelektronik doppelt ausgeführt und ein Kreis kann den anderen überwachen. Fällt einer aus, ist der zweite noch aktiv und kann das Gesamtsystem abschalten. Vielfach haben die Hersteller ihre Funkfernsteuerungen auch so ausgelegt, dass sie bei einer Störung nicht einfach nur abschalten, sondern sie steuern automatisch einen sicheren Zustand an. Das bedeutet, dass alle Befehle mit einer Beschreibung hinterlegt sind, was das Funkfernsteuerungs-System im Falle eines wie auch immer gearteten Fehlers ausführen muss. So wird zuverlässig

verhindert, dass sich ein Hallenkran plötzlich verselbständigen kann. Die Hersteller bieten unterschiedliche Funkfernsteuerungen mit mehr oder minder vielen Funktionen an. Es ist daher sehr wichtig, sich vor dem Kauf einer Funkfernsteuerung nicht nur damit zu befassen, welche unterschiedlichen Steuerbefehle sie ausführen kann, sondern auch, wie ihre interne Sicherheits-Ausstattung aufgebaut ist.

Einige Funkfernsteuerungen weisen darüber hinaus noch Ausstattungsmerkmale auf, die sehr nützlich sind, je nachdem, wo und wie sie eingesetzt werden sollen. So beträgt die Reichweite derartiger Steuerungen durchaus bis zu 300 Metern. Wo jedoch eine Reichweitenbegrenzung aus Sicherheitsgründen erforderlich ist, so wird auch die geboten. Vielfach setzt man dazu Infrarotlicht ein. Es erkennt, ob sich der Bediener in dem keulenförmigen Sendebereich aufhält oder nicht: Hat er ihn verlassen, stoppt das gesamte Kransystem automatisch. In stark schmutzendem Umfeld funktioniert diese Übertragungsart jedoch nicht. Daher verwenden in diesem Fall einige Hersteller Mikrowellentechnik. Sie besitzt eine ähnliche Charakteristik wie die Infrarottechnik, ist aber vollkommen unempfindlich gegenüber Verschmutzung. Ihre Reichweite ist allerdings auf etwa 15 Meter begrenzt.

Für Unternehmen, die große Teile bewegen müssen, ist die Funktion der Tandemfahrt wichtig: Dabei wird ein Bauteil von zwei Kranen verfahren. Die Funkfernsteuerung steuert beide gleichzeitig. Allerdings kann sie das Problem der Synchronisation nicht lösen: Das heißt, bei der Tandemfahrt kann es vorkommen, dass beide Krane zwar in der gleichen Geschwindigkeitsstufe gefahren werden, aber eben doch ein wenig unterschiedlich schnell sind. Muss dies unbedingt vermieden werden, so ist hier eine separate Regelelektronik zu verwenden, die beide Krane in ihren Bewegungen exakt synchron fährt.

Funkfernsteuerungen sind auch beim Übergabe- oder Mehrsenderbetrieb gegenüber der Steuerflasche überlegen: Hierbei steuern zwei Fernbedienungen den Hallenkran wechselseitig. Das kann beispielsweise in der Fertigproduktion von Betonteilen wichtig sein: Dort müssen regelmäßig größere Strecken verfahren werden. Mit einer Steuerflasche muss der Bediener stets mitlaufen. Die Funkfernsteuerung erlaubt es hingegen, dass der Belader die Aufnahme der Last und die Fahrt steuert, der Entlader dann übernimmt und die präzise Absetzposition steuert. Eine so genannte Lock-in und Lock-out-Funktion stellt hierbei sicher, dass immer nur ein Bediener den Kran tatsächlich steuern kann. Einige Hersteller ermöglichen sogar den Mehrsenderbetrieb mit mehr als zwei Funkfernsteuerungen. Dazu entwickelten sie das Mehrsendemanagement, das eine sichere Kranmanipulation durch mehrere Kranfahrer ermöglicht.

Heutige Funkfernsteuerungen sind ausgereift sowie sicher und durch ihre zahlreichen Zusatzfunktionen der Steuerflasche oftmals weit überlegen. Sie werden am Mann in einer bequemen Halterung getragen, und ihre Akkus verfügen über eine ausreichende Standzeit. Ihre Größe hängt sehr von der Ausstattung ab, und die wirkt sich auch auf das Gewicht des Sendeteils aus: Es kann bis zu rund zwei Kilogramm betragen. Die Bedienelemente wie Taster, Kipphebel oder Joysticks sind geschützt angebracht und lassen sich generell auch mit Handschuhen betätigen. Vor dem Kauf sollte man sich sehr gut überlegen, welche Funktionen mit der Funkfernsteuerung ausgeführt werden sollen: Denn sie muss dem derzeitigen Anforderungsprofil des eigenen Krans entsprechen, sollte dabei aber eine spätere Funktionserweiterung nicht ausschließen: Denn wenn das Unternehmen wächst, wachsen oft auch die Anforderungen an die technische Ausrüstung.

Peter Richter
www.autocom-deutschland.de
 
 
Geno Sponsoring
Social Bookmark

Artikel Bewerten:  Schlecht Artikel ist Schlecht 1 2 3 4 5 Artikel ist Sehr Gut Sehr Gut  
Zuletzt gelesene Artikel in der Kategorie Wissenschaft - Forschung & Technik:
LED Taschenlampe vs. Glühbirnen
Hörnlein Umformtechnik: Tiefziehen als Alternative zur Zerspanung
SafeTIC AG: Einfache Handhabung der Defibrillatoren
'Morgenstadt' - die Stadt der Zukunft
Das Gesamtheitsmodell (Die Synthese)
Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit
Robot Vision mit flexibler Zuführung Anyfeed
Prozesspumpenprüfung auch nach API 675

comment Kommentare von Besucher !

Noch kein Kommentar zu Artikel “Hallenkrane: Mehr Sicherheit durch Funkfernsteuerungen”







Top | rss   
Designed by A2D Webdesign Agentur | Media-Netzwerk: MyPress World | MyPress DE | MyPress CH | MyPress AT | Online Article
OA-Services: Online PR-Blog | Webreporter | Know-How | Jobs & Stellenanzeigen | Presseportal | News | Branchenbuch

Copyright 2008 © Art2Digital InterMedia Solutions | ICRAchecked | Creative Commons License.