eine etwas dezentere turtle Beanie
Ein junger Mann surft im Internet und sieht eine absolut coole Häkelmütze. So eine muss er unbedingt haben. Also ab in den Online-shop? Nein, der junge Mann ist Student und dementsprechend knapp bei Kasse. Er hat eine bessere Idee: "Maamaa, kannst Du mir auch so'ne Mütze häkeln?" Er sitzt nämlich an einer guten Quelle. Seine Mutter hat seit Jahren ein äußerst bestrickendes Wesen – also warum nicht zur Häkelnadel greifen?
Natürlich bekommt er von Mama eine Häkelmütze. Aber nicht nur von Mama. Wer zwei Hände hat zum Häkeln, der häkelt. Wie auf Befehl, als hätte man ein geheimes Signal zum Aufbruch vernommen.Seine Oma mag Handarbeiten ganz gern – eine Oma eben. Nun häkelt sie Mützen. Die Tante hatte allerdings mit Handarbeiten gar nichts am Hut. Heimlich fand sie Stricken sogar langweilig. Aber auch sie hat es mit dem Mützen häkeln probiert, hat Feuer gefangen und häkelt nun mit großer Begeisterung. Und wenn man erstmal angefangen hat, Beanies zu häkeln, kann man gar nicht mehr aufhören und eine Häkelmütze nach der anderen purzelt von der Nadel.
Aber wie häkelt man überhaupt eine Mütze?
Nun – Anleitungen gibt es genug im Internet. Und wenn man die streng befolgt, häkelt man die interessantesten Objekte. Nur Mützen sind selten dabei. Aber Eierwärmer, Spritztüten, Pilze oder Frisbeescheiben. Ein Werk aus einer frühen Produktionsphase hatte tatsächlich gute Flugeigenschaften und machte Karriere als Hundefrisbee. Man lernt aber rasch ganz von selbst, wie eine Mütze gehäkelt werden muss.Doch damit nicht genug: Ein besonders kreativer Kopf hat der Häkelmütze Anfang und Ende genommen. Wir wissen ja seit Stefan Remmler, dass alles ein Ende hat und die Wurst zwei. Nicht diese Häkelmütze: Die Not wurde zur Tugend gemacht und nun ziert eine bunte Kordel die Stelle, an der Anfang und Ende zusammentreffen: Die String-Beanie war geboren.
Aber wohin mit den vielen Häkelmützen?
Ganz nebenbei ist ein kleines Familienunternehmen entstanden. Man könnte es eine Auftragshäkelei nennen. Denn wer im mittlerweile eingerichteten Onlineshop keine passende Kopfbedeckung findet und trotzdem nicht mit kalten Ohren durch den Winter will, kann sich seine ganz persönliche Häkelmütze selbst zusammenstellen. Die liegt dann ein paar Tage später im Briefkasten.
Die Häkelmützen aus dem Hause Turtlehat, wie sich die Auftragshäkelei mittlerweile nennt, sind klassische Beanies. Beanies sind Mützen, die dem Kopf eng anliegen und ohne Bommel getragen werden. Der Name Beanie stammt aus dem Englischen. Dort bezeichnet man den Kopf umgangssprachlich als „Bean", was in etwa unsere „Birne" entspricht.
Nur mit Mützen häkeln alleine ist es nicht getan. Man braucht aussagekräftige Produktbilder, jemand muss sich um Marketing und Vertrieb kümmern. Und wer betreut die Website und den Onlineshop? Diese Aufgaben teilen die HäklerInnen untereinander auf. Alles läuft wie am Schnürchen – oder soll man sagen wie von der Häkelnadel?
Der junge Mann hat mit seiner beiläufigen Frage eine Lawine losgetreten und ist ganz nebenbei zum Geburtshelfer eines kleinen Familienunternehmens geworden.