Der Haarwuchszyklus und seine Schaltstellen
Die Haarmultiplikation ist ein Begriff für den Versuch, Haare nach Wunsch zu vermehren um die Folgen einer Glatze überdecken
Seit Jahrhunderten versucht die Menschheit eine Lösung gegen das Problem der Glatze zu finden, bisher weitgehend vergeblich. In diesen Wochen konkretisiert sich die Hoffnung, dass mit der sogenannten Haarmultiplikation endlich die verloren gegangene Haarpracht wiederhergestellt werden kann. Haarmultiplikation bedeutet nichts anderes, als die vorhandenen Haare zu vermehren. Dies klingt banal, ist aber ein hochkomplizierter Vorgang. Dazu muss man ein bisschen mehr Hintergrund über den Haarwuchs und vor allem den Haarfollikel besitzen.
Haarwuchs und Haarausfall
Haare sind ein sehr autonomer Apparat im Körper des Menschen, allerdings eingebundenen in die Zellen der Haut. Die eigentliche Wachstumszone des Haares ist in der Papilla am untersten Ende des Haares, und direkt am Übergang zu den anliegenden Hautzellen. Jedes Haar wächst vollkommen alleine für sich, unabhängig von anderen Haaren. Es verfolgt dabei einen bestimmten Zyklus, Haarwuchszyklus genannt. Mehrere Jahre des Wachstums werden gefolgt von einer Ruhephase und schließlich dem Ausfallen der Haare.
Dieser Automatismus des Haares wird überlagert durch Einflüsse des Körpers, insbesondere durch hormonelle Botschaften. So ist das Haarwachstum auch im Lebenszyklus ein auf und ab. Der Embryo hat noch keine Haare, sie werden erst am Ende der Schwangerschaft oder nach der Geburt gebildet. Mit der Pubertät vermehren sich die Haare, um dann mit den Wechseljahren bei der Frau oder zunehmendem Alter beim Mann wieder weniger zu werden. Der normale Haarverlust ist aber etwas anderes als
Haarausfall, bei dem unnatürlich viele Haare verloren gehen.
Konzepte zur Haarmultiplikation
Aber festzuhalten ist, dass es keinen Mechanismus gibt, einem bestimmten Haar zu sagen, wann es wachsen soll oder nicht. Umgekehrt ist es aber auch so, dass Haare ohne eine Anbindung an die Hautzellen nicht wachsen. Und dies macht das Prinzip der
Haarmultiplikation so schwierig. Es muss nämlich sichergestellt werden, dass die Haarvermehrung an sich und gleichzeitig die Anbindung an die Haut erfolgreich sind.
Es werden daher auch völlig unterschiedliche Konzepte verfolgt:
- Versuche, durch äußerliche Reize die Haut in den embryonalen Zustand zu versetzen, in dem sie wieder neue Haare bildet (wie beim Baby)
- das mechanische Aufteilen von Haarzellen, deren Teile wachsen als eigene Haare nach
- das Züchten von Haaren im Labor (es müssen dazu nur einige wenige Haare aus der Kopfhaut entnommen werden)
- die Gabe von Wachstumshormonen auf die Kopfhaut, um dort das Wachstum neuer Haarzellen auszulösen oder alte Hautzellen zu regenerieren
Das Spektrum dieser Ansätze zeigt, dass es noch keinen sicheren Weg gibt, das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Am weitesten vorangeschritten sind konkret der niederländische Wissenschaftler Dr. Gho und das amerikanische Unternehmen Trichoscience, als die Versuche, die Haare mechanisch aufzuteilen, sowie die Anzucht im Labor. Allerdings gilt auch bei diesen beiden Methoden das Problem, die Haare wieder einwandfrei und gesund in den Körper einzupflanzen. Manche Firmen setzen auch darauf, die neuen Haare einfach zu injizieren. Noch ist vieles geheim. Es ist aber zu erwarten, dass schon in diesem Jahr konkrete Ergebnisse von Studien veröffentlicht werden. Dies lässt optimistisch sein, dass das Problem Haarausfall gelöst werden kann
Andreas Staedtgen