Rituale sind für den Unterricht wichtig
Was bleibt einem ehemaligen Schüler nach Jahren der Erinnerung übrig, wenn er an seine Schulzeit zurückdenkt? Es sind die guten, wie auch die schlechten Dinge, eine Prügelei, die strengen, wie die zu laschen Lehrer und auch Rituale einiger Lehrer, an die man sich gerne, wenn auch manchmal mit Schaudern erinnert.
Ritualisierungen sind wichtig für den Lerner. Schüler wissen so eher, was zu einer bestimmten Zeit des Unterrichts kommt. Sie können sich, auch innerlich, weit vor der Stunde darauf einstellen. Nichts macht unsicherer als Unwissenheit. Rituale dagegen, auch wenn sie hart scheinen, machen den Unterricht berechenbar. Sinnvolle Ritualisierungen schaffen damit einen Rahmen von Verlässlichkeit und Klarheit.
Ein Ritual meines hochgeschätzten Lateinlehrers ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Mindestens zweimal in der Woche, bei vier Wochenstunden Latein, mussten sich abwechselnd immer ein paar Schüler einzeln hinter die aufgeschlagene Tafel stellen und zehn Vokabeln mündlich übersetzen. Die Benotung war einfach: Eine Vokabel nicht gewusst ergab einen Notenabzug. Bei vier Fehlern erhielt man folgerichtig eine fünf.
Jetzt, 25 Jahre später, nun selbst bereits gestandener Lehrer, führe ich selbiges erfolgreich in meinen Deutschlernkursen im Ausland durch. Ich habe die Methode insofern verändert, als dass hinter jeder aufgeschlagenen Tafelseite, also an beiden Seiten, jeweils ein Schüler steht und die Vokabeln übersetzt aufschreiben muss. Einer steht in der Mitte und schreibt ohne zu übersetzen die von mir genannten Wörter. Diese Methode garantiert, dass die Vokabeln auch wirklich gelernt werden. Allerdings wende ich sie bei einer Klassenstärke von weniger als 20 Schülern und drei Unterrichtsstunden Deutsch nur einmal wöchentlich an.
Ein weiteres wichtiges Ritual ist die Kontrolle der Hausaufgaben. Nur so wird der Fleißige auch in Zukunft immer seine Hausaufgaben machen.
Damit die Schüler sich zu Hause über die Hausaufgabe hinaus mit dem Unterricht befassen, sollte man immer am Anfang einer Stunde die Inhalte der Vorstunde(n) wiederholen. Dies kann durch Fragen, aber auch mittels einer spielerischen Wiederholung erfolgen. Im Sinne der Ritualisierung sollte man sich ein paar allgemeine Leitfragen zurechtlegen. Auch die Spiele sollten einen bekannten Basischarakter mit Wiedererkennungswert, z.B. in Form von Quizspielen, haben.
Welche Rituale man letztendlich anwendet, ist einem selbst überlassen. Man sollte jedoch als Lehrer nie vergessen, dass Unwissenheit unter Schülern zu Unsicherheit führt, was wiederum für den gesamten Unterrichtsprozess von Nachteil ist. Von daher sollte Unterricht immer ein gesundes Maß an Ritualen enthalten.
Arne Frentzel
www.arnefrentzel.de.tl