Verlegerin und Autorin Evelyne Kern
Wer heute mit viel Fleiß und Enthusiasmus ein Buch geschrieben hat und sein Manuskript dann auch unterbringen möchte, wendet sich logischerweise zunächst an die großen Publikumsverlage. Doch der Traum und die Hoffnung, sein Buch in den Regalen der Buchhändler stehen zu sehen, schwindet schnell – es regnet Absagen. Viele große Verlage machen sich noch nicht einmal die Mühe, diese zu erteilen, reagieren auf Nachfragen ungehalten. Andere haben dafür zumindest Standardbriefe, die den Autoren zusammen mit ihren ungelesenen Manuskripten zurückgesendet werden – wenigstens weiß man dann, woran man ist.
Einen Hoffnungsschimmer für angehende Schriftsteller/innen bieten seriöse kleinere Verlage, die einen
annehmbaren Druckkostenzuschuss verlangen. Hier allerdings muss der Autor
sehr sorgfältig recherchieren und vergleichen. Während einige „Verlage" unzählige Anzeigen mit „Autoren gesucht" schalten, dafür aber Unsummen im fünfstelligen Bereich von den Autoren verlangen, ohne das Manuskript jemals geprüft zu haben, andere mit einem billigen Mousclick-Book-on-demand-System werben, das zwar nach Bedarf herstellt, aber jede verlagsspezifische Serviceleistung wie Lektorat, Cover-Design, Werbung, Vertrieb, Präsentation auf den Buchmessen etc. entweder gar nicht bietet, oder sich als "Extras" teuer bezahlen lässt, und so am Ende noch viel teurer kommt, gibt es aber auch die Verlage, die letztendlich vom Verkauf der Bücher leben, und somit auch
alles für den Absatz tun.
So z. B. der Verlag Kern in Bayreuth. Die Mitgliedschaft im Börsenverein des Buchhandels e.V., (hier Interview mit Evelyne Kern) , die Präsenz auf den Buchmessen, ein seriöser Internetauftritt, gezielte Werbemaßnahmen, Vertragsverlag der Grossisten und Online-Händler, sowie faire und autorenfreundliche Konditionen lassen den noch jungen Verlag trotz schlechter Zeiten wachsen und gedeihen. Der Verlag Kern und allen voran Gründerin Evelyne Kern haben es sich zum Ziel gesetzt, neue Talente zu entdecken und zu fördern.
Kern weiß aus eigener Erfahrung, dass es keinen Sinn macht, Autoren mit leeren Versprechungen auf den großen Erfolg „abzuzocken", wenn man seriös arbeiten und sich in der Branche behaupten will. Sie ist selbst Autorin und hatte ihr erstes Buch „Sand in der Seele" 1997 in einem Autorenverlag und weil sie es nicht anders wusste (damals gab es noch keine Informationen im Netz), mit völlig überzogenen Zuschüssen untergebracht. Für die Werbung hatte sie selbst gesorgt und ihre Geschichte erfolgreich (da sie als Journalistin die nötigen Kontakte hatte) in den Medien verbreitet. Der damalige Verlag tat nichts dazu, lieferte oft nicht aus, weil kein Lagerbestand da war. Am Ende zahlte er nicht einmal mehr die Tantiemen aus. Sie tat sich mit anderen Autoren des Verlages zusammen. Es kam zum Prozess den sie gewann, und der schließlich zur Trennung von Verlag und Autor führte.
Aus all diesen Erfahrungen hat Evelyne Kern viel gelernt und weil Wut und Ungerechtigkeit ihre Kreativität steigern, 2005 ihren eigenen Verlag gegründet. Ihr Buch „Sand in der Seele" wurde im Verlag Kern zum Bestseller.
Faire Konditionen und der ständige Kontakt zu den Autoren, die über alles informiert werden, sind für sie selbstverständlich. Die Verlegerin hat die Grundregel „1000 Euro Zuschuss pro einhundert Seiten – und 20 Prozent Tantiemen zurück" entwickelt und fährt gut damit. „An den Zuschüssen darf der Verlag nicht verdienen. Der soll lediglich die Herstellungskosten mindern, damit der Verlag das Risiko bei neuen, noch völlig unbekannten Autoren nicht alleine trägt und somit keine Gefahr für den Verlag bedeutet", so Kern.
Fazit: Wer sich an die Regeln hält, sauber und fair arbeitet, der kann nur gewinnen. Vielleicht nicht sofort den großen Reibach machen, aber Seriosität und Ehrlichkeit zahlen sich auf Dauer aus.