Gentrifizierungsmaßnahmen sollen das Stadtbild aufwerten
Künstler zahlen den Preis für Ihre Freiheit mit steigenden Mieten. Dieser unschöne Zusammenhang wird auch Gentrifizierung genannt. Es ist fragwürdig, wen die Schuld für die Verdrängung weniger solventer Bewohner aus einfachen Arbeitervierteln tritt. Klar ist nur: Gerecht erscheint das den wenigsten und schon gar nicht den Betroffenen.
Städte im Umbau - Gentrifizierung auf dem Vormarsch
Was Gentrifizierung ist bekommt spätestens derjenige zu spüren, der mit der Tagespost eine Mieterhöhung bekommen hat und sich fragt, wie lange er sich
seine Wohnung bei den steigenden Mietpreisen noch leisten kann. Von Gentrifizierung betroffen sind vor allem Künstlerviertel und Arbeiterviertel der Großstädte. Auf diese Weise werden Bewohner der Viertel unfreiwillig dazu mobilisiert, sich langfristig eine günstigere Bleibe zu suchen.
Der Gesetzgeber machts möglich
Möglich werden
Großstadtprobleme der Gentrifizierung durch den Gesetzgeber. Das Mietrecht in Deutschland sieht vor, dass Vermieter die Mieten alle 15 Monate um bis zu 20% erhöhen können. Eingeläutet wird die Maßnahme nicht nur mit der Mieterhöhung - sie ist lediglich die logische Folge von Sanierungsmaßnahmen, die bei den Anwohnern gar nicht unbedingt immer erwünscht sein müssen, weil sie sowieso keinen aufwendigen Lebensstil führen.
Was die eine Seite also als "Aufwertung" des Viertels bewertet, betrachtet die andere Seite lediglich als Gentrifizierung und damit eine Verteuerungsmaßnahme bzw. Gelddruckmaschine. Sozial Schwache Bevölkerungsschichten sollen an den Stadtrand gedrängt werden, wo noch günstige Mieten zu haben sind, während sich das Stadtzentrum gerne mit dem solventerem Klientel schmückt.
Die Künstlergenies müssen herhalten
Die wahren Stadterneuerer sind aber nicht Miethaie, sondern Künstler, die den etwas heruntergekommenen Stadtbilder in Vierteln neues Leben einhauchen. Manch eine Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, heimlich nachts Bäume zu pflanzen - getreu dem Motto "go green". Eine andere Gruppe nutzt freie Plätze für allerlei Kunstprojekte unter freiem Himmel. Ein Atelier auf offener Straße, das das wahre Leben festhält - warum nicht. Aber wo Kunst ist, darf Kommerz nicht fehlen und so entdecken Investmentfirmen oft das hohe intellektuelle Niveau das ein Viertel bereichert, obwohl der Charme des einfachen
Arbeiters noch nicht passé gegangen ist und pumpen Geld hinein, auf dass sie ein zahlungsfreudiges Publikum anlocken können.
Susanne Hoffmann