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Griechenland vor der Pleite - Ein Kommentar

Autor: ArneFrentzel | Erstellt am: 25.04.2010 | Gelesen: 1388
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateArateArateArateB
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(Online-Artikel.de) - Warum man Griechenland nicht weiter unterstützen darf

Euro oder doch wieder Drachme?
Euro oder doch wieder Drachme?
Das Thema Griechenland beherrscht seit Monaten die Schlagzeilen. Das in finanziellen Schwierigkeiten steckende Land steht noch viel näher am Abgrund, als es selbst noch vor wenigen Wochen zugeben wollte.

Die Hiobsbotschaften aus Griechenland reißen nicht ab. Das von der griechischen Regierung neu eingestandene Haushaltsdefizit ist nochmals um einen Prozent höher als vor einigen Wochen eingestanden. Die Befürchtung liegt nahe, dass das noch nicht der Weisheit letzter Schluss war. Die Frage, über die in Europa, nicht nur unter Ökonomen, heftig gestritten wird, bleibt akut: Soll man Griechenland unterstützen oder soll man das Land im Süden der EU seinem Schicksal überlassen, was nichts anderes als die sichere Pleite bedeuten würde.

Wenn man den Sonnenstaat an der südlichen Grenze Europas nicht helfe, so die eine Seite, wird das einen Stein ins Rollen bringen, den danach auch Portugal, Spanien, Irland und Italien mitreißt. Die Folgen wären fatal für den Euro, so behauptet man.

Die andere Seite steht dem genau gegensätzlich gegenüber. Wenn man Griechenland unter die Arme greift, verstößt das nicht nur gegen den Maastricht-Vertrag, es würde den Euro innerlich aushöhlen. Letztendlich würde die Pleite Griechenlands nur hinausgezögert und der Schaden dadurch erheblich vergrößert. Beide Seiten haben deren prominente Anhänger, sodass es schwierig bleibt, den goldenen Weg zu finden. Doch wer Griechenland kennt, weiß, dass Veränderungen nur schwer durchzusetzen sind. Die massenhaften Streiks sind ein Beweis dafür.

Griechenland ist von Grund auf korrupt. Wer einen Bekannten bei der Polizei hat, steht viel besser da, als der ohne Bekannte. Wer sich operieren lassen muss, muss unter der Hand Bares fließen lassen, es sei denn, er verfügt über entsprechende Beziehungen.

Nach einer aktuellen griechischen Studie liegt der offizielle Verdienst aller selbstständigen Ärzte, Rechtsanwälte und Architekten nur marginal über der Steuergrenze von 10.000 Euro/Jahr. Auch Kleinunternehmer wie Taxifahrer etc. verdienen offiziell im Schnitt nicht mehr als die besagten 10.000. Griechenland ist, folgt man den Statistiken, ein Land von Armen, mit allerdings einer Menge Reichtum. Meist verfügt eine griechische Familie über Wohneigentum in der Stadt als auch auf dem Land. Dazu kommt nicht selten ein Boot oder aber eine Yacht und ein Fleckchen Erde, auf dem Olivenbäume und andere ländliche Güter gedeihen. Insgesamt also ein krasser Widerspruch zu den offiziellen Einkommensangaben.

Tatsächlich sind die Einkünfte der erstgenannten akademischen Gruppe geschätzte fünf Mal höher anzusiedeln. Auch die vielen Kleinunternehmer verdienen weitaus mehr, als aus der Steuererklärung zu lesen ist. Ich habe in Griechenland gelebt und als Gastarbeiter gearbeitet. Mir gegenüber haben griechische Freunde immer offen eingestanden, reich zu sein ohne Steuern zu zahlen, "denn das macht die EU für uns". Hinzu kommt, dass der aufgeblähte und ineffiziente Verwaltungsapparat zusätzliche, unnötige Kosten verursacht. Zudem leistet sich Griechenland die bekannte Frühpensionierung. Die Liste ließe sich ergänzen.

Griechische Regierungsvertreter geben öffentlich zu, noch eine Menge Spielraum im eigenen Land zu haben, was Steuereinnahmen betrifft. Das Land könnte sich selbst helfen. Doch fehlt dazu der mehrheitliche Wille der Bevölkerung. Ohne die Bevölkerung werden gesetzliche Veränderungen jedoch im Sande verpuffen. Man wird schon sehr bald sehen, wie aktuell in Italien, dass das neue Gesetz zur Pensionierung ab 65 von einer Mehrheit der Bevölkerung mit Hilfe von Schwerbehindertenbescheinigungen unterlaufen wird.

Gesetze beschließen ist eine Sache, sie jedoch auch anzuwenden, verlangt weitaus mehr, als nur Worte. Es ist abzusehen, dass sich auch in Zukunft in Griechenland besagte Selbstständige um die Steuer drücken werden. Bei den familiären Verwicklungen wird es schwierig, gar unmöglich werden, von der Steuerbehörde entscheidende Mehrbeträge einzutreiben.

Bei aller Sympathie, die ich selbst für dieses Land hege, macht es wenig Sinn, dieses marode System weiter durch milliardenschwere Unterstützungen am Leben zu erhalten. Die Diskussionen um wirtschaftliche Schwierigkeiten des Landes werden Europa auch in den folgenden Jahren noch erhalten bleiben. Der Euro wird lange leiden und die Kosten werden den zahlenden Euromitgliedern über den Kopf wachsen und diese selbst erschüttern. Allein in diesem Jahr wird man 30 Milliarden nach Griechenland senden. Auch in den folgenden Jahren wird man nicht umhin kommen, Griechenland mit Milliardensummen zu unterstützen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Griechenland ist ein Fass ohne Boden. Wer glaubt den Euro durch die jetzigen Unterstützungen zu stärken, wird schon sehr bald eines Besseren belehrt. Das Gegenteil wird eintreffen. Wenn man jetzt Griechenland hilft, werden morgen schon andere Staaten an Brüssels Türen klopfen, um nach Hilfen zu fragen. Jetzt wird die EU und der Euro erst erpressbar. Die EU wird sich an dem Häppchen Griechenland übernehmen. Fällt Griechenland in fünf Jahren doch, was sehr wahrscheinlich ist, stehen dunkle Wolken über Europa. Der Euro an sich wird fragwürdig, selbst die EU wird ins Wanken geraten.

Für alle Beteiligten, auch für Griechenland der Selbstreinigung wegen, wäre ein jetziges Ende mit Schrecken besser, als ein Schrecken ohne Ende. Die EU wird ihren finanziellen Spielraum noch benötigen. Letztendlich kann es nicht sein, dass Länder, die ihre Hausaufgaben machen und von ihren Bevölkerungen enorme Sparanstrengungen abverlangen, für die Länder einstehen, die in Partylaune ihr Geld unter der eigenen Bevölkerung ausschütten, nur um sich so weiter Wahlstimmen zu sichern, so geschehen seit Jahrzehnten in Griechenland.
 
 
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