Designerin Bruni Schreijäg im GREENshowroom (c) 2012 Carola Heider-Leporale
Berlin/Ilsede, 21. Januar 2012. Carola Heider-Leporale. Auf dem Weg nach Berlin zur Veranstaltung im GREENshowroom, während der diesjährigen Fashion Week in Berlin, stellte sich mir die Frage, was mich dort erwartet. Gibt es ihn tatsächlich, den „grünen Gedanken" zum Erhalt von Natur und Umwelt im großen und weltweiten Mode-Design-Business der Reichen und Schönen? Nach Abschluss meines Berlinaufenthaltes und dem Besuch des GREENshowroom, dessen Veranstalter in das noble Hotel Adlon-Kempinski geladen hatten, kann ich sagen: Ja, es gibt ihn! Die Zeit ist längst vorbei, dass man bei dem Gedanken an Öko-Mode immer nur an Jutesäcke denken muss. Mode-Designer der heutigen Zeit haben ihn längst aufgegriffen, den „grünen Gedanken", und stehen mit Ihrem Namen und oftmals mit einer ganz besonderen Geschichte hinter ihren Produkten.
Der Veranstalter zeigte sich vom 18. bis zum 20. Januar 2012 als ausgezeichneter Gastgeber in exklusivem Ambiente des Luxus-Hotels Adlon-Kempinski. Die Messe GREENshowroom hat ein ausgeklügeltes Konzept, welches von den Gründerinnen Magdalena Schaffrin und Jana Keller vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Alle dort ausstellenden Mode-Designer müssen einen bestimmten Firmenhintergrund zum Thema „biologisch-ökologisch, Nachhaltigkeit, Fair Trade bzw. Soziales Engagement" vertreten und auch nachweisen können.
Bei den internationalen Ausstellern handelte es sich zum Teil noch um Designer mit sehr jungen Labels, die durch eine solche Präsentation und den persönlichen Kontakt zu der dort anwesenden Fachkundschaft ihre Kollektionen bekannt machen möchten. Über 3 Tage gaben sich internationale Agenten, Wiederverkäufer, Pressevertreter und Fernsehsender in den luxuriösen Hotel-Suiten die Klinke in die Hand. In dem angegliederten GREENshowroom-Shop hatten auch private Besucher Zutritt und die Möglichkeit Produkte der hier vertretenen internationalen Designer zu erwerben. Das Publikum war breit gefächert. Von edel-luxurös, sportlich-elegant bis hin zu öko-freaks mit Häkelmützen, fand man hier in einem sehr freundlichen Nebeneinander alles vertreten.
Hier nur einige der Aussteller, die ich aufgrund ihres Angebotes und der dahinter stehenden Philosophie für besonders erwähnenswert halte:
Aus Deutschland möchte ich die bei Stuttgart ansässige Designerin Bruni Schreijäg erwähnen, die hier den Lifestyle vertreten hat.
Sie führt das junge Label mit dem Namen LEIBSCHNEIDER und der Name ist hier Programm . Es bedeutet soviel wie, „es ist den Kundinnen auf den Leib geschneidert". Designerin Bruni Schreijäg entwirft und produziert seit 2010 spezielle Eco-Lifestyle-Mode für Frauen. Mit Ihrem Label stehe sie für Transparenz in ihrer Produktionskette, bei der nur beste ökologisch und nachhaltige Luxus-Materialien verwendet werden und die nachhaltige Produktion in Europa stattfindet. „Der Dialog mit den Kunden über dieses Thema ist mir sehr wichtig", sagt Bruni Schreijäg. Sie steht für „natürliche Schönheit" und möchte dieses auch in Ihren Kollektionen zum Ausdruck bringen.
Bei den Accessoires fiel mir Sonja Heymann, eine junge Schmuckdesignerin aus Düsseldorf auf. Sie stellte dort ihre erste Schmuckkollektion aus Fair Trade-Silber und -Edelsteinen aus. „Als ich vor 2 Jahren mit meiner Arbeit begann, war es mir ein großes Bedürfniss als Schmuckdesignerin etwas anders zu machen und die Ausbeutung im Metall- und Edelsteinbereich nicht zu unterstützen. So entschied ich mich für nachweisbares „Fair-Trade-Silber" und auch -Edelsteine. Es gab eine längere Planungs- und Entwicklungsphase, bevor ich 2011 meine erste Kollektion „Contrarios" herausbrachte", so Sonja Heymann. Jedes Schmuckstück wird von ihr beim Verkauf mit einem speziellen Zertifikat versehen.
Eine ganz besondere Firmen-Philosophie vertritt das Label GOODSOCIETY aus Kanada, dessen Firmengründer sich bereits seit einigen Jahren aus Überzeugung der Produktionvon Jeans mit rein biologisch-ökoligischen Materialen verschrieben hat. Durch ein gestrafftes und unkonventionelles Firmenkonzept ist es dem Inhaber Ryan Shantz seit vielen Jahren möglich, generell 25 % des Gewinnes in soziale Projekte zu stecken, so die Agentin dieses Labels für Europa Sarah Schulze. Junge eco-Fashion-Mode mit sozialem Hintergrund, ohne aufgebauschte Firmenzentrale, was will man mehr.
STEWART+BROWN, ein Öko-Luxus-Label aus Kalifornien war bereits mehrfach hier im GREENshowroom vertreten. Aus Überzeugung wurde dieses Label vor ca. 10 Jahren von den Firmengründern ins Leben gerufen und bezeichnet sich als „Organic Pioneers". Handgearbeitete Strickwaren und klassische amerikanische Sportswear gehört zur Produktpalette, die aus rein ökologischer Baumwolle bzw. nachwachsenden Rohstoffen produziert wird.
Unter den Ausstellern gab es neben unterschiedlichen Designern mit textiler Mode auch besondere Exoten, wie z.B. die Firma ATLANTIC LEATHER, die aus einem Abfallprodukt der Fischproduktion auf Island, der Fischhaut, das „Leder" zur Produktion ihre Designer-Schuhe und -Bekleidung herstellt. Eine recht ausgefallene Idee, die jedoch einige Zeit der Erprobung und Entwicklung bis zum heutigen Stand der Qualität des angebotenen Produktes benötigte. Ausgesprochen ungewöhnlich, aber sehr lobenswert!
Die wohl jedoch stärkste Attraktion mit dem persönlichen Hintergrund waren das newcomer-Label RIHGT AS RAIN aus Italien. Der italienische Designer aus der Modemetropole Mailand Francesco Mugnaini, und der schottische Bio-Bauer Sebastian Rundy, stellten ihre auf dem Anwesen des Bio-Bauern in der umbrischen Erde gepflanzte, ökologisch und nachhaltig in Italien produzierte T-Shirt-Kollektion vor. „Die Unberechenbarkeit der Natur war der Ausgangspunkt zur Idee: wir pflanzen und ernten Hemden. Unsere Hemden wurden den Kräften der Natur ausgesetzt indem wir sie in die Erde pflanzen und der Natur die nötige Zeit geben um ihren unberechenbaren Design Prozess zu vollenden. Das Ergebnis ist verblüffend und jedes Design ist einzigartig", so Sebastian Rundy. Die Rohware, sprich das genähte T-Shirt aus ökologischer Seide, wird dabei in der umbrischen Erde begraben und über einen Zeitraum von 8-12 Wochen den Willen der Natur ausgesetzt und so erhält jedes einzelne T-Shirt eine unverwechselbare Kennzeichnung ist somit auch ein Unicat! Die mit umbrischen Kräuterauszügen versehen T-Shirts verströmten einen angenehmen Duft und verzauberten hier manch einen der Fachbesucher.
Am 19. Januar gab es für geladene Gäste und Pressevertreter eine Salon-Show, bei der die aktuellen Kollektionen der Designer vom GREENshowroom auf dem Laufsteg präsentiert wurde. Hier wurde es natürlich sehr voll und es kamen auch einige prominente Gäste wie Ariane Sommer, Nina Eichinger, Sylvia Leifheit oder Mo Asumang. Mit dem Beginn des „Cat Walk" kam jedoch der Punkt, an dem diese Veranstaltung in 2 Welten geteilt wurde. Die schönen Kollektionen wurden leider zum Teil sehr unvorteilhaft von professionellen Modells präsentiert, denen 5-10 kg mehr an Gewicht nicht geschadet hätte. Diese Präsentation passte einfach überhaupt nicht zu der Philosophie dieser Veranstaltung und dem aufstrebenden „Grünen Gedanken" dieser Branche und sorgte dass zum Teil auch bei den Ausstellern für großes Unbehagen, die, so wie ich später erfahren habe, keinen Einfluss auf die Auswahl der Models haben. Auch wenn es sich bei den vorgestellten Kollektionen um Artikel aus dem Luxus-Segment handelt, so sollte man beim nächsten Mal vielleicht doch eher auf natürliche Lyfestile-Models zurückgreifen, um die Glaubwürdigkeit und die Philosophie dieser Veranstaltung nicht zu verlieren. Das ist jedoch der einzige Kritikpunkt an der gesamten Veranstaltung !!!
Ich konnte mich in Gesprächen mit den Designern bzw. ihren Vertretern davon ein Bild machen, dass sie mit ihrer ganzen Überzeugung hinter ihrer Firmen-Philosophie, den Produkten bzw. den Kollektionen stehen und jeder so seinen Beitrag zum Thema „Erhalt und Schonung von Umwelt und Natur" trägt. In der Lobby vor dem GREENshowroom wurde den Besuchern zu dem kostenlose Getränke aus biologischem Anbau zum Verzehr angeboten und vor dem Hotel Adlon-Kempinski waren ebenfalls kostenlose Fahrradtaxen in ständiger Bereitschaft, um Besucher zwischen den einzelnen Veranstaltungen der Fashion Week hin und her zu fahren, was einen sehr positven Eindruck hinterliess. Bleibt also jetzt nur zu hoffen, dass bei der kommenden Veranstaltung im GREENshowroom auch in die Präsentation der Kollektionen auf dem Laufsteg wenigsten ein Hauch von „grünem Gedanken, gesunde Natur, Umwelt" und vielleicht auch "gesunder Mensch" Einzug hält.
Alle Fotos zum Artikel finden Sie hier: www.musicandart-myejournal.de/art4.html
weitere Infos zu den hier erwähnten Ausstellern und zum Veranstalter finden Sie hier:
www.leibschneider.com
www.sonjaheymann.de
www.goodsociety.org
www.atlanticleather.is
www.stewartbrown.com
www.right-as-rain.com
www.green-showroom.net
Reportage: Carola Heider-Leporale
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