RMS-Scriptorin
Ein Vortragsabend bei der Aachener Goethe Gesellschaft.Erhoffte man sich bei diesem Referat nähere Informationen über Goethes Farbenlehre in Bezug auf den Einsatz der Farben in Kunstwerken, wurde einem der Horizont physikalisch erweitert.
Der Referent Dr. Berger stellte zuerst klar, dass dies kein mathematisches Werk sei und näherte sich als Physiker auf seiner Weise dem Sujet. Im Mittelpunkt stand Goethes Auseinandersetzung mit Newtons Experiment, dass ein weißer Lichtstrahl trifft er auf eine Linse seine eigentlichen Farben offenbart. Newton fand heraus, dass sich Licht aus Farben zusammensetzt. Die Linse bricht das Licht, das Resultat der Dispersion ist das Farbspektrum. Seine Optik Abhandlung über die Reflexion, Brechung, Krümmung und die Farben des Lichtes erschien 1704.
Das Lichtspektrum erkannte Goethe zeitgemäß nicht an. Er mischte alle Farben und erhielt Grau. Dies war für ihn der Beweis, dass Newton Unrecht hat. Für ihn war Farbe gleich Farbe. Den Unterschied zwischen Pigment- und Spektralfarben kannte Goethe nicht.
Er hielt ein Prisma vor eine weiße Wand. „Ich sehe immer noch eine weiße Wand.", verkündete Goethe. Goethe dachte nicht analytisch. Unverständnis äußerte der Redner darüber, dass sich Goethe nicht mit Wissenschaftlern seiner Zeit unterhalten hatte. Wogegen bei Wikipedia zu lesen ist, dass Goethe mit den Forschern seiner Zeit in regem Briefkontakt stand. Typisch Wissenschaftler, jeder nimmt einen anderen Aspekt unter die Lupe. Wie sich bei der Gesprächsrunde herausstellte, birgt auch ein Goethe Zitat konträre Interpretationen.
Newton wollte herausfinden, wieso ein Fernrohr seiner Zeit keine klaren Bilder ergab und zum Rand hin grünlich wurde. Zu dem Charakter des Naturforschers Newton gehörte es ein Thema erst bei völliger Sicherheit zu veröffentlichen, auch wenn dies zuweilen 20 Jahre in Anspruch nahm. Seine vielfältigen Experimente für dieses vollkommene Ergebnis lieferten ihm immer neue Erkenntnisse und seine Entwicklung des Spiegelteleskops.
Bei Goethes Farbenlehre handelt es sich um ein 1000 seitiges Werk. In der Zeit hätte er, laut eigener Feststellung, sechs Bücher wie Iphigenie auf Tauris, usw. verfassen können, stattdessen beschäftigte er sich mit der Farbenlehre. Wegen Goethes Forschung fehlen der Literatur sechs Werke. Nach Ansicht Goethes gab es vor ihm bedeutende Schriftsteller und auch nach ihm.
Neben dem didaktischen Teil enthält das Werk einen polemischen, der außer bei der Münchener Ausgabe heute nicht veröffentlicht wird. Jedoch laut Berger den Schlüssel zu dieser Goethe Arbeit liefert. Goethe hatte in seinem Testament verfügt, dass dieser Teil wegfallen kann, nach Ansicht Bergers in der Annahme, dass seine Theorie bis dahin anerkannt ist.
Im Hause Goethes war die Farbenlehre das Gesprächsthema schlechthin. Selbst der Diener wurde davon angesteckt. Zeitlebens ärgerte sich Goethe, dass er nicht herausfand wie ein Regenbogen entsteht. Dies war für ihn, der u.a. nach einer Katastrophe auf der dauernden Suche nach Gott und einem Verständnis für die unerklärlichen ihm zugeschriebenen Taten war, ein schweres Defizit. Das Resultat seiner Forschungen ist sein Lebenswerk.
Berger wies daraufhin, dass Philipp Otto Runge Goethes Farbenlehre nicht praktiziert haben kann, da er 1810 verstarb und im Mai 1810 die Erstausgabe erfolgte.
Ein edler Riesling Tropfen mit praktischem Schraubverschluss rundete den Vortragsabend ab.
© RMS-Scriptorin, alias: Rosa-Marita Schrouff