Gerhard Egger, Power Point Therapie
Was haben Krebs, Nierenprobleme, Migräne und natürlich auch Krankheiten, die nicht durch Unfall, Fremdeinwirkung und Vergiftung entstanden sind, gemeinsam? Der Körper ist aus der Spur geraten. Wenn ein Auto aus der Spur läuft, weiß jeder, was zu tun ist. Jeder kennt die Schäden, die auch durch Verschleiß auftreten. Dass dies beim Menschen genauso passiert, dessen ist man sich vielleicht noch bewusst, man ignoriert es aber oft. Die Medizin äußert sich dazu selten, sie repariert lieber die auftretenden Symptomschäden, anstatt nach deren Ursachen zu forschen. Denn das ist einfach und äußerst lukrativ bzw. „lukrativ nachhaltig". Dieser Umstand öffnet pseudomedizinischem Unfug Tür und Tor. Plötzlich fühlt sich die Hausfrau von nebenan zur großen Heilerkarriere berufen. Sie besucht haarsträubende „Energetikerkurse" und (er)findet ganz nebenbei, eine „neue Körperenergie," die nur sie behandeln kann. Abenteuerlich sind auch die neuen Berufsbezeichnungen! Sie sind an Tollkühnheit kaum zu übertreffen! Noch vor wenigen Jahren wären damit die Gerichte rund um die Uhr beschäftigt gewesen. Die Ärztekammer wäre mit Kurpfuscherei-Anzeigen nicht mehr fertig geworden. Heute ist alles anders. Medien berichten, dass in keiner Berufsgruppe so viel Frust und Unzufriedenheit herrscht, wie in der Ärzteschaft. Eventuell aus der Spur geraten? Des Einen Freud', des Anderen Leid. Dieser Umstand treibt naturgemäß sensible Menschen in die Fänge von Hexen, Sehern, Parapsychologen, Engelsdeutern... Selbst Superpromis schwören auf die „Kraft" solcher Energiebündel.
Alles etwas aus der Spur?
Was noch nicht ist, wird eben kurzerhand erfunden, wenn's sein muss, täglich. Mann braucht einfach nur „gewisse" Früchte, Pflanzen oder Kräuter pressen, quetschen, zerreiben und anbeten, der „Jahrhunderte alten, geheimen Mixtur" lang genug heilende Wirkung nachsagen, schon ist der neue, lang ersehnte, noch nie da gewesene Radikalenfänger gefunden. Mit dem Lasso! Ganz schön aus der Spur, oder?
Nur nicht darüber nachdenken, logisch schon gar nicht. Und nur nicht bewegen, schon gar nicht, wenn es die Gesundheit betrifft! Dafür gibt es ja geeignete Menschen: in jeden Dorf einen Arzt, einen Pfarrer, zwei Lehrer und zehn Menschen mit Heilerfähigkeiten. Für jedes Leiden DEN individuellen Spezialisten. Kann da noch etwas schief gehen?
Ganz schön aus der Spur?
Banken crashen, marode Großbetriebe entlassen ihre Arbeiter scharenweise, während sie gleichzeitig ihre Manager millionenschwer entlohnen, korrupte Politik tut ihr Übriges. Das alles ist nichts Neues, es bekommt nur neue Namen wie Restrukturierung, Gehaltsanpassung, Marktbereinigung. Das Geld verliert, je intensiver man ihm nachläuft, mehr und mehr an Wert. Wenn keines mehr da ist, holt man sich's vorwiegend von den Kleinen, da muss man nicht einmal kreativ sein. Einfach eine neue Massensteuer beschließen, denn Gebrauchsgüter braucht jeder, so kommt man rasch zu „frischem" Geld – vor allem von dem, der ohnehin nur wenig hat. Der Wohlhabende hingegen ist mit seinem Vermögen entweder steuerbegünstigt in einer Stiftung oder im Ausland, oder zahlt pro Forma Steuern, damit er sie durch die Hintertür wieder zurückholt – und noch mehr. Man richtet sich's halt, nicht selten durch die Unterstützung einflussreicher Freunde!
Noch mehr aus der Spur, aber wer regt sich schon auf?
Es heißt, mit Geld kann man doch alles regeln. Alles? Ja aber wie? Man war schon überall, beim Hausarzt, beim mit ihm befreundeten „Spezialisten", beim Herrn Professor in der Privatklinik, bei Gesundbetern, man hat allopathische Mittel genommen, der Homöopathie zugesprochen, Vitamine, Spurenelemente, Fänger von Radikalen mit allen möglichen Namen in Unmengen geschluckt. Nichts hilft richtig, die Psyche wird in alle Richtungen verdreht, das Karma richtig gestellt, keiner weiß, wie es weiter geht. Wir schreiben das Jahr 2010, und es wird immer abstruser. Warten wir gar auf den prophezeiten Weltuntergangstag am 21. 12. 2012? Fazit aus heutiger Sicht:
Sind wir nicht weltweit ganz schön aus der Spur?
Gibt es überhaupt noch Hilfe? Beim Auto werden in der Werkstätte die Spur und der Sturz vermessen und eingestellt. Diese mechanischen Probleme lassen sich vom Spezialisten relativ schnell beheben. Wenn die Reifen am Ende sind, werden sie gewechselt, ebenso andere Verschleißteile. Das Fahrzeug läuft dann wieder in der Spur und wir sind glücklich und zufrieden.
Wie ist es aber beim Menschen? Vorerst passiert meist gar nichts. Wir kümmern uns nicht um Verschleißteile, die so genannten vermeintlichen Kleinigkeiten. Erst wenn die Schmerzen zu arg werden, werden Fachleute aufgesucht. Wenn, wie so oft, auch das nicht hilft, lernt man, damit zu leben.
Natürlich gibt es auch sehr bemühte Mediziner, die viel tun, um ihre Patienten wieder in die Spur zu bringen, ob das immer nachhaltig geschieht, sei dahingestellt und der Patient ist mit seinem Leiden wieder allein. Wenn es also nach einer Odyssee von Behandlungen noch immer keine zufrieden stellende Lösung gibt, darf es niemanden wundern, dass der Mensch zu Recht misstrauisch wird. Dann hilft nichts mehr. Er ist misstrauisch allen Therapien gegenüber, besonders von denen erst nach Monaten eine Wirkung zu erwarten ist. Eine Wirkung erwartet er sich rasch, er muss zumindest spüren, dass sich etwas tut oder verändert. Aber genau das ist in den meisten Fällen nicht möglich, da der Mensch „aus der Spur ist" und die Wirkung nicht eintreten kann. Es gibt viel, das rasch wirkt: Medikamente, manuelle Therapien, div. medizinische Eingriffe... Aber was hilft auf Dauer, vor allem, wenn man sich einen guten Therapeuten nicht täglich leisten kann? Ich behaupte, dass weltweit fast alle Menschen irgendwie aus der Spur sind. Es ist ein weltweiter Trend, dass immer nur kurzfristige Hilfen gegeben werden. So darf es nicht verwundern, wenn die Menschen zu Recht den Eindruck gewinnen, dass viele Mediziner gar nicht gewillt sind, den Hilfesuchenden völlig gesund zu machen und sie nur als lebenslange Geldquelle ansehen. Kritische Medien berichten, dass diese Entwicklung die Folge des Systems ist, in dem sich Ärzte und Patienten befinden.
Wir sind eben aus der Spur und hier müssen wir ansetzen.
Gerhard Egger, Power Point Therapie