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Glanz und Schatten einer Philosophie in Eichenthal

Autor: jobakampe | Erstellt am: 06.10.2009 | Gelesen: 884
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Beurteilung des DVD- Videofilm mit dem Titel Objekt 302 – die Troposphärenfunkstation Eichenthal aus der Sicht eines Insiders

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Ein gelungener, bemerkenswerter Videofilm aus 2009, von Profis erstellt, Laufzeit ca. 27 Minuten. Kamerafahrten durch den Bunker und über Details von Anlagen und Geräten verleihen dem Bunker eine glänzende Fassade, machen ihn interessant, spannend, ja beeindruckend. Musik und Sound schaffen eine Atmosphäre, ähnlich einem Krimi. Werbung pur in der Marktwirtschaft, eine Philosophie die Aufmerksamkeit auslöst, das Geschäft bereichern und ankurbeln soll. Was aber verbirgt sich hinter diesem Werbefilm ? Der unkundige Betrachter ist überfordert, nimmt alles für bare Münze entgegen. Wo liegen die Grenzen von Wahrheit, Wirklichkeit oder ...... ?. Ich habe mir den Film mehrfach angeschaut, stelle hier meine Bewertung zur Disposition.

Der Kommentar zum Film versucht die Bedeutung und eine herausragende Wichtigkeit dieser Anlage hervorzuheben. Ein ehemaliger Techniker, ..., erklärt ausführlich die allgemeine Technik des Bunkers, nichts Besonderes, Spezielles oder Herausragendes für die Troposphärenfunkstation Eichenthal. Die vorgestellte Technik ist lebenserhaltend für jeden Bunker in Ost und West. Der Dipatcherarbeitsplatz wird als das Non plus Ultra des Bunkers dargestellt, ist Mittelpunkt vom ganzen Bauwerk, von hier spielt sich alles ab, heißt es wörtlich. Das ist nicht unwahr für die Arbeit aller lebenserhaltenden Anlagen in einem Bunker, bleibt aber in Bezug auf den Filmtitel ohne Substanz. Führungspunkt und zentraler Kommandopunkt der Troposphärenfunkstation war der Dienstraum des Diensthabenden Nachrichtenbetrieb und nicht der des Bauwerksdispatchers. Hinweise darauf sowie zu Funktion und Zweckbestimmung der Troposphärenfunkstation als reines Nachrichtenobjekt, ihre Einordnung in das Nachrichtensystem der NVA, Ausrüstungsgrad oder technische Möglichkeiten bleiben unkommentiert. Die Kamera fährt minutenlang schweigend über Nachrichtentechnik, zeigt Hohlleiter, den Arbeitsplatz des Nachrichtenoperateurs einer Troposphärenfunkrichtung, Frontansichten von Sende-, Empfangs-, Vermittlungs- und Verstärkertechnik, Bilder von Antennensystemen u.a.

Erwähnt werden die Unterteilung der Liegenschaft in eine U-Zone, U wie Unterkunft, obwohl hier keiner kaserniert war .... und eine P- Zone in der sich ein Tiefbunker und ein Hochbunker befand. Das alles umgeben von einer Hochspannungssicherungsanlage in der 5000V fließen. Aus dem Hochbunker wären auf Fahrlafetten die Reserveantennenträger zu ihren Anschlagpunkten gerollt, so zu hören, doch diese gab es gar nicht. Zu Zeiten der DDR gab es weder eine U- noch P- Zone. Die Liegenschaft war in die Unterkunfts- und Sicherstellungs- sowie eine technische Zone eingeteilt, die Spannung in der Hochspannungssicherungsanlage betrug unter Umständen ein Mehrfaches von 5000V.

Nur für ca. 2 Minuten (im ganzen Film) fühlt sich der Betrachter an den Filmtitel erinnert, wird der elektromagnetische Impuls als Folge einer Kernwaffendetonation zum Grund für die Errichtung des Troposphären-Nachrichtensystems „BARS" erklärt. Im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen einer Kernwaffendetonation bleibt Sinn und Zweck, die Aufgaben des installierten Rückkühlsystems des Bunkers unerklärt.

Der tatsächliche Grund für die Installation des Systems, die Gefahr eines möglichen Krieges zwischen den Militärblöcken der NATO und des Warschauer Vertrages infolge der Wirkungen des NATO- Raketendoppelbeschlusses bleibt unerwähnt. Dafür wird das System als „absolut abhörsicher und nicht ortbar" (wörtlich im Kommentar) dargestellt. Welch eine Sensation !, die Troposphärenfunkverbindung ist nicht sicherer und genau so ortbar wie jede andere Verbindung auch. Die Abhörsicherheit ist relativ und wird von anderen Faktoren bestimmt. Gleichzeitig wird die Anlage Eichenthal zum nachrichten- technischen Dienstleister für den „Admiralitätsbunker" in Tessin- Drüsewitz erklärt, der für die „Admiralität der Volksmarine der DDR, aber auch der Vereinten Rotbannerflotte (wörtlich der Kommentar ) einen Gefechtsstand darstellt. Gemeint ist der Hauptgefechtsstand (HGS) der Volkmarine in Tessin und nur der Volksmarine der DDR, nachrichten-technisch sichergestellt vom Nachrichtenregiment der Volksmarine. Einige wenige Nachrichtenkanäle aus dem Bunker Eichenthal wären zum HGS der Volksmarine und in andere Richtungen geschaltet worden.

An anderer Stelle im Film heißt es, das der 24.Std.-Dienst bis zum 03.Oktober durchgehalten, der folgende Normaldienst bis zum 07.Januar 1992, dem Tag der Stromlosschaltung des Bunkers durchgeführt wurde, man hat dann sämtliche Betriebsstoffe entfernt ........, wie ist das möglich, nach der Stromlosschaltung ? Der ehemalige Leiter des Troposphärensystems für die DDR in der Nachrichtenführungsstelle des Chef Nachrichten im MfNV berichtete das die Troposphärenfunkverbindungen bereits im August 1990 außer Betrieb gingen.

Der Schlusskommentar zum Film, hier teilweise wörtlich wiedergegeben. Im Auftrage des MDR recherchiert der Betreiber des Bunkers im Mai/Juni 2004 für einen Film in Brandenburgs Bunkern. Dabei werden die enttäuschten Gesichter ganzer Familien mit ihren Kindern nach dem Besuch in einem Brandenburger Bunker zur Quelle für die Idee seiner dramatischen Inszenierung in Eichenthal. Die Familien mit ihren Kindern waren enttäuscht, ihre Erwartungshaltung erschlafft weil sie von einem Führungsoffizier mit Pfeffer/Salz- Sakko, Bügelfalten in den Hosen, einem karierten Hemd und Schlips durch einen mit Neonlicht erhellten Bunker geführt wurden. Dafür mussten sie auch noch zahlen. Unter diesen Umständen ist es in einem Bunker nicht mehr gruselig, wird der spannenste Bunker zum simplen Kartoffelkeller degradiert. So geht das nicht, das ein spannendes Spezialkbauwerk degradiert wird, es muss seine Geschichte selbst erzählen, die Idee der Dramatisierung war geboren, die im Zusammenhang mit der Recherche zum Film dem besuchten Bunker angeboten wurde, dort jedoch mit Hinweis auf eigene Finanzierung abgelehnt wurde.

Den Sachverhalt mit einem Film haben Brandenburger Bunkerbetreiber und Vereine in Bunkeranlagen in anderer Erinnerung. Wenzel nahm Kontakt auf, wollte mit einem freischaffenden Kamerateam, welches schon für den MDR gearbeitet hat, einen Film aus Anlass der Beendigung des 2.Weltkrieges vor 60 Jahren machen.

Abschließend sei mir eine kleine Zusammenfassung erlaubt. Wer den Bunker in Eichenthal besucht hat kann auf den DVD- Videofilm verzichten, wer nicht sollte überlegen und bedenken das alle Bunker die gleichen allgemeinen technischen Voraussetzungen für den Betrieb, egal in welcher Eigenschaft, benötigen. Spezielle oder herausragende Anlagen in Eichenthal gibt es nicht. Zu Rolle, Aufgaben und Funktion als Troposphärenfunkstation gibt es so gut wie keine Erklärungen. Mit dem Filmtitel möglicherweise gewecktes Interesse wird nicht erfüllt. Kommentarinhalt und Filmtitel passen nicht zueinander. Ich kann das Video nicht empfehlen. Zu bedauern sind die Kollegen von der Regie, Beleuchter, Schnitt- und Tonexperten sowie nicht zuletzt das Kamerateam, die aus meiner Sicht ein ausgezeichnetes Produkt hergestellt haben. Hobbyfilmer werden es zu schätzen wissen.

Weitere Anmerkungen siehe Rezension zum Buch „Geheimobjekt Atombunker" und ausgewählte Leserbriefe
www.svz.de/home/../troposphaerenfunk-und-sicherung..
www.hptnzmfnv.homepage.t-online.de/Texte/eichenthal.htm
www.hptnzmfnv.homepage.t-online.de/Texte/Rezension.htm
www.svz.de/../sonderobjekt-302.html
 
 
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