Stefanie Glaschke
Eine Gewitterhexe zum Kinofilm „Sex and the City"OK, ich gebe es zu, ich habe ihn gesehen. Gemeinsam mit einer Freundin wollte ich am vergangenen Dienstag sehen, was angeblich alle Frauen brauchen. „Sex and the City, der Film mit Kult-Status", wie ich gelernt habe.
Es fing damit an, dass ganz wenig Frauen dort waren, und die meisten waren unter 20. OK, warum nicht einen Film sehen, der das jüngere Publikum anspricht? Es dauerte dann nicht lange, bis klar wurde, dass ich in einem Propagandafilm von Emanzipationsgegnern gelandet war. Als Carrie, gespielt von Sarah Jessica Parker, im Überschwang der Gefühle und emotionalen Unsicherheit einen Expartner küsste, konnte sie gleich die ganze Nacht nicht schlafen und beichtete mitten in der Nacht ihrem Ehemann. Nun, dieser Ehemann, der Gefühlswallungen in der Ehe bis zu diesem Geständnis nur durch den Fernseher im Schlafzimmer oder durch fast-Food bekam, blieb cool – und strafte die arme Carrie mit tagelanger Missachtung. „Ich wollte dich leiden lassen", begründet er sein Verhalten dann auch noch ganz stolz und ungeheuer männlich. Dann zieht er einen Diamantring aus der Tasche, für sein ungezogenes Mädchen, dass seine Lektion nun wohl gelernt haben sollte. Sie ist dankbar, ganz nach dem Motto: Diamants are a girls best friends. Und brav wird sie in Zukunft wohl auch sein, schließlich endet der Film mit einem gemeinsamen Fernsehabend auf der Couch, wenn das keine lebendige Beziehung ist, weiß ich es auch nicht.
Geradezu peinlich im gleichen Film die eingeschleuste Botschaft: „Konsum macht frei!" Die Frauen in Abu Dabi tragen doch tatsächlich unter der Burka europäische und amerikanische Edelklamotten, soviel Freiheit lässt ja fast die Leinwand bersten. Also, liebe Frauen, seht brav fern und verabschiedet euch von dem Wunsch nach einer Beziehung, in der ihr auch eine Rolle spielt, dafür könnte es Diamanten geben. Und bitte, was schreien wir eigentlich immer nach Freiheit, wir haben doch die Chance, zu konsumieren, reicht das denn nicht? Ich fand jedenfalls das Beste am Abend, dass ich noch eine Stunde mit meinem Partner plaudern konnte, anhaben muss ich dabei nichts und einen Fernseher im Schlafzimmer können wir uns sowieso nicht leisten;-)
(Stefanie Glaschke)