Immobilieninvestitionen sind heute kein Selbstläufer mehr. Das bedeutet, dass eine konjunkturelle Belebung und steigende Wachstumraten des BIP nicht mehr zwangsläufig auch zu einer steigenden Nachfrage nach Gewerbeimmobilien und sinkenden Leerstandquoten führen. Es reicht nicht mehr aus, nur Flächen zu vermieten. Vielmehr muss kontinuierlich ein Abgleich zwischen dem Zustand der Immobilien und den aktuellen und zukünftig zu erwartenden Bedürfnissen der Mieter und der Entwicklung des Standort-Marktumfeldes stattfinden. Frage: Wird zwischen strukturellem Leerstand und zyklischen Angebotsüberhängen differenziert? Zyklische Überangebote werden mit steigender Nachfrage abgebaut, für den Abbau von strukturellen Leerständen sind Kreativität, Professionalität und objektspezifische Vermietungsstrategien notwendig. An dem Standort müssen mittel- bis langfristige Trends antizipiert und mit darauf abgestimmten Konzepten unterlegt werden. Frage: Werden bestehende Mietpartner umfassend betreut?
Wer Leerstand vermeiden will, muss die Anforderungen von Bestandsmietern kennen und flexible Lösungen für sich ständig ändernde Flächenanforderungsprofil bieten können. Beispielsweise werden für Einzelhandelsimmobilien die Lebenszyklen kürzer, weil sich Einkaufsgewohnheiten ändern. Unternehmen reagieren schneller auf Entwicklungen der Konjunktur und ihres Geschäfts und passen ihren Flächenbedarf entsprechend zeitnah an. Auch der technische Fortschritt erfordert schnellere Veränderungen beispielsweise bei der Ausstattung mit Kommunikations- und Datenleitungen in Bürogebäuden. Neben moderner technischer Ausstattung und flexibel nutzbaren Flächen achten Mieter immer mehr auch auf Faktoren wie Lebensqualität, Raumklima und Atmosphäre im Gebäude.
Vgl. hierzu, insbesondere auch im Zusammenhang mit der Erstellung von Standortbilanzen, Identifizierung und Bewertung von immateriellem Standortkapital, Darstellung dynamischer Wirkungsbeziehungen in Form einer allgemein nutzbaren Kommunikationsplattform, Becker, Jörg: Immobilienwirtschaft im Standort-Möglichkeitsraum, ISBN 9783839123065Das Fraunhofer IAQ hat in Kooperation mit der Internationalen Real Estate Business School IREBS und der Gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung ein Internetportal für die Ermittlung von Nutzeranforderungen an Bürogebäude und –flächen entwickelt. Über das Tool „Office Score" können Flächennachfrager spezifische Anforderungen an eine neue Bürofläche oder -immobilie ermitteln (Nutzer erhalten durch eine standardisierte Bewertung von Objekteigenschaften und Qualitätskriterien eine übersichtliche Grundlage für Anmietungs- und Kaufentscheidungen). Auf der Grundlage von relevanten Entscheidungskriterien wird ein Nutzerbedarfsprofil mit Hinweisen, Grafiken und Ergebnisdarstellungen hergestellt. Anwendern aus dem Liegenschafts- oder Facility-Management können mit dem Tool Ressourcen sparen und Entscheidungen transparent vorbereiten. Flächenanbieter (Verkäufer, Vermieter) können mit diesem Instrument die Funktionalität und Qualität ihrer Objekte bewerten
Dipl.Kfm. Jörg Becker (www.beckinfo.de)