Als ich mich vor Jahren auf einer meiner Flugreisen in die USA befand, übte ich mich während des doch nicht gerade kurzen Übersee-Fluges in der Ausübung des automatischen Schreibens. Für diejenigen, denen dieser Begriff nicht geläufig ist, möchte ich ihn kurz erklären: man kann es sich als eine Art Channeling-Übung vorstellen, bei welcher wir das Ziel anstreben, daß Es einfach durch uns durchfließt und wir diesem Es möglichst uneingeschränkt Schreibfluß gewähren. Was immer wir auch unter diesem Es verstehen mögen, jenem als ausführendes Organ zu dienen, also uns praktisch seinem Diktat zu unterstellen. Und uns deshalb einer gewissen Automatik überlassen, welche es erst ermöglicht, daß Fragen, Antworten, Information, Botschaften als solches ungehindert einfließen können. Information, die von unserem höheren Selbst, von der universellen Weisheit aus der sogenannten Akasha-Chronik (universelle Datenbank, auf der alles Wissen und alle Erfahrung gespeichert ist) oder auch von Wesenheiten wie Engeln oder Geistführern in Form des von uns Niedergeschriebenen zu uns gelangen können. Wie immer wir dieses Es auch nennen mögen, was in dieser bestimmten Kommunikations-Form von automatischem Schreiben mit uns in Verbindung tritt, kann und soll uns mit Wissen in unmittelbare Berührung bringen, welches offensichtlich nicht aus Verstandes-Seiten her stammt, was zumeist schon in der Materie, in der Aussage des so erhaltenen Stoffs selbst begründet liegt. So werden wir auch feststellen, daß der so übermittelte Informations-Stoff zumeist aus höherer Weisheit geboren ist.
Als ich mit dieser Art der Kommunikation begann, erstaunte mich ein bestimmtes Phänomen am meisten. Ich erfuhr nämlich in diesem Moment eine zeitliche Überlagerung der Fragen und Antworten, und mir wurde klar, daß da mehr als nur mein Verstand und mein herkömmliches menschliches Erfassungsvermögen beteiligt sein mußten. Es war mehr als nur eindeutig, daß sich hier ein übersinnliches Phänomen zeigte, daß mit herkömmlichen Erklärungsmodellen nicht einmal ansatzweise gedeutet werden konnte. In mir hörte ich nämlich die Fragen und Antworten, teilweise gleichzeitig, was alleine schon einer kleineren Sensation gleichkam und noch von der Steigerung übertroffen wurde, daß sich das Ganze auf paradoxe Weise umkehrte. Denn manchmal überschnitten sie sich in so einem krassen Maße, daß es mir dann sogar noch erschien, als ob ich die Antworten noch vor den eigentlichen Fragen bekam. Das gipfelte in der Erkenntnis, daß mir klar wurde, daß ich zwar einige von den Fragen tatsächlich als Ich selbst stellte, aber bei den anderen wirklich das Gefühl hatte, daß ich nicht einmal die Fragen stellte, zu denen ich ja auch noch prompt die Antwort geliefert bekam. Da ich das Ganze in einer speziellen eigenen Form niederschrieb, in der ich z. B. die Antwort als erstes bekam und auch somit als erstes aufschrieb, und dann erst die Frage folgte, welche ich manchmal dann gar nicht mehr aufzeichnete, da der ganze Vorgang ja zu schnell ging, habe ich den auf dieses Thema bezogenen Teil der Einfachheit halber selektiert und chronologisch geordnet:
Frage: Ich würde gerne mehr lieben und der Welt Heilung bringen.
Was kann ich tun?
Antwort: Es ist schon alles heil, da ist nichts zu heilen.
Frage: Wie kann ich Wunder tun, leben schenken, ohne zu zerstören?
Antwort: Aber das gehört zum Prozeß, es wird aufgebaut und immer wieder zerstört, es wird immer wieder neu kreiert.
Frage: Was soll ich aber tun, oder was kann ich jetzt gerade tun?
Antwort: Kreiere dein Leben, tue was du willst. Was du willst, bist du.
Frage: Aber da gibt es ja keine...
Antwort: Ja, da ist keine Grenze.
Frage: Bin ich Gott?
Antwort: Was für eine Frage, hmm, wir sind beide Gott, nur ich bin mir dessen sicher, du nicht.
Frage: Ich möchte lernen zu lieben, zu geben. Wie mache ich das am besten?
Antwort: Du tust es bereits, du bist auf dem richtigen Weg.
Ich hatte damals noch mehrere Male den Versuch unternommen, ein „Aber" oder einen sonstigen „Vorbehalt" einzubringen, mich also
Kraft meines doch auch während des Vorgangs funktionierenden Verstandes der Absolutheit der Aussage mit trotzigem Unglauben gegenüberzustellen. Ich drehte mich wirklich für eine Weile im Kreis, versuchte, mich aus der Verantwortung herauszuwinden, welche diese klaren Aussagen für mich bedeuteten. Mein Verstand versuchte sich zu wehren, stellte immer dieselben Fragen, scheinbar in der Hoffnung, daß sich die erwiderte, Auskunft dann irgendwann doch ändern würde, mit anderen Worten.
Dennoch blieb die Antwort immer dieselbe, alles ist vollkommen, alles ist schon heil. Es rief mich immer wieder in die Realisierung des Ist-Zustandes zurück, alles, was wird, ist auch schon, und alles, was ich tun will, bin ich, ist Kreativität und somit Schöpfung. Mein Bedürfnis, irgendetwas zu heilen, es verändern zu müssen, hat sich seit diesem Tag praktisch in Wohlgefallen aufgelöst und zurückgeblieben ist ein Stück freigewordene kreative Kapazität und die mich immer begleitende und immerwährende im Raume stehende Frage: „Was will ich?"
Von diesem Gesichtpunkt ausgehend sehe ich selbstverständlich auch die sogenannte Gesundheit und Krankheit in einem bestimmten
Lichte. Wenn denn schon alles bereits heil ist, bedeutet das ja, daß sowohl Gesundheit als auch die Krankheit ein Teil dieses Heil-Seins beinhalten und daß nicht Krankheit ein Falschsein und Gesundsein ein Richtigsein bekundet. Sondern eher, daß beide eine gleichberechtigte Rolle als richtungsweisende Merkmale in diesem Heilsein innehaben und unserem freien Willen dienend eine Landkarte des möglichen Entwicklungs-Potentials aufzeigen. Das heißt, sie zeigen einem jeden einzelnen Ursache und Wirkung und vor allem unsere individuelle Reaktion zu einem bestimmten inneren oder auch äußerlichen Impuls, was uns als Bewußtsein, als Erfahrung auf unserem Weg zu uns selbst zu Dienste stehen kann. Zuallererst ist es wichtig, daß wir eine eigene Sensibilität für das, was wir ursprünglich wollten, was wir als Ausrichtung für uns in dieses Erdenleben mitbrachten, und auch das gewisse Feingefühl für das erwerben, was wir jetzt wollen und was uns dafür förderlich ist. Es ist einfach nicht so, daß wir behaupten können, das z. B. vegetarische Ernährung die beste von allen möglichen ist und dies grundsätzlich als Faktum für die ganze Menschheit besteht. Ebenso, wie wir nicht behaupten können, daß die Schulmedizin besser ist wie die Alternative Medizin oder umgekehrt. Ebensowenig können wir irgendeinen Umstand, eine besondere Lebensform, eine Sichtweise oder irgendeine bestimmte Gesellschaft oder ein Beziehungsmodell generalisieren und als das ultimativ Heilsame für das Kollektiv bezeichnen.
Wir alle sind Individuen, und als solches müssen und können wir auch nur unsere eigene Entdeckungsreise unseres schon Heilseins begehen, und somit sind auch alle Dinge ausschließlich individuell anwendbar. Das bedeutet, wir haben zum einem die Aufgabe, die Sensibilität zu entwickeln, uns ein Bewußtsein angedeihen zu lassen, wer wir sind, was dies im speziellen ausmacht und was wir wollen, sprich, wohin wir uns auf unserer Reise bewegen möchten. Und zum anderen ein Feingefühl in uns zu erwecken für all dies, was uns individuell auf diesem Weg guttut, was uns auf ihm führt, was unsere Individualität als solches fördert. Und auf diesem Weg der Selbstverwirklichung kann uns sowohl die Gesundheit als auch die Krankheit ein Wegweiser in das Erkennen und Erfahren unseres Urzustandes des Heilseins sein. So können wir auch sagen, daß uns die Gesundheit mittels der Krankheit aufzeigt, daß wir uns gerade von ihr wegbewegen. Und daß in der Krankheit somit essentiell die Gesundheit mitbesteht, eben einerseits in ihr als Heilmittel existiert und andererseits, wenn wir uns mittels der Weg-Deutung der Krankheit in Richtung Gesundheit fortbewegen, welche auch eigentlich Ursprung und Existenzgrundlage derselben ist, der Gesundheit in der Krankheit wiederbegegnen. So entsteht Krankheit aus Gesundheit, und umgekehrt wird Gesundheit aus der Krankheit geboren, oder anders formuliert, beide bieten Durchgang zum jeweilig anderen Haltungs-Standpunkt. Beides sind Ausgangspunkte mit derselben Nähe zu uns selbst und spiegeln unsere Haltung dem Heilsein als solches gegenüber. Wir entscheiden, ob wir die neutralen Hinweise, welche der eine oder der andere uns bietet, zur Distanz oder zur Vermählung nutzen, also entweder in Bewußtsein des Heilseins leben wollen oder in der Verweigerung derselben.