Diskussion ohne Dissens
Félice Gritti
15. März 2011"Über Kunst spricht man am besten mit Bankdirektoren, denn Künstler sprechen am liebsten über Geld", sagt Stephan Frucht in Abwandlung eines Zitats des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Der Satz passt, denn der Geschäftsführer des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft hält seinen einleitenden Vortrag auf dem Gesprächsabend „Wie teuer ist (uns) die Kultur?". Die holzgetäfelten Wände des überschaubaren Veranstaltungsraums in der Zentral- und Landesbibliothek in Berlin-Mitte sind in warmes Licht getaucht. Es ist gemütlich.
Die Teilnehmer aus Kultur und Wirtschaft werden sich darüber unterhalten, was sich hinter der Kulturförderung durch die Privatwirtschaft verbirgt. Welche Potenziale, welche Probleme, welche Risiken – und für welche der beiden Seiten? Es wird sich auf die Potenziale beschränken. Es bleibt gemütlich.
„Die Kultur ist uns teuer, aber ist sie uns auch lieb?", fährt Stephan Frucht fort. Dem folgenden Gespräch nach zu urteilen, fällt die Antwort deutlich aus: Ja, die Privatwirtschaft investiert nicht nur viel Geld in die Kunst, sondern tut dies in dem Wissen um den Wert selbiger. Dorothee von Posadowsky, die Leiterin „Kulturkommunikation, Kultursponsoring" beim Energiekonzern E.ON, wird die einzige bleiben, die zugibt, dass auch Öffentlichkeitswirksamkeit mit der Förderung verknüpft ist: „Es ist schon richtig, dass ein Unternehmen eine Strategie verfolgt." Doch auch die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung an den jeweiligen Unternehmens-Standorten spiele eine Rolle. Stephan Frucht sieht ganz praktische Gründe für die Kunstförderung: „Unternehmen können von Abläufen im Kunstbetrieb lernen." Bisher habe es immer geheißen, „die Wirtschaft arbeitet wirtschaftlich, die Kunst arbeitet chaotisch" - was so überhaupt nicht stimme. Darüber hinaus sei die Kunst, so Frucht, mit den von ihnen gestellten Themen der Wirtschaft meist Jahre voraus, Unternehmen könnten so einen Überblick über kommende Entwicklungen und damit einen Mehrwert erhalten.
Trotz all dieser Vorzüge bestünden jedoch noch immer eine Menge Vorurteile auf beiden Seiten, wie von Posadowsky betont - „obwohl sie mehr gemeinsam haben, als sie denken". So gingen noch immer viele Kunst- und Kulturschaffende davon aus, dass ein sich engagierendes Unternehmen auch Einfluss nehmen wolle. „Die Herausforderung in Zukunft ist es, mit diesen Vorurteilen zu arbeiten."
Vielleicht wäre das einfacher, wenn ihnen mit etwas mehr Aufmerksamkeit begegnet würde, als an diesem Abend.
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