aggressive Jugend
Haben wir im Sinne OPASCHOWSKI`s vor 20 Jahren noch von einer Veränderung der Werte hin zu einer Freizeit- und Erlebnisgesellschaft gesprochen, so werden bald die ersten Professoren von einem Wandel hin zu einer Gewaltgesellschaft sprechen.Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Die Qualität der Gewalt im Sinne einer brutaleren Gewalt nimmt zu. Häufig grundlos werden Menschen zu Opfern. Selbst auf verteidigungsunfähige, am Boden liegende wird noch eingetreten. Was ist los in Deutschland?
Was vielleicht ein wenig plakativ wirkt, ist für viele Menschen bereits Wirklichkeit. Prügelnde und raubende Jugendbanden machen bestimmte Viertel in einigen Großstädten bereits zu "no-go-areas". Auch Mädchenbanden verschaffen sich prügelnd Anerkennung. Selbst die Angst vor der Polizei schwindet. Man beschimpft und spuckt auf sie und wenn es sein muss, wird man auch handgreiflich.
Diesen Verlust von Respekt bekommen im besonderen Maße auch Lehrer zu spüren. Ihnen, wie auch der Polizei, sind jedoch die Hände weitestgehend gebunden. Schnelle, unbürokratische Maßnahmen hat ihnen der Gesetzgeber verboten. Stattdessen muss, um einen Täter zur Verantwortung zu ziehen, in den Schulen ein Konferenzmarathon durchlaufen werden, sodass sich der Lehrer selbst mit Freizeitentzug bestraft. Die Folge ist, dass nur gravierende Fälle verfolgt werden, während andere ungesühnt bleiben. Die Botschaft, die daraus folgt, ist fatal.
Doch schuld daran sind weder Lehrer noch Polizisten. Schuldig ist einzig die Gesellschaft, die über Jahre die vielen negativen Vorbilder liefert. Es sind die vielen in der Öffentlichkeit stehenden Spitzenmanager, die Lohnbescheidenheit predigen und sich selbst die Taschen vollstopfen. Schuldig sind aber noch mehr all die ZUMWINKELs, die sich selbst gern als Vorbilder hinstellen und im Dunkeln millionenfach Steuern hinterziehen und dafür mit einer lapidaren Bewährungsstrafe davonkommen. Schuldig sind jedoch auch Politiker, die es verlernt haben, mit offenen Worten zu sprechen, ebenso Politiker, die in erster Linie als Lobbyisten für sich selbst auftreten und dieses hinter blumigen Worten verstecken. Schuldig sind aber auch die Medien, die es gutheißen, wenn ein Herr Bohlen in der Show "DSDS" in übelster Manier über Kandidaten herzieht ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Dennoch, in erster Linie schuldig sind Eltern, die Kindern von Beginn an schlechte Vorbilder geben und z.B. in einem Konfliktfall in Anwesenheit der Kinder vorschnell zu Beleidigungen und Handgreiflichkeiten neigen, anstatt ihnen positive Lösungsansätze zu vermitteln. Hier liegt ein wesentlicher Schlüssel zum besseren Wandel. Elternrecht ist auch Elternpflicht!
Schulen und Polizisten bekommen später die immer häufiger missratenen Endergebnisse serviert. Vielen Kindern fehlen heute Basisverhaltenscodexe. Besonders Hauptschulen leiden darunter, ballen sich dort die Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen, als auch Randgruppen.
Und hier versagt erneut die Gesellschaft. In, für heutige Verhältnisse übergroßen Klassen, geht es für viele Beteiligten nicht selten ums nackte Überleben. Pädagogische Konzepte oder gutgemeinte Ratschläge von außen stoßen eher bitter auf. Anstatt die Klassen deutlich zu verringern, verzetteln sich Politiker in endlosen Scheindiskussionen, um das Problem zu verschleppen.
Nicht, dass die Hauptschulklasse von maximal 15 Schülern das Allheilmittel ist. Aber es ist ein nötiger Baustein neben anderen, die helfen könnten, einem weiteren Werteverlust erfolgreich entgegenzusteuern.
Unterricht ist immer auch ein Konflikt zwischen kollektiven und individuellen Bedürfnissen. Je größer die Klasse ist, desto weniger Platz bleibt da für Individualität. In Kleinklassen ist daher die Beziehungsebene zwischen Lehrern und Schülern menschlicher und entspannter. Zudem könnten bessere Ergebnisse erzielt werden.
Keine wirklich große Forderung. Durchschnittliche Klassenstärken von 20 in einer einheitlichen Sekundarstufe I sind in anderen Staaten Europas die Norm. Warum also kämpft Deutschland so heftig dafür, den Status des Bildungsentwicklungslandes beibehalten zu wollen?
Auch wenn Investitionen in Bildung auf der einen Hand sicherlich viel Geld kosten, so sind auf der anderen Hand die volkswirtschaftlichen Folgeschäden durch mangelnde Bildung, höhere Gewalt, für mehr Überwachung und allgemeine Sicherheitsmaßnahmen bei weitem höher.
Arne Frentzel
www.arnefrentzel.de.tl