Champagnergläser
Stille Weine wurden schon zu Zeiten der Römer in der französischen Region Champagne produziert. Da diese Weine oftmals nicht vollkommen vor Wintereinbruch vergärten, setzte die Gärung bei steigenden Temperaturen im nächsten Frühling erneut ein. Bei dieser zweiten Gärung wird ebenfalls Zucker in Wärme, Alkohol und Kohlendioxid umgewandelt. Das Kohlendioxid macht sich als kleine Bläschen im Wein bemerkbar, was als ein „Weinfehler" galt und diesen beinahe unverkäuflich machte. Dom Perignon, ein französischer Benediktinermönch, versuchte, diesen Fehler auszumerzen, doch letztendlich perfektionierte er das Verfahren, die Bläschen in den Wein zu bekommen. Der Champagner war erfunden!
Seither haben sich die Liebhaber dieses edlen Schaumweines gefragt, wie sich denn Champagner am besten trinken lässt. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich drei Glasformen durchgesetzt.
Zunächst war die Champagnerschale der Favorit. Der Legende zufolge ist ihre Form nach den Brüsten von Königin Marie-Antoinette modelliert. Diese Glasform ermöglicht allerdings keinen optimalen Trinkgenuss, da sich der Champagner in der flachen Schale rasch erwärmt und die subtilen Geschmacksnoten nicht durch das Glas gebündelt werden.
Deshalb wurde eine neue Glasform, die sogenannte Champagnerflöte, entwickelt. Dieses Glas ähnelt einer Flöte, die sich nach oben hin im Durchmesser vergrößert. Dadurch können die Bläschen optisch anziehend im Glas aufsteigen. Das Problem der raschen Erwärmung ist mit dieser Form gelöst, doch die Bündlung der Geschmacksnoten ist noch immer nicht optimal gelöst.
Daher setzte sich in jüngerer Zeit die sogenannte Champagnertulpe durch. Bei ihr verjüngt sich der Durchmesser im oberen Bereich wieder, so dass die leichten Aromen des Champagners optimal zur Nase geleitet werden können. Dadurch ist garantiert, dass der Champagner die bestmögliche Chance erhält, seinen einzigartigen Geschmack und sein feines Bouquet zur Geltung zu bringen.
Seit der Erfindung des Champagner haben andere Weinregionen ebenfalls die Produktion von Schaumwein aufgenommen. Deutscher Sekt, spanischer Prosecco und italienischer Cava zählen zu den bekanntesten Schaumweinen, doch auch in anderen Regionen wie Australien und Kalifornien werden immer mehr Schaumweine produziert. Für all diese Schaumweine sind die gleichen Kriterien bei der Auswahl eines geeigneten Glases zu beachten, um die feinen Nuancen des edlen Getränks bestmöglich zu erleben können.
Wer sich heute also Champagner- oder Sektgläser kaufen will, kann aus drei Glasformen auswählen. Von der Champagnerschale ist abzuraten, es sei denn, man wollte eine Pyramide aus Gläsern aufbauen. Dazu eignet sie sich nämlich bestens. An Flöten und Tulpen gibt es eine große Auswahl, und persönliche Präferenzen geben hier den Ausschlag. Es bleibt nur zu hoffen, dass aus diesen Gläsern jeder Schaumwein – Sekt, Prosecco oder Champagner - allzeit ein großes Genusserlebnis ist.
Gerald Dickens