Die zunehmende Globalisierung der Märkte hat in den letzten Jahren die Flexibilisierung von Informationsstrukturen und Prozessen beschleunigt. Collaborative Business unterstützt dabei im virtuellen Raum des Internets, d.h. unabhängig von zeitlichen und geografischen Gegebenheiten und unter Einbeziehung beliebig vieler Geschäftspartner, die Integration von Geschäftsabläufen über Unternehmensgrenzen hinweg.
Durch firmenübergreifende Logistiknetzwerke können die logistischen Abläufe entlang der gesamten Wertschöpfungskette -von den Lieferanten bis zu den Endverbrauchern- optimiert und in erhebliche Wettbewerbsvorteile umgemünzt werden. Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die Ablösung starrer linearer Lieferstrukturen durch adaptive Netze, die eine intelligentere, schnellere und effektivere Abwicklung unternehmensübergreifender Fertigungs- und Lieferprozesse ermöglicht.Das zugrundliegende Prinzip: je mehr Informationen über Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten verfügbar werden, desto zielgerichteter und besser kann der angebotene Service ausgebaut werden. Diese Entwicklung geht einher mit einer notwendigen Transformation der Informationsstruktur. Diese muss zum einen auf die Optimierung innerbetrieblicher Geschäftsprozesse ausgelegt werden, zum anderen auch externe Geschäftsprozesse und -partner aktiv einbeziehen. Dabei wird die komplette Supply Chain -von der Vertriebsplanung über die Beschaffung und Produktion bis hin zur Auslieferung- integriert. Vgl. hierzu ergänzend auch Jörg Becker: Wissensbilanz und Geschäftsplanung – Maßnahmenpotentiale identifizieren und ausloten, ISBN 978-3-8370-7564.
Da der Wettbewerb immer stärker über den Kampf einzelner Lieferketten gegeneinander geführt wird, muss die immer stärker vernetzte Zusammenarbeit der Unternehmen auch direkt in den Lieferketten berücksichtigt werden. D.h. zukünftig müssen Liefernetze auch in der Lage sein, Nachfrageschwankungen schon am Ort ihres Entstehens zu registrieren und diese Information quasi in Echtzeit im gesamten Netz weiterzuleiten. D.h. lineare Lieferketten werden zu adaptiven Netzen weiterentwickelt, die ein hohes Maß an Transparenz in der Logistikabwicklung und Funktionen zur Reaktionen auf Unregelmäßigkeiten (Event Management) beinhalten. Die systematische Sammlung und Gegenüberstellung von Angebots- und Nachfrageinformationen aus dem gesamten Liefernetz und die Integration dieser Daten in eine einheitliche Umgebung verkürzen die zwischen Nachfrage und Angebot liegende Zeitspanne. Vgl. hierzu ergänzend auch Jörg Becker: Wissensbilanz mit Kundenbarometer ISBN 978-3-8370-5177-3.
Wenn sich im Zuge solcher kollaborativer Modelle Unternehmen informationsseitig verbinden, vergrößert sich damit zwangsläufig auch die Zahl der Interfaces. D.h. mit jedem weiteren externen Kollaborationspartner multipliziert sich automatisch der Schnittstellenbedarf um die Summe der beteiligten Unternehmen. Nach einer Formel der Meta Group kann die Schnittstellenanzahl für in einem Netzwerk agierende Unternehmen aus Zulieferfirmen, Distributionsketten, Groß- und Einzelhandel nach der Formel: t * (n * x (n - 1)) : 2 berechnet werden. Dabei bedeutet t = Anzahl der beteiligten Unternehmen und n = Anzahl der zu verbindenden Quellen und Ziele. Vor dem Hintergrund einer umfassenden Wissensbilanz als Basis behandelt dieses Thema u.a. Becker, Jörg: Change Management und Wissensbilanz – Aus der Prozessperspektive, 2009, ISBN 9783837094190.Der Austausch von Wissen ist heutzutage Grundlage fast jeder dauerhaften Geschäftsbeziehung. Um die Kontrolle darüber zu behalten, wer welche Informationen erhält, muss jedes Unternehmen zunächst für sich herausfinden, wie weit die Collaboration mit den jeweiligen Partnern gehen soll. Vgl. hierzu ergänzend auch Jörg Becker: Entscheidungstechniken als Krisenschutz ISBN 978-3-8391-2906-7.
Jörg Becker
(www.beckinfo.de)