Objektiv betrachtet ist es sehr mühsam, äußerst uneffizient und vor allem ziemlich unrealistisch, durch die Aktivierung unseres Verstandes irgendwann
unbedingte Fehlerfreiheit zu erreichen, also die Hoffnung zu nähren, mit dem beharrlichen Streben nach Perfektion die totale Kontrolle zu erhalten, die ermöglicht, unseren Lebensweg schmerzfrei zu gehen und uns dies für „alle Ewigkeit" sichert. Es ist demnach mehr als unrealistisch, mittels sogenannter
fehlerloser Analyse, der richtigen Recherche und der unbarmherzigen Zensur den fehlerfreien Weg aufzufinden, der uns schmerzfrei durch unser Leben führt. Tatsache ist: den fehlerfreien Weg können wir nicht finden,
da es ihn nicht gibt. Wir sollten auch nicht vergessen, daß das Leben als solches unvorhersehbar ist. Würde die Fehlerfreiheit tatsächlich existieren, wäre es ein lebensverneinendes Handeln, uns für sie zu entscheiden und somit gegen das Leben, da wir damit auf vieles verzichten würden, was das Leben für uns bereit hält. Was würde denn dann überhaupt noch als Lebens-Situation übrig bleiben, wenn wir all das sogenannte für uns Fehlerhafte wegreduzieren würden? Und mal ganz abgesehen davon, ob es einen fehlerfreien Weg gibt oder nicht, lassen wir uns doch unbestreitbar aus der Angst heraus, Fehler zu begehen, in unseren kreativen Schaffen, im Nachgehen unseres Lustimpulses, also in unseren natürlichen Fluß des Lebens behindern.
Obwohl es unmöglich ist, Fehler grundsätzlich zu vermeiden, investieren wir doch unglaublich viel Energie darauf, es kontinuierlich wieder zu versuchen. Auch hier liegt die irrige Vorstellung zugrunde, daß es ‚richtig' und ‚falsch' gibt und daß es möglich ist, Schmerz zu vermeiden, wenn wir das vermeintlich Richtige ermitteln und folglich tun. Tatsächlich ist es aber so, daß wir Schmerz mit dieser Lebenshaltung nicht verhindern können. Daß wir Schmerz erleben oder nicht, unabhängig davon, ob wir uns für das vermeintlich Richtige oder Falsche entscheiden. Und daß es das sogenannte Richtige oder Falsche nicht gibt, und somit alle Erfahrungen als solches gleichwertig, gleich gut sind. Das bedeutet, ob wir nun einen Fehler machen oder nicht, es ist und bleibt eine wertvolle Erfahrung, die eine ganz spezielle Information für uns bereit hält, welche immer auch einen richtungsweisenden Eigenwert beinhaltet. Also ist auch der Schmerz an sich ein wesentlicher Anteil unseres Erlebens und Erfahrens und übermittelt uns wertvolle lebensnotwendige Information. Das Vermeiden eines Fehlers ist also eine grundsätzlich lebensverneinende Haltung der Lebenserfahrung gegenüber, welche wir aus Angst vor unangenehmen Konsequenzen einnehmen und für die objektiv gesehen überhaupt keine Notwendigkeit besteht. Anstatt Angst vor der Lebenserfahrung zu haben, weil sie vielleicht schmerzlich oder unangenehm sein könnte, ist es bei weitem angebrachter, sie mit Freude willkommen zu heißen, da sie ja schließlich unser Nährboden für Weisheit ist. Minimalistisch betrachtet ist unser Leben eine Aneinanderreihung von fortlaufenden, manchmal auch wiederkehrenden Situationen, in denen wir entscheiden können, rechts oder links zu gehen, ein Ja oder ein Nein auszusprechen, und letztendlich unabhängig davon, ob wir uns nun für das eine oder andere entschieden haben, dabei gleichwertige Information sammeln und ernten können und eben dabei angenehme sowie unangenehme Erfahrungen machen. Und dies ist nüchtern betrachtet das positive Ergebnis unserer Gesamt Lebenslage, dem Zusammenspiel aller Lebensbedingungen des Irdischen, ein Ausdruck unserer Wahlfreiheit und der Unkontrollierbarkeit des Lebensflusses an sich.
Nun neigen wir dazu, diejenigen Erfahrungen, welche angenehm waren, als „richtig dafür entschieden" und die unangenehm empfundenen als „falsch dafür entschieden" einzuordnen, was einem sehr unrealistischen Konzept entspricht und uns kontinuierlich dazu auffordert herauszufinden, was das Richtige ist, um dann das Leben zu diesen unrealistischen Bedingungen in Richtung Schmerzfreiheit zu zwingen. Daraus ergibt sich logischerweise, daß wir das Leben zu seinen ursprünglichen Bedingungen, in seinem unvorhersehbaren Fließen nicht zulassen wollen, also das Leben uns nur unter äußerst erschwerten Bedingungen führen, leiten, nähren und die Richtung weisen kann. Daß wir hier durch unser stures Erwehren unnötige Schmerzen erzeugen und durch unsere mangelnde Bereitschaft, die Realität anzuerkennen, in diesem Fall, Fehler, Schmerzen und Unangenehmes als unabänderlichen Anteil des irdischen Lebens anzunehmen, einen „unnötigen" Kampf gegen das Leben, gegen die Realität aufrechterhalten. Aber das Leben ist eine uns beschützende Nährmutter – Fehler machen oder nicht machen, das ist in ihrer Obhut gleich gut, und die Information, die ich (und sie) erhalte, ist in beiden Fällen auch gleich wertvoll und mir unbedingt von Nutzen. Egal, für was ich mich entscheide, das Leben in seiner Fülle hält immer Nahrhaftes eingebunden in der Speise sowohl des Angenehmen als auch des Unangenehmen für mich bereit. Je mehr ich das Leben als Ganzes mit seinen Unebenheiten willkommen heiße, also mit den sogenannten Fehlern freudvoll umzugehen weiß, umso mehr lasse ich auch zu, daß das Leben mich nähren darf, was auf dieses Thema bezogen bedeutet, daß mir die Essenz, der Sinn von einem Fehler bewußt wird, also zum Geschenk werden kann. Und es ist natürlich effektiver, immer wieder neue Fehler zu machen und dabei auch neue Information zu sammeln, anstatt immer wieder denselben Fehler zu begehen, was einerseits auf die Dauer uneffektiv und langweilig ist und andererseits manchmal den vorübergehenden ultimativen Stillstand des Informationsflusses bedeuten kann. Dies bedeutet aber nun nicht, daß man, wenn man immer dieselben Wege mit denselben Fehlern begeht, dumm oder einfältig ist, sondern daß man gerade die Erfahrung sammelt, daß verschiedene Fehler unterschiedliche Ergebnisse und Auswirkungen mit sich führen. Fehler vermeiden zu wollen, bedeutet auch definitiv, unsere Freude am Leben, unsere Freude, Fehler machen zu dürfen, einzuschränken, uns um die Freude der Erfahrungen der anderen Hälfte, der „fehlerhaften Seite" des Lebens zu bringen. Nämlich auch Freude zu empfinden in der „Hälfte des Lebens" in denen wir sogenannte Fehler erleben und nicht nur dann, wenn wir uns in der Hälfte der Nicht Fehler befinden. Das heißt ganz pragmatisch gesehen: mit freudiger Bereitschaft, Fehler, oder besser gesagt, sogenannte Fehler willkommen zu heißen, sie vorsätzlich zu planen und sie mit Freude zu machen.