Wale
Die im Nordpazifik beheimateten Nördlichen Glattwale (Eubalaena
glacialis) sind eine eigenständige Art. Ein Forscherteam von der
Wildlife Conservation Society (WCS) aus New York unter der Leitung von
Dr. Howard Rosenbaum kam ihr vor sieben Jahren durch Genanalysen auf
die Spur. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass sich die Population
der auch Nordkaper genannten Art in zwei voneinander isolierte Gruppen
im Pazifik und Nord-Atlantik aufteilt.
Rosenbaum und Kollegen entwickelten eine raffinierte Technik, die es
ihnen ermöglichte, Erbmaterial aus den Barten von Walen zu isolieren,
die vor mehr als hundert Jahren getötet wurden. Zusätzlich analysierten
sie Hautproben von lebenden Glattwalen und konnten so das Erbmaterial
von 380 Individuen der seltenen Meeressäuger miteinander vergleichen
und ihre Verwandtschaftsverhältnisse neu definieren. Neben dem somit
nur im Atlantik vorkommenden Nördlichen Glattwal und dem noch
häufigeren Südlichen Glattwal (Eubalaena australis), ist eine dritte
Art hinzugekommen: der Nordpazifische Glattwal. Genetisch ist die neue
Art sogar enger mit den Südlichen Glattwalen als mit ihren
Namensvettern aus dem Norden verwandt.
„Es gibt nur sehr wenige aktuelle Informationen über Nordpazifische
Glattwale, neben vereinzelten Sichtungen weiß man eigentlich nur, dass
sie stark vom kommerziellen Walfang dezimiert wurden", sagt Howard
Rosenbaum. „Wir vermuten, dass es noch einige Hundert Individuen von
ihnen gibt, für die schnell geeignete Schutzbestimmungen auf den Weg
gebracht werden sollten".
Rosenbaums Genanalysen lassen aber auch die Hoffnung für das Überleben
der plötzlich ihrer pazifischen Artgenossen beraubten Atlantischen
Nordkaper sinken. Von ihnen existieren damit definitiv weniger als 300
Exemplare. Wissenschaftler hatten errechnet, dass sie bei einer derart
geringen Individuenzahl innerhalb der nächsten 191 Jahre aussterben
werden. Als Ursachen werden die geringe Größe der Population, die
langsame Vermehrungsrate sowie Verluste durch Kollisionen mit Schiffen
und Ertrinken in Fischereinetzen genannt. Meeresforscher vermuten
zudem, dass das El Niño-, La Niña-Wetterphänomen die Tiefenströmungen
der Ozeane durcheinandergebracht habe und so den Walen zusätzlich die
Nahrungs- und vor allem die Partnersuche erschwert sei.
Die bis zu 17 Meter großen Glattwale sind im englischen Sprachraum als
„Right Whales" bekannt, weil sie zu Zeiten des kommerziellen Walfangs
einfach die „richtige" Beute waren. Sie schwimmen sehr langsam, treiben
nach der Harpunierung lange an der Oberfläche und lieferten gute
Ausbeute an Tran und Fischbein (Barten).
Glattwale sind die ersten Wale, die vom Menschen gejagt wurden.
Vermutlich begann man im 10. Jahrhundert vor der Küste Japans und Mitte
des 11. Jahrhunderts im Golf von Biskaya. Mit Beginn der industriellen
Jagd wurden die Bestände stark dezimiert, allein im 19. Jahrhundert
sollen es über 100 000 getötete Tiere gewesen sein. Seit 1935 sind sie
weltweit vollständig geschützt – zumindest vor den Harpunen der
Walfänger, was zumindest den beiden Arten der Nördlichen Glattwale
nicht mehr viel nutzt.
Ulrich Karlowski
www.naturenews.de