Auszug aus dem Gedichtband "Du und Ich" vom Karlsruher Schriftsteller/Philosoph Rainer Sauer:Ich schaue auf des Wassers Reise/Menschen meinen den einzig richtigen Weg zu Gott zu kennen/Ich suche dich
Ich schaue des Wassers Reise
Immerfort Fließen zur Meeres-Mutter hin
Frag' mich, ob auch ich zum Meere gehend bin
Münde auch ich, wie jedes Tröpfchen Wasser
Letztendlich in Gottes Sphäre?
Hat also alles seinen Sinn?
Ich schaue auf das vergänglich Erdene
Auch die Erde ruft stets irdisch Abstammendes zurück
Zu Staub und Asche Gewordenes
Ist ebenso und offensichtlich
In der mütterlich' Umarmung der Erde
gleich dem verlorenen Sohne, lichthell entzückt
Ich
Schaue auf mich
Und nehme zweifelsohne wahr
Daß auch ich aus dem großen Meere der Bewußtheit
Aus der großen Mutter Erde geboren war
Und mein Weg
Gleich dem Wasser, gleich der Asche und dem Staub
ist unbeirrt hin und zurück, zu Mutters Schoße gebaut.
Menschen meinen, den einzig richtigen Weg
Zu Gott zu kennen
Doch sind sie ihn gegangen?
Menschen suchen diesen einen Weg
Doch vermissen sie nicht alle anderen?
Menschen hören Ver-Rücktes in sich regen
Doch haben sie dies übergangen?
Diesem Ruf folgend wissen manche
Die Einzigartigkeit des jeden
Ist der Unbegrenztheit Gang
Nicht ein Weg, sondern viele
Sind gehbar zu Gottes Domizil
Der einzigartige Pfad von jedem
Ist nötig, um zu kommen ans ersehnte Ziel
Fremde Wege, nicht der meine
Führen allzu gerne weg von mir
Daß es meinen Weg nur einmal gibt
Heißt auch, ich gehe diesen ganz all-eine.
Ich suche dich
Ich suche mich
Wir suchen uns
Fremd erscheint mir lange Zeit das Gefundene
Tatsächliches entdeckt
Erkenne ich geliebtes Dich und Mich
Sehe, wir sind eins
Gesucht war der Suchende
Angetroffen wurde beides
Gesucht war das Fremde
Gefunden immer nur das eine
Wohlbekannt und altvertraut
Eine lange Reise
Ich folge dir in die Unendlichkeit, ins Ungewisse
Ich folge dir, scheinbar immer weiter weg von mir
Endlich angekommen finde ich vor
Unvermittelt mein ganzes Selbst
Und auch du bist da, viel näher als vermutet.