Eine Nutzung leer stehender Gebäude auch unterhalb des Mietzinsniveaus (z.B. Überlassung an Kulturschaffende gegen Übernahme der Betriebskosten) kann diese vor Verfall bewahren und Sicherheitsprobleme minder. Für schwer zu vermarktende Immobilien kann Zeit bis zur Entwicklung von Nutzungsalternativen gewonnen werden.
Die Standorte von Kreativen und Kulturschaffenden sind nicht beliebig. Um von Impulsen und möglichen Zwischennutzungen dieser Gruppe profitieren zu können, sollten Standorte sich darum bemühen, diese bevorzugten Räume zu identifizieren:
- Räume in einem Übergangsstadium zwischen aufgegebener Nutzung und neuer Planung (z.B. ehemalige Industrieareale, Baulücken, aufgegebene Bahn- und Flughafenflächen, ungenutzte oder brach liegende Gewerbeliegenschaften)
- Räume, an denen Investoren wegen mangelnder Nachfrage oder fehlenden Verwertungsmöglichkeiten nicht interessiert sind
- Möglichkeitsräume (ungeplant neue Aktivitäten entfalten können)
- Freiräume (Alternativ-, Jugend-, Popkultur)
- Erprobungsflächen (Nutzung von Freizeit und Sport sowie für soziale Initiativen)
- Großflächen (Transformationsflächen mit heterogenem Baubestand)
Eine Nutzung leer stehender Gebäude auch unterhalb des Mietzinsniveaus (z.B. Überlassung an Kulturschaffende gegen Übernahme der Betriebskosten) kann diese vor Verfall bewahren und Sicherheitsprobleme mindern. Für schwer zu vermarktende Immobilien kann Zeit gewonnen werden bis hierfür Nutzungsalternativen entwickelt werden können. Über die Ausgestaltung ihrer Planungshoheit entscheidet die Kommune mit über eine mögliche Standortwahl von Kulturschaffenden.
Vor dem Hintergrund einer Bilanzierung der Standortfaktoren werden Optionen für die Potenzialausschöpfung der Immobilienwirtschaft eines Standortes beschrieben u.a. bei Becker, Jörg: Immobilienwirtschaft im Standort-Möglichkeitsraum – Wirkungsbeziehungen im Kräftefeld der Standortfaktoren, Standortbilanz als 360-Grad Rundum-Radar, 2010,
ISBN 9783839123065Immobilien sind die den Standort umgebende und damit auch begrenzende Hülle. Sie bilden das Fundament und die Räume auf denen und in denen alles Geschehen des Standortes stattfindet, sie sind der Möglichkeitsraum des Standortes. Die meisten Aktivitäten der Akteure spielen sich in lokalen Verästelungen ab. Zwischen den beiden zentralen Zielen „Erhöhung der Zentralität" einerseits sowie „weitgehender Erhalt und behutsame Weiterentwicklung des bestehenden Einzelhandels" können erhebliche Zielkonflikte auftreten. Mit Hilfe einer Transparenz schaffenden Standortbilanz können Entscheidungen zu deren Lösungen vorbereitet werden. Zentrifugalen Standortprozessen auf der einen Seite steht auf der anderen Seite die neue Attraktivität und Renaissance der Innenstadtlagen gegenüber. Standortentwicklungen lassen sich nicht punktgenau vorhersagen. Deshalb sind fundierte Analysen und Methodenkompetenz erfolgsentscheidend. Für einen besseren Überblick können Handlungsansätze wie Standortbilanzen von Nutzen sein.
Jörg Becker (www.beckinfo.de)