Gut Soerser Hochkirchen von P.N.Gagini, 1807.
Vorstellung des Gebäudes der Große Bau und der Innendekoration von P.N.Gagini.1807 schmückt Gagini den Gartensaal des Guts der Große Bau. Nähnadelfabrikant Nikolaus Startz gehört spätestens 1819 an der nord-westlich aus Aachen führenden Landstraße, der heutigen Roermonderstraße, das 100 Morgen große Gut der Große Bau, auch Kahren-Bau nach den ehemaligen Besitzern Familie Kahr genannt, zu dem eine private Pappelallee führt. Auf den Wiesen befinden sich Obstbäume. Das Wohngebäude liegt in Richtung Roermonderstraße neben dem Kleinen Bau bestehend aus zwei Landgütern, die im 17. und 18. Jahrhundert Familie Lonneux gehören. Der kleine Bau wird 1938 abgerissen für eine Erweiterung der Leonard Monheim Schokoladenfabrik. Die ursprüngliche Gehöftanlage der Große Bau wird laut dem alten Haustein über dem Hof-Einfahrtstor an der Süsterfeldergasse um 1600 erbaut. Der Neubau des Großen Baus wird 1629 erwähnt. Er befindet sich „zwischen den älteren Gütern Süstern, Kackert und Schurzelt". Das 1773 erbaute Herrenhaus schmückt ein Giebelrisalit mit dem Erbauer-Wappen
Das 5achsige Herrenhaus wird 1773 erbaut. Bauherr ist Johann Lambert Kahr, der von 1763–1775 siebenmal Aachener Bürger-Bürgermeister ist. Der Zweckbau weist keinen Schmuck auf. Das Herrenhaus besteht aus vier Räumen um einen Flur gelegen mit anschließendem dreiachsigem Hauptraum, dem Gartensaal. Dieser Raum, der an zwei Seiten Fenster aufweist, wird an das Herrenhaus bestehend aus 5 Achsen, angebaut. 1939 unterteilt den Raum eine Zwischenwand. Zahlreiches Stuckwerk dekoriert den Gartensaal. Drei große Darstellungen von Architektur werden von Fruchtwerk geschmückt.
Gut Soerser Hochkirchen als Stuckbild von Gagini
Der Pachthof Gut Soerser Hochkirchen aus dem 15. Jahrhundert am Soerserweg ist eine fränkische Gehöftanlage in der Aachener Landschaft. Die alte Linde vor der Kirche in Laurensberg bildet auf dem Bergrücken den Hintergrund. „Im Vordergrund zweigt ein Fahrweg vom Sörser Weg ab und führt zwischen den noch vorhandenen Torpfeilern hindurch auf das Hoftor des ehemals befestigten Gutshofes hin. Links von dem mit einem Walmdach bekrönten Einfahrtstor liegen die Pächterwohnung und der Pferdestall. Auf der rechten Seite befinden sich Kuhstall und Scheune. Vorder- und Rückseite des Gehöftes sind durch Mauern geschlossen. Kühe und Schweine beleben die Darstellung. Bauersleute gehen ihrem Tagewerk nach. Ein noch teilweise erhaltener Wassergraben schützte das Gehöft und den dahinter liegenden Gemüsegarten vor Diebesbanden und den nach den zahlreichen Kriegen häufig auf eigene Faust plündernd umherziehenden entlassenen Kriegsvölkern. Aus den Flurbüchern des Landmessers Scholl ist ersichtlich, daß der Besitzstand des Gutes sich bis zur Gegenwart (1939) nur wenig verändert erhalten hat. Auch die einzelnen Feldstücke entsprechen hier wie bei manchen anderen Sörser Gütern durchweg der Parzellierung, die der Landmesser vor nahezu 170 Jahren vorfand." (Hans Königs: „Das Gut >Der Große Bau< mit den Wandstuckbildern Gaginis." in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. Bd.60/1939, S.200-211.) Bis ins 19. Jahrhundert ist das Herrenhaus auf Gut Soerser Hochkirchen ein erdgeschossiger Bau wie ihn Gagini abbildet. Ebenfalls „die knorrigen Weiden vor dem Stallgebäude und der Kamin der Pächterwohnung sind getreu wiedergegeben. Abseits des Hofes liegt das Backhaus, wegen der Feuersgefahr an der windabgewandten Seite errichtet. (Es wurde 1919 abgerissen.) Das Sörser Hochkirchen zeigende Relief füllt mit dem umrahmenden Fruchtwerk eine ganze Wandseite des Gartensaales." (ebd.)
Dieses Bild befindet sich an der Südwand zwischen zwei Doppeltüren zu den Gemächern. Über den Türen sind rechteckige Stuckbilder mit der Ansicht von Gebäuden, sowie von Gewässern mit Schiffen und Booten. Die Nordwand ziert ein Stuckkamin im Louis-seize Stil mit einer Medaillon-Darstellung einer Flusslandschaft vor einer Stadtansicht. Er wird flankiert von zwei weiteren Stuckbildern, mit der Darstellung von zwei Mühlengütern.
Schurzelter Mühle
Das eine Bild ist mit der Signatur Gagini sculpsit 1807 als ein Werk des Künstlers gekennzeichnet. Ein zweigeschossiges 7 achsiges Herrenhaus mit Mansarddach. „Ein mit einem Walmdach versehener Anbau ist seitlich vorgelagert. Das im Stauweiher vor dem Gebäude gespeicherte Wasser gelangt durch die >Erk< in das Gerinne, unter dem sich das Mühlrad befindet. Einige Personen sind mit der Herstellung des Hausgartens beschäftigt, im Vordergrund wartet eine Magd das weidende Vieh," das wie bei mittelalterlichen Darstellungen aus einer Kuh und einem Schwein besteht als Zeichen für die Kuh- und Schweineherden. „Ein Hund umwedelt ein in anregender Unterhaltung befindliches Paar. Baumgruppen und Gehöfte beleben den Hintergrund, der durch eine Hügelkette abgeschlossen ist. Anscheinend handelt es sich um die am Wildbach gelegene, zum Valkenburger Lehen gehörende Schurzelter Mühle, wenn auch verschiedene Einzelheiten des Bildes mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen." (ebd.)
In Schurzelt existieren zwei Mühlen. Die obere Schurzelter Mühle ist die Ölmühle, sie ist im 17. Jahrhundert eine Kupfermühle, danach Ölmühle zur Gewinnung pflanzlicher Öle. Sie wird 1842 umgebaut zu einer Spinnerei. Die untere Schurzelter Mühle am Forellenweg ist eine Färberei bis 1962. Das rechte Stuckwerk neben dem Kamin zeigt vermutlich die Darstellung der Nord-Ost Seite der Schurzelter Ölmühle. Beide gehören zu den Mühlen am Wildbach.
Der gesamte Gartensaal ist mit Stuckarbeiten geschmückt. Hans Königs vermutet als Auftraggeber Familie Guaita, die den Gartensaal mit den Darstellungen ihrer Besitzungen dekoriert.
„Der große Bau" wird im zweiten Weltkrieg zerstört. Gaginis Genre-Relief verdankt seinen Einbau in den wiederhergestellten Händel-Saal der Redoute, des heutigen Alten Kurhauses Hans Königs, dem ersten Aachener Stadtkonservator nach dem Krieg. Er kann das Stuckbild 1939 noch am ursprünglichen Ort fotografieren. Bei der Sichtung seines Nachlasses wird auf der Rückseite folgende handschriftliche Bemerkung entdeckt: „Wandbild von P.N. Gagini im großen Bau in Süsterfeld darstellend das Hofgut „Soerser Hochkirchen". Entstehungsjahr 1807. Zerstört im Fliegerangriff 1944. Die Reste des auf Lehmputz aufgebrachten Stuckbildes wurden 1945 in das Suermondt-Museum geschafft." Nach dem Krieg wird von ihm ergänzt: „Um 1968 ergänzt durch den Wiener Restaurator und Bildhauer Souchill und im Nebensaal des Alten Kurhauses wieder angebracht (die Fruchtschnüre ergänzt)."
Dieses Stuckrelief gilt lange als verschollen und wird erst 2008 im Rahmen von umfangreichen Renovierungsarbeiten hinter einer Wandverkleidung aus dem Jahr 1970 wieder entdeckt.
©RMS-Scriptorin, alias: Rosa-Marita Schrouff