Hausaufgaben
Seit im Schuljahr 04/05 die
Reform G8, ein auf acht Jahre ausgelegtes Gymnasialsystem, eingeführt wurde, entstanden heftige Lagerkämpfe zwischen Politik und Elternverbänden. Die Bildungspolitik hofft auf jüngere Berufseinsteiger durch einen auf Effizienz getrimmten Lehrplan, Elternverbände hingegen befürchten eine radikale Freizeitbeschneidung der Kinder.
Das reformierte Schulsystem verlagert Unterrichtseinheiten (sogenannte Intensivierungsstunden) oft auf die Nachmittage. Somit schreiben Schüler ihre
Inhaltsangaben und
Erörterungen an Nachmittagen. Dies strafft den Lehrplan in den meisten Fächern, ohne dabei den Umfang der Inhalte zu vermindern. Dadurch sehen sich Schüler wie Lehrer mit erheblichen Veränderungen ihres Schulalltags konfrontiert. Der Schüler büßt einen großen Teil seiner Freizeit ein, die bisher in andere potentielle Bildungswege, wie das erlernen eines Instruments, die Teilnahme an Sportvereinen und ähnlichem investiert werden konnte. Das verlorene Jahr muss nun mit einem Mehraufwand der Schüler ausgeglichen werden. Dadurch entsteht ein unnötiger und ungleichmäßig verteilter Leistungsdruck, der vor allem Schüler aus sozial schlechter gestellten Familien benachteiligt. Nicht jeder Schüler hat in seinem Elternhaus die Möglichkeit, sich in der Freizeit ausschliesslich um die eigene Bildung zu kümmern.
Die in Deutschland ohnehin massiv unterbesetzte Lehrerschaft hingegen muss nun mehr Zeit in Nachmittagseinheiten investieren, die sich sonst für umfangreiche Unterrichtsvorbereitungen, intensive Klausurkorrekturen oder persönliche Gespräche mit einzelnen Schülern oder Eltern nutzen ließ. Durch die Einführung der 5. und 6. Klasse ergibt sich darüberhinaus eine Überbelegung von fachspezifischen Räumen wie Chemielaboren oder Musikräumen, welche viele Schulen alleine schon infrastrukturell nicht bewältigen können.
Dennoch hält das Kultusministerium an der Reform fest. Man verspricht sich davon erhebeliche Verbesserungen im europäischen wie innerdeutschen Wettbewerb. Ob das
System G8 tatsächlich Früchte trägt zeigt sich frühestens ab 2011. In diesem Jahr werden die ersten G8 Gymnasiasten abschliessen.
Bleibt nur zu hoffen, dass die kulturelle, soziale und ästhetische Bildung dabei nicht auf der Strecke bleibt und alle Kinder mit den selben Vorraussetzungen ihren weiteren Bildungsweg in Angriff nehmen können.