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Für Hartz4 Kinder in Deutschland 2008

Autor: linkehoeppi | Erstellt am: 26.12.2008 | Gelesen: 1136
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Kinder brauchen unser aller Unterstützung, denn sie sind unsere Hoffnung, egal wie alt sie sind!

An der Krippe stehen sie vereint, zu schützen und lobpreisen das Kind, welches uns Menschen Hoffnung verheißt. Da hockt die leibliche Mutter Maria vor der Krippe und kümmert sich liebevoll um den kleinen Säugling. Bei ihr steht der (nichtleibliche) Vater Joseph und hält die Laterne, damit Licht werde um Maria und Jesus in der dunklen Nacht des 24. Dezembers. Die nach dem Erscheinen und der Ankündigung der Engel herbei geeilten Hirten bestaunen die drei. In Ihrer Freude teilen sie ihr Brot und Wasser mit der jungen Familie. Selbst drei heilige Könige - Caspar, Melchior und Balthasar - stehen beim "gemeinen Volk", bringen dem Kind Geschenke dar - Myrrhe, Weihrauch, Gold - und lobpreisten die Geburt. Es ist Weihnachten. Es ist die Geburt Jesu Christi.

Bild: a.m. / Die Krippe - WeihnachtenSo wie die Geburt von Jesus für die Menschen Hoffnung brachte, bringt jede Geburt Hoffnung. Hoffnung, dass das Leben weiter geht. Hoffnung darauf, dass im Alter jemand da ist, der für einen sorgt, wenn man es selbst nicht mehr kann. So ist jede Geburt wie ein kleines Weihnachten. Und genau wie bei Jesus, müssen alle Menschen der Gesellschaft zusammenstehen, damit aus dem Säugling ein erfolgreicher Mensch wird. Doch tun sie das?

Jetzt ist wieder bald Weihnachten. Die überfüllten Einkaufszentren zeugen hiervon genauso wie der Duft und die Klänge der Weihnachtsmärkte oder das Licht der tausende Kerzen und Schwippbögen. Über ganz Deutschland verstreute Familien werden für ein paar Tage zusammen finden. Im Erzgebirge wird man das "Neunerlei" einnehmen um dann zur Christmesse zu gehen. Die Gabentische werden sich füllen und Kinderaugen werden strahlen. Es ist die Zeit der Besinnung. Und in dieser Zeit wurde ich an die Geschichte der Familie Hoeppi erinnert. Eine Geschichte, darüber, dass leider in der heutigen Zeit nicht alle zusammenstehen, damit es den Kindern gut geht, damit sie erfolgreich am Leben teilnehmen können.

Es war im Frühjahr 2008, Tim sich um einen Ausbildungsplatz in einer privaten Ausbildungsstätte bewarb. Fachabitur mit der gewünschten Berufsausrichtung. Wenig später wurde der Ausbildungsvertrag unterschrieben. Jennys braune Augen strahlten. Genau wie die ihrer Mutter Sabine.

Die 5-köpfige Familie hatte es nicht leicht. Sie lebte mehr schlecht als recht von Harz-IV. Wie viele Menschen in unserem reichen Land. Ein Land, dessen Regierung in 5 Tagen 100 Milliarden für Bankenfehler lockermachen kann, aber die lange angekündigte und gegen den Bankenfond wie Peanats erscheinende Hartz-IV-Erhöhung einfach aussaß.

Sie beklagten sich nie, waren sozial engagiert und ständig um Arbeit bemüht. Um etwas dazu zu verdienen ging Sabine - obwohl eigentlich überqualifiziert - putzen. Die Kinder trugen Zeitung aus. Der Vater Thomas schrieb unzählige Bewerbungen - längst schon nicht mehr nur für den hiesigen Raum. Die scheinbar "typischen" Hartz-IV-Schnorrer, wie sie die Mediendektive im TV uns immer wieder präsentieren, waren sie mit Sicherheit nicht.

Endlich eine Anstellung für Thomas über eine Zeitarbeitsfirma in den alten Bundesländern. Sonntag Nacht mit dem klapprigen Auto auf die Piste und Freitag Abend zurück. Woche für Woche. Im Sommer entschloss sich die Familie, der Arbeit nachzuziehen und ihren Wohnort 400 km weit weg in die Alten Bundesländer zu verlegen.

Für Jenny wurde mit der ARGE die Lage besprochen und ein Bafög-Antrag gestellt. Sie sollte ihr Fachabitur trotzdem hier machen können, es später einmal besser haben. Eigentlich Öl auf die Mühlen unserer Politik: Auch Kinder von Hartzlern haben in unserer Gesellschaft Chancen auf hohe Bildung. Dachten sie. Dachte auch ich. Das war Anfang Juli 2008. Dann begann die Odyssee.

Der Umzugstermin Mitte August kam näher. Trotz ständigem Aufsuchen der ARGE fehlten Ende Juli noch immer wichtige Unterlagen vom Amt. Zwar hatte die ARGE mündlich erwähnt, dass im Falle einer Ablehnung des Bafög-Antrages Jenny Anspruch auf Wohngeld und Harz-IV hätte. Ein entsprechendes Schriftstück erhielt Sabine jedoch nicht.

Lange suchte Sabine nach einer kleinen Wohnung für ihre Tochter. "Hartz-IV? Nein, bitte nicht." Vermieter sind vorsichtig geworden. Schließlich wurde man fündig. Ein Mietvertrag wurde für Jenny abgeschlossen. Schließlich hatte man ja die Aussage der ARGE.
Der Bafög-Antrag wurde abgelehnt.

Sabine suchte mit Jenny die ARGE auf. U25 - ein Hochsicherheitstrakt - beinahe besser gesichert als unsere Gefängnisse. Jenny wurde ganz klein. Zum Glück blieb Sabine souverän. In der Diskussion wurde den beiden mitgeteilt, dass keine Ansprüche auf Hartz bestünden. Jetzt wurden noch Unterhaltsansprüche ins Feld gebracht, obwohl bekannt war, dass Jennys leiblicher Vater nicht zahlte und selbst das Jugendamt diesbezüglich einen langwierigen Gerichtsgang favorisierte.

Die Diskussion eskalierte - eigentlich erwartungsgemäß. "Wieso sichern sie uns erst zu, dass Hartz-Anspruch besteht, und streiten es jetzt ab." ereiferte sich Sabine. Der Zorn war ihr anzusehen.

Die Bearbeiterin drückte den bestimmten Knopf, wie man ihn auch in Banken vorfindet. Sicherheit ist halt bei der ARGE wichtig. Besonders bei U25 - bei Jugendlichen unter 25-Jahren. Kurz darauf stand auch schon der Wachschutz im Zimmer. Mit einer fast schon an Satire erinnernden Formulierung "Dies sei keine Falschaussage gewesen, sondern nur eine unvollständige" beendete die Bearbeiterin mehr oder weniger abrupt das Gespräch. Der Umzug kam, ohne dass die ARGE geklärt hatte, wie Jenny abgesichert wird. Lediglich für einen Monat bewilligte die ARGE eine vorläufige Wohngeldzahlung.

Die Wochen verstrichen. Der Schriftverkehr nahm zu. Die ARGE bestand trotz abgelehntem Bafög-Antrag auf die Zuständigkeit der Bafög-Stelle und lehnte die Bewilligung von Hartz-IV-Mitteln und/oder Wohngeld ab. Geld floss folglich nicht. Die Miete musste gezahlt werden. Die letzten Notgelder der Familie waren aufgebraucht. Wovon Jenny sich ohne Geld ernährte, interessierte bei der ARGE scheinbar niemanden. In ihrer Not also musste sie dies selbst tun. Ihre Eltern waren weit weg.

Anwalt Olaf Vogel nahm sich des Falls an. Kopfschüttelnd betrachtete er das Ping-Pong-Spiel der beiden Institutuionen auf Kosten der Bedürftigen. Die Bedürftigkeit bestünde nach seiner Auffassung, auch wenn sicher noch endgültig zu klären sei, ob von ARGE oder Bafög-Stelle. In jedem Falle müsse die ARGE - zumindest bis zur Klärung - vorläufig einspringen. Er legte Klage gegen die Entscheide von Arge und Bafög-Stelle ein, beantragte eine vorläufige Eilentscheidung zur Auszahlung. Beiläufig erwähnte er, dass wahrscheinlich fast die Hälfte aller hiesigen Hartz-IV-Bescheide falsch seien.

Die nächsten Wochen waren geprägt vom Bangen. Wieder ging Post hin und her. Ob die Tochter nicht ihr Fachabitur abbrechen könne und zu den Eltern ziehe könne. Auch die Hartz-IV-Stelle am neuen Wohnort wurde hierin mit hinein gezogen. Schüttelte nur mit dem Kopf über die Vorgänge. Doch auch in der ARGE gab es Unterschiede. So setzte sich eine Bearbeiterin der Widerspruchsstelle zunehmend für Jenny ein.
Schließlich wurde das Wohngeld vorläufig bewilligt.

Jenny kann wieder lachen. ihre Augen leuchten wieder. Jenny scheint wieder eine Zukunft zu haben, hier in Sachsen. Kurz vor der Adventszeit, kurz vor Weihnachten. Auch wenn der Prozess vor dem Sozialgericht noch läuft, ein Stück Hoffnung ... Gerade noch zur richtigen Zeit - Weihnachten ist doch das Fest der Hoffnung.

In diesem Sinne allen ein frohes, friedliche und gesegnetes Weihnachtsfest im Kreise der Familie, ein Strahlen in allen Kinderaugen und einen geschärften Blick für alle Kinder, die unserer Hilfe bedürfen

linkehoeppi
 
 
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