Selbstbild und Fremdbild
Die Selbsteinschätzung von Vorgesetzten einerseits und ihre Bewertung seitens Mitarbeiter andererseits driften oft auseinander. Untersuchungen legen manchmal offen, dass Manager ihren Führungsstil anders -in einem günstigeren Licht- einschätzen. Diskrepanzen zwischen Selbstbild und Fremdbild liegt ein Kommunikationsdefizit zugrunde, das mit Hilfe von Mitarbeiterbefragungen abgebaut werden könnte.
Kundenorientierung wird für Unternehmen immer mehr zum zentralen Strategiethema. Das Unternehmen hat aber nicht nur externe Kunden, sondern auch interne Kunden, nämlich die Unternehmensleitung, Mitarbeitervertreter/innen, Führungskräfte und Mitarbeiter. Diese internen Kunden haben ähnliche Eigenschaften und Bedürfnisse wie die externen Kunden. Unzufriedene Mitarbeiter erhöhen die Fluktuation und Fehlzeiten: die Leistungsträger wandern ab. Mitarbeiter, die mit Verve und Freude bei der Sache sind, leisten wesentlich bessere Arbeit. Ein gutes Betriebsklima gehört zum wichtigen Kapital eines Unternehmens, das allerdings in keiner Bilanz aufgeführt wird. Das Personalführungsinstrument der Mitarbeiterbefragung kommt keineswegs nur für Konzerne in Betracht, sondern eignet sich für alle Betriebe, die mehr als fünfzig Beschäftigte haben. Vgl. Jörg Becker: Mitarbeiterbefragung als Wissensbilanz-Seismograph; ISBN 978 3 8370 5085 1.
Wichtige Fragestellungen, um dem Betriebsklima auf die Spur zu kommen, sind:
- Kooperation: Wird Ihr Team von Spannungen und Misstrauen behindert oder durch gegenseitige Hilfsbereitschaft gestärkt ? Führungsstil: Begegnen Sie Ihren Mitarbeitern als Partner oder als Despot ?
- Freiräume: Schnürt ein dichtes Netz von Arbeitsrichtlinien jede Eigeninitiative ab oder werden Kompetenzen delegiert ? Entgelt- und Anreizsysteme: Ist Ihre Entgeltstruktur so beschaffen, dass man sich möglichst fair bezahlt fühlt ? Oder klaffen die Gehaltsspannen unverhältnismäßig weit auseinander ?
- Karriere: Gibt es eine vernünftige Personalentwicklung oder bleibt der Aufstieg dem Zufall überlassen ? Organisation: Werden Jobrotation, Gruppenarbeit oder Job Enrichment praktiziert oder versauern Mitarbeiter an ein und demselben Arbeitsplatz?
Vgl. hierzu ergänzend u.a. auch Becker, Jörg: Personenbilanzen mit Intellektuellem Kapital, ISBN 9783837070019.
Eine Mitarbeiterbefragung ist nicht mit der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse beendet: denn die Mitarbeiter erwarten, dass ihre Aussagen zu Veränderungen führen. Zu kritischen Bereichen müssen sich deshalb weitere Untersuchungen anschließen und dann in erkennbare Verbesserungen umgesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen die Leistungs- und Motivationspotenziale der Mitarbeiter. Mitarbeiterbefragungen sind nicht zuletzt auch eine Feedback-Aktion für Führungskräfte. Die Schwierigkeit einer solchen Beurteilung „von unten" mit einer Konfrontation von unterschiedlichen Selbst- und Fremdbildern liegt darin, Mitarbeitern die Angst zu nehmen, dass ihre Aussagen negativ auf sie zurückfallen können.
Jörg Becker
www.beckinfo.de