Kette der Management-Fehlleistungen und Fehlentscheidungen
Vor dem Hintergrund einer Wirtschaftskrise weist die Kette der Management-Fehlleistungen und Fehlentscheidungen an zu vielen Stellen ungeklärte Lücken und Bruchstellen auf als dass man vor der Wiederholung eines derartigen Krisengeschehens sicher sein könnte. So lange vor und hinter der Kamera die gleichen Personen, umgeben von den gleichen Wirtschaftsprüfern, Headhuntern und Aufsichtsräten, Regie führen wird sich daran vielleicht zu wenig ändern.
Die größte Gefahr dürfte darin liegen, dass man im Grunde seines Herzens die hier erwähnten anderen Personen überhaupt nicht haben und für Führungspositionen auswählen möchte. Allein dieser Gedanke könnte für sich bereits ein abendfüllendes Programm abgeben. Wenn man aber behaupten sollte, keine anderen Personen zu brauchen oder im Auswahlprozess finden zu können, so sollte man zumindest Vorkehrungen dahingehend treffen, dass in den Entlohnungs- und Anreizsystemen nicht ausgerechnet solche Eigenschaften und Verhaltensweisen prämiert werden, die ihren wesentlichen und damit unrühmlichen Beitrag zu Krise geleistet haben. Regeln zu ändern und einige Personen auszutauschen würde im Grundsatz nichts ändern. Nichts aber könnte fataler sein als ein „Augen zu und durch". Der wirtschaftliche Einbruch war viel zu stark, als dass man danach einfach wieder zur Tagesordnung übergehen könnte. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre dann auch nach der Krise nichts weiter als vor der Krise. Wie die schwere Bürde der angehäuften Schuldenberge in den Jahren nach der Krise abgetragen werden soll, steht in den Sternen. Die Frage wird unter dem Vorwand der Aktualität dringenderer Probleme verdrängt. Vgl. Becker, Jörg: Führungspositionen ohne Klinsmann-Syndrom, ISBN 9783839106440.
Als Voraussetzung für Änderungen wäre zunächst einmal Klarheit darüber zu schaffen, dass Naturgesetze wie die der Schwerkraft auch noch für Führungspositionen gleich wo und gleich welcher Art zu gelten haben. Als Beispiel für viele andere: die Kräfte und Wirkungsbeziehungen von Risiko und Zukunft. Jedem unbedarften Kleinanleger, dem die Krise seine Altersversorgung genommen hat, wird trocken und unverblümt vorgehalten, er habe vergessen, dass mehr Chancen immer auch mehr Risiko bedeuten. Gleich mitgeliefert wird die Weisheit, je weiter die Zukunft entfernt sei desto ungewisser und unsicherer sei sie nun einmal. Wären solche Gesetzmäßigkeiten doch auch in allen Führungspositionen beherzigt worden. Vor welchem Schaden hätte die Welt bewahrt werden können. Ein noch erschreckenderes Szenario lässt sich ausmalen, wenn Führungspositionen im Rahmen der Auswahl nicht nur suboptimal besetzt wurden, sondern man auch im Nachhinein nicht sicher zu erkennen vermag, warum dies so war. Denn dann würde jeder Abhilfe bereits im Vorfeld das tragfähige Fundament entzogen. Wenn im Feuilleton der seriösen Frankfurter Allgemeinen Zeitung festgestellt wird, dass „die Wirtschaftspolitik in der Krise einer Notoperation ohne jede Kenntnis der Anatomie gleicht" (FAZ 20. Mai 2009), so entsteht nicht zu Unrecht der Eindruck, dass sich manche Feuilleton-Beiträge dem Kern der Krise mehr zu nähern vermögen als viele Wirtschaftsartikel oder gar „Fachleute" in gängigen Talk-Shows. Vgl. Becker, Jörg: Headhunter in eigener Sache, ISBN 9783839124642.
Jörg Becker
www.beckinfo.de