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Freiheit und Selbstverantwortung

Autor: revhoros | Erstellt am: 07.03.2011 | Gelesen: 576
Kategorie: Geschichten & Anekdoten | Bewertung: rateArateArateArateArateA
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(Online-Artikel.de) - Die Geschwister Selbstverantwortung und Freiheit sind für den Einzelkindaufzug nicht geeigner, auch wenn wir das ein manchesmal gerne so hätten.

Rainer Sauer/Autor/Philosoph
Rainer Sauer/Autor/Philosoph
Freiheit und Selbstverantwortung sind wie Zwillinge, Geschwister der Liebe, bei denen der eine nicht ohne den anderen exis­tieren kann. Untrennbar sind sie miteinander verbunden und verwoben, das eine ent­steht und wird geboren aus dem anderen. Somit bedingt un­sere Freiheit die Möglichkeit der Selbstverantwortung, und umgekehrt eröffnet uns das Übernehmen von Selbstverantwortung das Erschließen unseres Potentials an Freiheit. Daß beide untrennbar miteinander ko existieren, ist eigentlich bei näherem Hinschauen eine logische und einleuchtende Schlußfolge­rung. Und dennoch veranstalten wir auf der Bühne unserer Gefühlswelt ein schmerzbringendes Schauspiel, welches mitunter ein Leben lang an­dauert. Wir wollen auf einer bestimmten Ebene, bei ganz speziellen The­men einfach nicht akzeptieren, daß dieses sich gegenseitige Bedingen eine unumstößliche Tatsache ist. Und wir verfolgen rigoros das eigentlich unerreichbare Ziel, quasi mit Bewußt­seins Scheuklappen und mit einer kindlich anmutenden Sturheit, das eine ohne das dazugehörige andere zu erhalten. Und dies zugegebenermaßen mit einem enormen und erstaunli­chen Energieaufwand, welcher mitunter unsere Lebens Qualität deutlich vermindert und sie ein manches Mal sogar nur auf ein gerade noch er­trägliches Maß minimiert.

Selbstverständlich gibt es auch Bereiche oder Themen, bei denen wir dieses Lebens Gesetz bedingungslos angenommen haben, woraus sich dann ergibt, daß wir in diesen Bereichen auch eine gewisse Harmo­nie erfahren. Wahrscheinlich beherbergen wir nicht einmal wenige dieser Plätze des Friedens in uns, da wir ja ansonsten logisch betrachtet gar nicht lebensfähig wären. Dennoch bestehen oftmals noch mehr als genug von jenen inneren Kriegs Schauplätzen, auf denen wir uns immer noch im Streit mit den gegebenen Lebensbedingungen befinden. In diesem Falle ist es ganz förderlich, ehrliche Selbstbetrachtung zu üben und uns die Frage zu stellen, ob wir hier gerade in diesem Moment für uns Freiheit einfordern, ohne im Gegenzug dafür tatsächlich Selbstverantwortung übernehmen zu wollen, also keineswegs bereit sind die benötigten Erfor­dernisse für ein friedenschenkendes Ergebnis zu erfüllen? Beanspruchen wir kompromißlos das Anrecht, frei zu sein und freiheitlich handeln zu können, ohne die dazugehörigen Konsequenzen tragen zu wollen?

Andererseits zeigen wir vielleicht nach außen hin eine Verant­wortlichkeit, welche eigentlich gar keine ist. Das können wir auch un­schwer erkennen, wenn wir uns einer ehrlichen Selbstbetrachtung unter­ziehen und dabei feststellen, daß wir ja nicht wirklich frei unsere Wege gehen, was eine unbedingte Verpflichtung unserer Eigenverantwortung gegenüber wäre. Daß wir also vielleicht eine Schein Selbstverantwortung praktizieren, die signalisieren soll, daß wir verantwortlich mit unserem Leben umgehen und alles tun, was wir diesbezüglich tun können. Wir also kurz gesagt die Illusion aufrechterhalten, daß wir verantwortlich seien und offensichtlich unser bestes täten. Was aber eigentlich weder alles ist, was für uns im Bereich des Möglichen besteht, noch, daß dies wirklich alles ist, was wir tatsächlich wollen und was wir, um unsere Freiheit liebend zu würdigen, eigentlich auch tun müßten. Und jenes „halbherzige" Handeln damit rechtfertigen und begründen, daß wir ja schließlich nicht wirklich frei sind und aus den verschiedensten gesell­schaftlichen oder auch moralischen Argumenten heraus nicht einfach tun und lassen können, was wir wollen. Wir also unsere nicht in Anspruch genommene Selbst Verantwortung als eine Schein Verantwortlichkeit maskieren und unsere Unfreiheit, welche wir selbstverständlich daraus resultierend erfahren, solange wir keine wirkliche Verantwortung über­nehmen, mit gesetzmäßig existierender Unfreiheit und irdisch bedingter Begrenztheit rechtfertigen und begründen.

Das heißt also, in dem einen Falle wollen wir Freiheit, ohne für unser Tun und Lassen verantwortlich zu sein, und im anderen Falle wol­len wir selbstverantwortlich, selbstbestimmend leben, ohne uns einzu­gestehen, daß diese Lebensqualität auf dem Nährboden „absoluter Freiheit" erwächst, wir also der Treue zur Freiheit auf diesem Wege der Selbstbestimmung unweigerlich verpflichtet sind. Das bedeutet weiterhin, als Spielregel für den Umgang mit Freiheit und Selbstverantwortung einerseits: daß wir nur aus der Erkenntnis und der Bewußtheit heraus, wirklich frei zu sein, auch eine Art „Totale Selbstverantwortung" für uns übernehmen können. Daß wir uns, solange wir unsere Bewußtheit über unsere tatsächliche Freiheit verweigern und unsere Klarheit über ihre Existenz auf die verschiedensten Arten und Weisen vernebeln, auch defi­nitiv willentlich immer noch unserer Selbstverantwortung entziehen. Und daß andererseits Freiheit nur in dem Raum gedeihen kann, in dem ich „absolute" Selbstverantwortung für mich und meine Freiheit übernehme. Ich die volle und einzige Verantwortung für die Erforschung und Erweiterung meines Freiraumes habe und daß sich somit die Freiheit immer proportional zu meiner echten Selbstverantwortung verhält.

Auf das Fundament der Gesetzmäßigkeiten von Freiheit und Selbstverantwortung bezogen, möchte ich einen Satz erwähnen, der sich hierbei für mich geprägt hat und bei dem es sich meiner Ansicht lohnt, einige meditative Minuten zu verweilen. Eine Aussage, welche auf jenen Umstand hinweist, daß wir oftmals bestimmte Dinge sofort haben möch­ten, die jedoch ein Ergebnis des Wachstums sind und welche wir eben nicht sofort haben können. Ein Satz, der meiner Ansicht sehr treffend beschreibt, wie wir uns oftmals dem Notwendigen verweigern, nämlich den Prozeß des Werdens zu beschreiten, welcher zum Erhalt der Dinge hinführt: „Wir wollen wohl allzu gerne erwachsen sein, aber wir wollen nicht erwachsen werden."

 
 
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