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Frau Bortot, die Dreilägerbachtalsperre und das Aachener Trinkwasser

Autor: RMS-Scriptorin | Erstellt am: 24.03.2014 | Gelesen: 1809
Kategorie: Menschen & Biographien | Bewertung: rateArateArateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Ausflugsziele in der StädteRegion Aachen

Irmgard Bortot arbeitet als Bäckereifachverkäuferin in einer Aachener Bäckerei. Vor einem Monat feierte sie ihren 60. Geburtstag. Als Viertes von fünf Mädchen wuchs sie in Walheim auf. Sie ist mit dem Zerspanungsmechaniker Herbert Bortot verheiratet. Er leistete über 40 Jahre seinen Dienst bei der freiwilligen Feuerwehr in Rott. Der 62-Jährige brachte frisches Blut in die autochthone Familie.

Sein Großvater, Steinbrecher Francesco Bortot (25.02.1881-22.02.1966), stammte aus dem 944 km von Aachen entfernten italienischen Bergdorf Ponte nelle Alpi, der Brücke in den Alpen. Ponte nelle Alpi liegt in der Provinz Belluno in der Region Venetien.

Im Jahr 1909 wurde er für den Bau der Dreilägerbachtalsperre angeworben. In Rott logierte er im Haus des Waldarbeiters Karl Hubert Winkhold und seiner Frau Anna, geborene Rombach. Der rotbärtige Winkhold war als der „Steele Rue" bekannt. Am Freitag, den 12. Mai 1911 heiratete Francesco die Tochter des Hauses Maria Winkhold (03.12.1883-29.10.1961).

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 musste er innerhalb von 14 Tagen Deutschland verlassen. Drei Wochen dauerte die Zugfahrt zurück in die Alpen. Er wurde eingezogen und geriet in Gefangenschaft. Die Rotterin stand mit zwei Kindern allein in Italien. 1920 kehrte Francesco mit seiner Frau und vier Kindern zurück nach Rott. Nebenberuflich betrieb er eine kleine Landwirtschaft. Mit seinem Pferdefuhrwerk zog er durch die Straßen und über die Felder. In Rott erblickte der jüngste Spross das Licht der Welt.

Von den fünf Kindern, eine Tochter und vier Söhne, fielen zwei im Zweiten Weltkrieg. Sie hatten sich lange um die kostspielige deutsche Staatsbürgerschaft bemüht, wurden eingezogen und Vinzenz am 9. Juni 1940 in Vandy, Frankreich sowie Alois am 11. März 1942 Opfer in Tscherwinskaja-Luka. Kavallerist Guiseppe, Herberts Vater, gelang die Flucht aus der russischen Kriegsgefangenschaft. Im Lazarett in Bochum lernte er seine Frau Else kennen.

Heute wandert Francescos Enkel, Herbert Bortot, mit seiner Familie um den Stausee. Die Entstehung dieser Trinkwassertalsperre verdanken wir der Bereitschaft und dem Einsatz von italienischen Gastarbeitern aus den Alpen. Viele von ihnen fanden in Aachen ihre neue Heimat und gründeten wie Francesco eine Familie. Bortots wohnen gegenüber dem Wohnhaus des Großvaters, einem Fachwerkbau des 18. Jahrhunderts. Ein paar Häuser neben ihnen befindet sich das Elternhaus von Maria Winkhold. Ihr Cousin war der promovierte Jurist Wilhelm Rombach (1884-1973). In den Jahren 1928 bis 1933 leitete er als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt Aachen. Nach der Ermordung Franz Oppenhoffs am 25. März 1945 von einem nationalsozialistischen Kommando des Werwolfs übernahm Rombach das riskante Amt für das Jahr 1945.

Die Familie ist mit der Talsperre verbunden. Sie feierte das 75-Jährige und besichtigte das Innere der Staumauer. Die Dreilägerbachtalsperre ist für einen Teil unseres Aachener Trinkwassers zuständig. Die Anlage wird in erster Linie von dem Dreilägerbach gespeist. Die künstlich angelegten Gräben vom Schleebach und Hasselbach sowie ein Verbindungsstollen aus der 6 km entfernten Kalltalsperre und dem Obersee der Rurtalsperre sichern die Wasserzufuhr. Der Schleebach ist für die Hochwasserentlastung zuständig. In den Jahren 1990 bis 1993 fanden Sanierungsarbeiten der Mauer statt. Sie wurde verbreitert und ihr Volumen vergrößert. Die Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel mbH (WAG) betreibt am Fuß der Staumauer eine Aufbereitungsanlage. In dieser Anlage wird das Wasser aus dem Talsperrensystem der Nordeifel aufbereitet und als Trinkwasser in das Leitungsnetz der STAWAG gepumpt. Happy, der Vater des Old School Artists Lazy65, besichtigte mit seinen Schülern/innen den Stausee, um zu beobachten, wie Kalksäcke in das Gewässer geschüttet wurden, da der Härtegrad extrem weich ist. Nach über 100 Jahren ist die Dreilägerbachtalsperre eine Attraktion.

Das Oberflächenwasser aus den Talsperren der Eifel bildet ca. 85% und das Grundwasser ca. 15 % der Trinkwasserversorgung in der StädteRegion Aachen. Für die Aufbereitung sind neun Wasserwerke zuständig: drei Wasserwerke für das Talsperren- und sechs für das Grundwasser. Die Grundwasserwerke existieren in Stolberg-Binsfeldhammer, in Eschweiler-Hastenrath, in Aachen-Schmithof, -Brandenburg, -Lintert und -Reichswald. Neben der Dreilägerbachtalsperre werden die Perlenbachtalsperre, der Obersee, die Kalltalsperre und die Wehetalsperre genutzt. Die Härtegrade im Trinkwasser variieren infolge der verschiedenen Rohwässer. Das aus dem Grundwasser in Trinkwasser aufbereitete Wasser hat einen wesentlich höheren Härtegrad als das Talsperrenwasser.

Eine Besichtigung lohnt sich.

©Rosa-Marita Schrouff, alias: RMS-Scriptorin
 
 
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