Damiano S. Nöthen, Gestalttherapeut und Fortbildungsleiter in Freiburg
Als Lehrer, Therapeutin, Sozialarbeiter oder Erzieherin mit Menschen zu arbeiten ist immer eine Herausforderung und kann sowohl zu hoher persönlicher Zufriedenheit als auch zu absolutem "Burn out" führen. Das Maß, in dem eine solche Tätigkeit zum Fluch oder zum Segen aller Beteiligten wird, hängt davon ab, wie sehr der Einzelne in der Lage ist, sich zu distanzieren und gleichzeitig in den direkten Kontakt einzubringen. Fortbildungsmaßnahmen sind hier unumgängliche Notwendigkeit. Gestalttherapie-Fortbildungen sind mit ihrem erfahrungsorientierten Konzept ein Angebot, das von allen geprüft werden sollte, die auf der Suche nach einem angemessenen Fortbildungslehrgang sind.
Sag mir, was du arbeitest und ich sag dir, wer du bist
Die Wahl eines Berufes steht idealerweise in Verbindung zu einem persönlichen Interesse. Ob jemand,einen technischen Beruf ergreift, Schauspieler wird oder als Naturwissenschaftler seinen Lebensunterhalt verdient, hängt zwar von vielen Faktoren ab, aber immer sagt der jeweilige Beruf etwas über den Menschen aus, der die entsprechende Tätigkeit gewählt hat. Vor allem trifft das auf diejenigen zu, die ihre beruflichen Kompetenzen im sozialen, pädagogischen oder therapeutischen Bereich entwickeln. Lehrer, Sozialarbeiterinnen, Psychotherapeuten oder Erzieherinnen verbindet, dass sie nicht nur einer Arbeit nachgehen, sondern in besonderem Maße sich als Person in der Begleitung von anderen zur Verfügung stellen. Wer sich zu einem solchen Lebensweg entscheidet, wählt nicht nur eine Tätigkeit, sondern tritt in ein gemeinschaftliches Gefüge ein, das ihn oder sie als Person herausfordert und betrifft.
Authentischer Kontakt und lebendige Distanz
Professioneller Kontakt mit anderen Menschen setzt die Integrität der eigenen Persönlichkeit voraus. Wer mit anderen Menschen arbeitet, muss in der Lage sein, anderen Menschen mit Empathie zu begegnen und angemessen auf ihr Verhalten zu reagieren, d. h. sich selber als Person nicht in die Lebensdynamik des Gegenübers zu involvieren, sondern eine "lebendige Distanz" zu ermöglichen. Gleichzeitig entsteht aber auch eine Beziehung, die eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass der Kontakt eine therapeutische oder pädagogische Relevanz haben kann. Nur wenn die Begegnung authentisch und ehrlich ist, kann sie ein Milieu sein, in dem Menschen lernen, sich verändern oder gesund werden können. In der Spannung zwischen authentischem Kontakt und lebendiger Distanz steht jeder Beruf, in dem es um die Begleitung von Menschen geht.
Daher ist im therapeutischen, pädagogischen und sozialen Umfeld professionelle Fortbildung ein wichtiges Element. Die Effektivität der Tätigkeit und das Maß des persönlichen Wohlergehens steht in Relation zu Weiterbildungsmaßnahmen, die sowohl die fachliche Qualifizierung erweitern, als auch die persönliche Kompetenz stärken.
Gestaltfortbildung - Persönliche Kompetenz und professionelle Qualifizierung
Gestalttherapie-Fortbildung hat ausdrücklich beide Aspekte im Blick. Als psychotherapeutisches Verfahren ist Gestalttherapie nicht nur für Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten interessant, sondern vermittelt auch Pädagogen und Menschen in anderen sozialen Berufen Perspektiven und Methoden für die Arbeit. Gleichzeitig ist in der Regel eine Fortbildung so konzipiert, dass über den Zeitraum von 3 - 4 Jahren der persönliche Prozess und die Selbsterfahrung im Vordergrund stehen. Im Erleben des eigenen Prozesses und in der Erfahrung der Gruppendynamik werden die Grundprinzipien von Gestalt erlernt. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Person, den emotionalen Reaktionsmustern, den offenen Geschäften aus der Vergangenheit führt zu einer inneren Klärung der Lebensthemen. Die Folge davon ist nicht nur ein zufriedeneres Leben, sondern vor allem auch die gesteigerte Fähigkeit, sich im Kontakt mit anderen Menschen authentischer zur Verfügung stellen zu können, ohne mit den eigenen ungeklärten Themen der Entwicklung im Wege zu stehen.
Damiano S. Nöthen