Bei Carry-Trades fließt Kapital aus einem Niedrigzinsland in ein Hochzinsland. Investoren versuchen die Zinsdifferenz zwischen beiden Ländern
gewinnbringend auszunutzen. Ein Klassiker waren Carry-Trades zwischen den USA und Japan in den Jahren 2004 und 2005. In Japan liegen die Leitzinsen nahe 0 Prozent, die inländische Wirtschaft wächst langsam, die Exportüberschüsse der japanischen Wirtschaft und die Sparquote sind jedoch vergleichsweise hoch. Kapital kann im Inland nur schwer gewinnbringend angelegt werden. Daneben locken die deutlich höheren Renditen im Ausland.
Als Carry-Trade bezeichnet man nun den Vorgang japanische Yen in US-Dollar umzutauschen, um damit amerikanische Staatsanleihen zu kaufen. Als Reverse-Carry Trade, wenn die US-Staatsanleihen wieder verkauft werden, die US-Dollar zurück in Yen getauscht werden. In der Regel bleibt eine mittlere einstellige Rendite von ca. 5 Prozent über.
Was in dem Beispiel nicht betrachtet wird, ist der US-Dollar/Yen Wechselkurs (USD/JPY). Wenn dieser fest wäre, so könnte man den Gewinn als einfache Funktion des Zinsunterschieds darstellen. USD/JPY ist jedoch ein Hauptwährungspaar, neben
EUR/USD das Liquideste und wird täglich gehandelt. Der flexible Wechselkurs könnte unsere mittlere einstellige Rendite erhöhen oder erniedrigen.
Was wir benötigen damit der Carry-Trade funktioniert und als solcher bezeichnet werden kann, ist zu Beginn einen schwachen US-Dollar im Vergleich zum Yen. Dieser erlaubt uns viele US-Dollar zu kaufen. Am Ende des Carry Trades wäre ein vergleichsweise starker US-Dollar erwünschenswert, mit dem man „mehr" Yen zurückkaufen kann. Ums kurz zu machen: Der USD/JPY Wechselkurs muss steigen nachdem wir unsere Yen in Dollar getauscht haben.
Wechselkursnotierungen sind mittelfristig (bis zu 3 Jahren) oft ein Ergebnis von erwarteten Zinsunterschieden. In den Jahre 2004 und 2005 waren USD/JPY Carry Trade deswegen besonders beliebt, da die amerikanische Notenbank die Leitzinsen von 1% bis auf 4,25% erhöht hat und in Japan die Zinsen bei 0% geblieben sind. Die amerikanischen Zinserhöhungen verursachte eine
Dollar-Aufwertung gegenüber dem Yen, da die Renditen in den USA steigen und mehr Kapital in amerikanische Staatsanleihen fließt.
Genau dies ist passiert zwischen 2004 und 2005. Der USD/JPY Wechselkurs ist von ca. 100 bis auf 120 USD/JPY gestiegen (20%) und hat die Rendite aus dem Zinsunterschiedsgeschäft (5%) deutlich übertroffen. Das Gesamtergebnis waren oft mehr als 25 Prozent.
Christian Tübben