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Folgenschwere Fehldiagnosen bei Kinder-Asthma - Betroffene schlagen Alarm

Autor: Sarrach | Erstellt am: 09.02.2012 | Gelesen: 337
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - In Deutschland leiden Schätzungen zufolge mehr als 1,5 Millionen Kinder unter Asthma bronchiale.

Obernburg, Februar 2012. Neue Untersuchungen belegen, dass bei einer Vielzahl (geschätzt etwa 30 %) der sog. „intrinsischen Asthmatiker" die Ursache ein so genannter krankhafter Reflux ist. Die eindeutige Diagnose dieses Zusammenhanges ist jedoch sehr schwierig. Die Folgen der über Jahre fehlinterpretierten Symptome können zu dauerhaften Lungenerkrankungen wie einer chronischen Bronchitis, einer chronischen Kehlkopfentzündung, wiederholt auftretenden Lungenentzündungen und sogar zu unheilbaren Lungenerkrankungen wie eine Bronchiektasie oder einer Lungenfibrose führen. Auch gehäuft auftretende Ohrentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen werden durch aufsteigende Säure und saure Gase verursacht. Zusammenhänge mit dem „plötzlichen Säuglingstod" werden ebenfalls angenommen. Ein neues Diagnose-Gerät erlaubt jetzt erstmalig, saure Gase oberhalb der Speiseröhre zu messen (neue ph-Metrie). Die Messung ist in jedem Alter möglich.

Beim Säure-Reflux unterscheidet die Fachwelt zwei Varianten: Den Säure-Rückfluss vom Magen in die Speiseröhre (Ösophagus) mit typischen Begleiterscheinungen wie „Sodbrennen" und den gefährlichen, da „stillen" Reflux, bei dem Säure-Gase bis in die oberen Atemwege aufsteigen und kein Sodbrennen verursachen.

GERD und LPR auf der Spur

Säure-Reflux in die Speiseröhre wird als gastro-ösophagealer Reflux oder GERD (gastroesophageal reflux disease) bezeichnet. Ein gängiges - für den Patienten aber eher unkomfortables Messverfahren: Eine Sonde in der Speiseröhre erfasst den Säuregrad in der Aufzeichnungsphase auf verschiedenen Höhen in der Speiseröhre. Im Gegensatz zu GERD tritt der „stille" Reflux im Rachen und in den oberen Atemwegen „unmerklich", ohne spürbares Brennen auf und wird daher oft nicht erkannt. Das ist besonders gefährlich, da im Gegensatz zur Speiseröhre die Schleimhäute in dem Bereich sehr empfindlich und damit besonders anfällig für Säure, Säuregase, Verdauungsenzyme und auch für die mit aufsteigender Nahrung selbst sind. Hierbei sprechen Experten vom laryngo-pharyngealen Reflux (LPR). Erst jetzt wurde in einer kürzlich erschienenen Studie erkannt, dass die Schleimhautschädigungen primär durch das Enzym Pepsin verursacht werden. Der Umgebungs-pH-Wert im Rachenbereich beträgt normalerweise etwa 7,0, bei dem Pepsin nicht aktiv und nur „schlummernd" präsent ist. Bei Unterschreiten des pH-Wertes unterhalb von 6,5 – z.B. durch aufsteigende saure Gase – wirkt das Enzym schädigend auf die Schleimhaut: eine Entzündung entsteht. Das auf der Schleimhaut anheftende Pepsin kann demzufolge schon bei wenigen Reflux-Episoden pro Woche aktiviert werden und Schaden im Kehlkopfbereich oder an der Lunge anrichten. Beschwerden wie chronischer Husten, Kloßgefühl im Hals, Räusperzwang, Heiserkeit und Schluckbeschwerden werden in einem unmittelbarem Zusammenhang mit LPR gesehen, in der Regel aber nicht als Refluxfolge diagnostiziert.

Pathologischer Reflux tritt im Säuglings- und Kindesalter nicht selten auf. Die Symptome wie Apnoen, Asthma, chronische Bronchitis, Krupp, Lungen- und Kehlkopfentzündungen werden jedoch oftmals nicht damit in Verbindung gebracht. Säuglinge und Kinder mit Reflux-bedingtem Asthma werden in der Regel daher oft nicht angemessen behandelt, was die Asthma-Symptome mitunter dramatisch verstärken kann. Darüber hinaus kommt erschwerend hinzu, dass die klassischen Therapien wie Hochlagerung, Andicken der Nahrung und auch Medikamente bei dieser Form der „Refluxerkrankung" häufig nicht wirken und ein erfolgloser Therapieversuch zu der oftmals falschen Annahme führt, dass Reflux nicht die Ursache der beobachteten Probleme sein kann. Neue und zielführende Diagnoseverfahren sind daher notwendig. Die neue ph-Metrie Diagnostik, die exakt und gezielt den sauren Gasreflux oberhalb der Speiseröhre misst, kann jetzt dem Teufelskreis ein Ende setzen, indem sie bisherige diagnostische Alternativen wertvoll ergänzt.

Ganz neu für Säuglinge und Kinder: Säuremessung für „stillen" Reflux

In den USA bereits 2006 von der FDA/Food and drugs administration zugelassen und seitdem an vielen Millionen Patienten erfolgreich angewendet, hält dieses jetzt auch für Europa zertifizierte und zugelassene Messverfahren Einzug in deutsche Praxen und Kliniken. Dabei wird eine kleine Sonde durch die Nase in den Rachen hinter das Zäpfchen eingeführt, sicher platziert und am Gesicht mit einem durchsichtigen Pflaster befestigt.

Insbesondere für Kinderärzte stehen ab sofort Sonden für Kleinkinder und Säuglinge und auch Frühgeborene zur Verfügung. Der Allergologe und Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin PD Dr. Peter Ahrens, Leiter des pneumologisch-allergologischen Zentrums der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret und 2. Vorsitzender der Hilfs-Organisation Refluxkinder e.V. (www.refluxkinder.de) ist einer der ersten deutschen Spezialisten, der diese besondere Diagnostik bereits erfolgreich bei seinen Patienten, insbesondere auch bei Kindern, als hilfreiche Ergänzung zu seinem bisherigen diagnostischen Repertoire anwendet.

In der Sondenspitze befindet sich ein empfindlicher Sensor, der nicht nur flüssige sondern insbesondere auch gasförmige Säure im Rachen und in den oberen Atemwegen messen kann. Solange die Sonde getragen wird, zeichnet ein kleiner Apparat drahtlos die Daten in Echtzeit auf. In der Auswertung erhält der behandelnde Arzt verlässliche Aussagen über den Ausprägungsgrad der Reflux-Ereignisse wie beispielsweise nach bestimmten Gerichten, zu großen Mahlzeiten oder nachts. In Abhängigkeit vom Ergebnis plant der Spezialist das weitere Vorgehen. Diese revolutionäre ph-Metrie erlaubt somit erstmalig eine aussagekräftige Bestimmung der Säuregase im Hals-Rachen-Raum sowie in den oberen Atemwegen, so dass Betroffene – vom Neugeborenen bis ins hohe Alter - jetzt exakt die Therapie bekommen können, die sie benötigen.

Die Diagnostikkosten (Sonde und Untersuchung) für den Patienten in Höhe von etwa 250 – 300 € werden in der Regel bisher noch nicht von den Krankenkassen übernommen. Es empfiehlt sich aber ein Kostenübernahmeantrag, weil durch die genaue Diagnose die oftmals wesentlich höheren Kosten einer monatelangen Behandlung, mitunter verbunden mit längeren Ausfallzeiten und Folgeerkrankungen, vermieden werden können. Unnötige Doppeluntersuchungen aufgrund häufigen Arztwechsels wegen unzureichender Symptomfreiheit einer ungezielten therapeutischen Maßnahme wird auf ein Minimum reduziert. Exakte Diagnostik vor der Therapie ist gerade bei Kindern angezeigt.

Sabine Sarrach
 
 
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