Auch für sichtbaren Widerstand gegen Gaddafi hat man hier viel Zeit
Ras Jedir// Nach dem Kriegsausbruch in Libyen herrscht wieder enormer Andrang an der libysch-tunesischen Grenze. Es bilden sich lange Schlangen an den Bussen. Auf meinem Rundgang treffe ich einen jungen Ex-Libyer. Emdi Munir Hussein ist aus Tripolis geflohen, und wartet nun schon seit Wochen auf seine Heimreise nach Bangladesh . Er lebte und arbeitete wie viele hier unter Gaddafis Regime. Nun will er nur noch eins: Weg von hier. Am liebsten nach Europa, erzählt er schwärmend. Doch er wartet immer noch auf seinen Pass, und hat nur noch 160 Dinar. Er hat viel Zeit hier. Zeit über das Leben nachzudenken zwischen Müll und Abfall, der sich in dem Camp und insbesondere in den Zelten immer mehr häuft. Wenn es sehr warm ist, ist es in den Zelten kaum auszuhalten. Eine stickige, stehende Luft, in der man lieber nicht sein möchte. So vertreibt er sich die Zeit draußen. Überall am Straßenrand haben wilde Händler ihre Lager aufgestellt. Es gibt Lebensmittel, Trinken oder Zigaretten für zwei Dinar. Doch kaum jemand kauft hier etwas. Zu knapp ist das Geld, welches noch für die Zukunft benötigt wird. So stellt man sich hier lieber an die extrem langen Schlangen der öffentlichen Essensausgaben an, in der Hoffnung für den Tag satt zu werden. An einer anderen Ecke ruft ein Mann sehr laut. Es ist ein Sprecher, welcher die Abreise für die Menschen hier koordiniert und in ein Megaphone brüllt. Auch hier wieder lange Schlangen. Manche sitzen kauernd auf dem blanken Boden, und waschen sich notdürftig mit etwas Wasser aus der Trinkflasche. Ein wenig das Gesicht erfrischen, das muss reichen. Ich übernachte eine Nacht im UNHCR - Zelt. Zwischen benutzten Decken, leeren Trinkflaschen und Abfall ist einem nicht wohl. Dennoch ist man froh einen Schlafplatz für die Nacht zu haben. Mitten in der Nacht: Kontrolle von der Militär-Polizei. Ein kurzer Blick mit der Taschenlampe in das Zelt ihrerseits. Dann wieder Ruhe. Wenige Stunden später: Ein anderer Mann lugt in das Zelt. Wir ziehen schließlich den Reißverschluss zu. Hoffnung auf ein bisschen Privatsphäre. Am anderen Morgen machen sich Feuchtigkeit und Mief im Zelt breit. Schnell ins Freie. Wie der Fall Gaddafi hier ausgehen wird weiß niemand, aber in einem sind sich zumindest hier alle einig: Gaddafi muss zurücktreten.