Schaut man sich die aktuellen Quartalszahlen von American Express an, so besteht Gewissheit darin, dass die Finanz- und Kreditkrise nun auch bei den Kreditkartengesellschaften angekommen ist.Um ganze 38 Prozent ging es bei dem US-Unternehmen im abgelaufenen Quartal beim Gewinn nach unten und auch die Prognose fürs Gesamtjahr von geplanten vier bis sechs Prozent Gewinnwachstum musste nach unten korrigiert werden.
Verwunderlich ist das für Branchenkenner nicht, sind doch gerade die Amerikaner dafür bekannt, ihre Kreditkarten als eine Art Ersatz für gewöhnliche Bankkredite einzusetzen. So wird eben kein Ratenkredit aufgenommen, sondern sich über das Kreditkartenkonto verschuldet. Einige US-Verbraucher haben es sogar so weit getrieben, sich auf der Kreditkarte zu verschulden, um die Raten für ihr Haus abzubezahlen.
Wieder andere sind den umgekehrten Weg gegangen und haben ihre bestehenden Kreditkartenschulden auf ihr Immobiliendarlehen draufgepackt und dadurch abgelöst, dass sie sich neu verschuldet haben. Der Kurssturz bei den Immobilienpreisen in den USA macht ihnen jedoch insofern einen Strich durch die Rechnung, als die Banken den Nachschuss von frischem Kapital fordern, da die Immobilie als Sicherheit aufgrund des gesunkenen Marktwertes nicht mehr ausreicht. So ist es ja auch zur eigentlichen Immobilienkrise gekommen.
Man kann sich gut vorstellen, dass, wer seine Hausrate nicht begleichen kann, schon gar nicht für die Schulden auf dem Konto seiner Kreditkarte aufkommen kann. Und so hat nun die Finanzkrise auch die Kreditkartengesellschaften im Würgegriff, wie man an den Abschreibungen und Wertberichtigungen bei American Express sehen kann.
Auch der Ausblick der Gesellschaften ist alles andere als gut, gehen sie doch in den nächsten Quartalen weiterhin von erhöhtem Abschreibungsbedarf und damit sogar noch einem Anstieg der Ausfälle von Krediten auf Kreditkartenkonten aus.
Daniel Franke