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Filmfestival in Venedig ist eine nasse Angelegenheit

Autor: LenaKoch | Erstellt am: 23.09.2010 | Gelesen: 495
Kategorie: Musik - Kino & Entertainment | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Beim schönsten Filmfestival weltweit hat sich dieses Mal unpassendes Wetter angemeldet.

Der Regisseur Tom Twyker begeistert Venedig. Sein Film „Drei" feiert das Gruselgenre der deutschen Beziehungskomödie als kunstvolle Begebenheit. Auch davon abgesehen, präsentiert sich das Filmfestival von seiner kraftvollen Seite.

Mit Filmen über Taliban-Krieger auf Abwegen und das Verlangen den weißen Mannes nach dicken und dunkelhäutigen Frauen. Immer wenn man denkt, dass es keine Steigerung gibt, tritt der Mann mit dem breiten Grinsen in Erscheinung.

Immer wenn der Regisseur Quentin Tarantino im Kinosaal aufkreuzt, dann kann man Entzückungsschreie und Beifall vernehmen. Konsequenterweise kommen danach vielfache Geklicke von Handyfotos und dazu kann man sein schönstes Lächeln sehen. Tarantino gibt als Präsident der Jury in diesem Jahr den Hauptentscheider über die Zuteilung des Goldenen Löwen.

Um wirklich sämtliche Gäste dieses Ereignisses bei der Stange zu halten, sieht man in gelegentlich auch mal in einer Pressevorstellung am Nachmittag, wie beispielsweise bei der Vorführung von „Road to Nowhere" von Monte Hellman, der von sich behauptet, Tarantino entdeckt zu haben. Die Aufheiterung der Venediggäste war 2010 nicht wegen der Filme notwendig, sondern wegen den äußeren Gegebenheiten.

Das Zentrum des Festivals besteht aus einer riesigen Baugrube, da die Arbeiten am neuen Biennale Palast aus nicht ganz ersichtlichen Gründen nur langsam vorangehen. Diese Baugrube strotzt vor Nässe, wie auch der rote Teppich vor dem alten prunkvollen Festspielhaus daneben. Beim schönsten Filmfestival weltweit hat sich dieses Mal unpassendes Wetter angemeldet.

Kalte Sturmwinde jagen über den Lido, die Straßen stehen ab und an unter Wasser, das Pressezentrum des Festivals war zweimal komplett überflutet. Sogar im zentralen Kino des alten Casinos kam während einer Vorführung am Nachmittag eine  Sturzbach von der Decke des Saals herunter, dies geschah aber glücklicherweise hinter der Leinwand.

Das Programm des Wettbewerbs stellte sich dieses Jahr als erstaunlich wasserdicht und standfest heraus. Der 78 Jahre alte Hellman, ein bekannter Haudegen aus Hollywood hat beispielsweise einen zielstrebigen, verkastelten Film über das Produzieren eines Hollywoodstreifens gemacht.

Aus diesem kann man viele lustige Querverweise zu Sofia Coppolas Film „Somewhere" machen, der ebenfalls in Venedig vorgestellt wird. Sie stelle den langweiligen Glamour eines gefeierten Stars in Hollywood dar, der von Stephen Dorff in Jim-Morrison-Rockstarmanier verkörpert wird.

Er wohnt im bekannten Hotel Chateau Marmont in L.A. und lässt sich seltsame Prostituierte aufs Zimmer bringen, welche sich an einer metallene Stange räkeln, die man ausziehen kann. Er konsumiert viele ungesunde Sachen und Tabletten, die den Haarausfall aufhalten sollen. Ab und an spielt er mit seiner kleinen Tochter Spiele für den Computer und macht Reisen mit ihr.

Dieser Film ist ein Märchen aus Bildern mit zurückhaltender Elektropopmusik, das von innen heraus strahlt in seiner zauberhaften Verkommenheit des Showgeschäfts. Genau hier ist auch die Handlung von Hellmans „Road to Nowhere", abgesehen davon, dass die Dinge nicht so einfach sind. Er versucht sich am Drehort eines Films, der sich in den pittoresken Great Smoky Mountains befindet, in einer Geheimniskrämerei, die David Lynch ähnelt.

Eine Nachwuchsregisseur aus den Vereinigten Staaten, gespielt von Tygh Runyan verfilmt in der Bergidylle eine bekannten Kriminalfall, in dem sich alles um Mord und Versicherungsbetrug dreht. Hierfür hat er eine wunderschöne Schauspielerin angestellte, die Keira Knightley ähnlich sieht. Hellman, der alte Regisseur kann sich an der jungen Frau, die vom zarten Model Shannyn Sossamon verkörpert wird, genauso wenig satt sehen, wie sein junger Darsteller.

Im Film verlaufen die Erzählebenen mehr und mehr, während man abwechselnd Bilder der Dreharbeiten und des Films in diesem Film zu Gesicht bekommt. Mörderische und betrügerische Dinge finden schließlich auch am Set des Films statt, doch was davon ist real und was nicht?

Die eigene Bespiegelung des Showbusiness ist ein großer Punkt in Venedig, auch wenn sie gelegentlich wie ein Historienfilm aussieht. Im Film „Schwarze Venus", geht es darum, wie Männer in dieser Industrie Frauen demütigen, zum Objekt degradieren und eine Menge Zaster mit ihnen machen.

Der Regisseur Abdellatif Kechiche wurde vor einigen Jahren mit dem Film „Couscous mit Fisch" bekannt. In seinem aktuellen Film zeigt er nun, wie eine junge Hottentottenfrau mit zartem Gesicht und großem Gesäß in London und Paris der frühen 1800er Jahre als Zombie auf einem Jahrmarkt präsentiert wird. Später bringt man sie in die feine Gesellschaft und in die Forschungsabteilung einer Uni.

Doch überall wird sie angestarrt, angefasst, als Kuriosität benutzt, bis sie elendig als Prostituierte dahingeht, dies ist eine fast drei Stunden lange Lektion mit gierigen europäischen Gesichtern und einer Moral, die ein wenig zu aufdringlich ist. Ungeachtet dessen zählt Kechiche mit Recht zu den Lieblingen der Kritiker in Venedig.

Gehandelt für einen Preis werden auch "Potiche" von Francois Ozon, in dem Catherine Deneuve ein singende Unternehmergattin verkörpert, die nur zur Unterhaltung ihres Gatten da ist und „Essential Killing" von Jerzy Sokolowsky, in dem ein Taliban, der von Vincent Gallo verkörpert wird, der seinen amerikanischen Häschern gerade in Polen abhanden kommt und dort durch die Wälder läuft.

„Balada triste de Trompeta" von Alex de la Ingelisa, der dem Film „Inglorious Basterds ähnelt, einer großartigen, verrückten und blutigen Schauergeschichte aus der Zeit Francos, dürfte Tarantino besonders gefallen haben.

Lena Koch
 
 
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