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FIFA: Lug und Betrug in der Chefetage

Autor: GeneTravers | Erstellt am: 05.02.2011 | Gelesen: 512
Kategorie: Sport - Fitness & Workouts | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Der gebürtige Uruguayer Juan Figer gilt als der mächtigste Spielervermittler der Welt.

Joseph Blatter ist hoch umstritten
Joseph Blatter ist hoch umstritten

Doppelwahl im Schatten der Vorwürfe


New York/ Zürich – Eins muss hier mal klargestellt werden. Natürlich ist die FIFA korrupt und natürlich haben einige die entscheidenden Personen ihre Stimmen verkauft. Doch jetzt zu tun, als ob das was neues wäre, ist auch etwas naiv. Oder glaubt hier tatsächlich einer, dass Franz Beckenbauer vor vielen Jahren nur Luftballons in seinem Reisekoffer hatte, als er um die Welt flog und für Deutschland als Austragungsort der Weltmeisterschaft 2006 warb?

Allein die Tatsache, dass erstmalig und ohne Angabe von Gründen zwei Turniere auf einmal vergeben wurden, macht die Sache so richtig eklig. Die wahren Gründe für dieses Double liegen klar auf der Hand: doppelte Sieger, doppelter Profit.

Die betagten Mitglieder aus dem Exekutivkomitee werden die Turniere in acht und zwölf Jahren vermutlich nicht mehr erleben. Durch die doppelte Vergabe haben sie sich ihre Taschen noch einmal richtig vollgehauen – so kann man dann auch mit einem Grinsen in der Fresse und einer heißen Blondine auf dem Schoß auf einer einsamen Pazifikinsel abnibbeln.

Umso unverschämter ist da auch die kürzlich getätigte Aussage Blatters, dass er die Doppelvergabe für nicht sinnvoll halte. Doch warum er das tut, ja das bleibt sein Geheimnis. Franz Beckenbauer fand für die Entscheidung der Doppelvergabe deutliche Worte: "Es war ein Fehler, beide Weltmeisterschaften gemeinsam zu vergeben. Der Grund war die Planungssicherheit - vielleicht kann man zwei Weltmeisterschaften hintereinander besser vermarkten als eine. Im Nachhinein sind alle der Meinung, dass es ein Fehler war."

Eine Hand wäscht die andere


Zudem soll es im Vorfeld Absprachen zwischen Spanien und Katar gegeben haben. Vermutlich haben beide Länder ihre Stimme an den anderen gegeben – wenn nicht gar verkauft. Exekutivkomitee-Mitglied Mohamed Bin Hammam bestätigte am Montag indirekt, dass es zwischen Katar und Spanien einen Deal gegeben haben könnte. Angeblich soll es zu Absprachen zwischen ihm und dem spanischen FIFA-Vize-Präsidenten Angel Maria Villar gekommen sein: "Wenn es einen Deal gibt zwischen mir und Angel Maria aus Spanien oder anderen Beteiligten des Exekutivkomitees - dann sehe ich das nicht als Problem. Vielleicht sehen Sie das aus europäischer Perspektive als Problem", sagte Bin Hammam, gleichzeitig Chef der asiatischen Konföderation, in der ARD-Sportschau. "Beschweren Sie sich nicht bei Katar oder Spanien. Schuld ist das System, dass zwei Weltmeisterschaften am gleichen Tag entschieden werden", sagte Bin Hamman und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Beckenbauer.

Neue Bestechungsvorwürfe


Viel dramatischer sieht es da um den schwelenden Korruptionsskandal aus. Im Zuge der Enthüllungen wurden Mitte November bereits sechs Funktionäre, darunter die beiden Exekutivkomitee-Mitglieder Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) suspendiert. Sie sollen ihre Stimme für die WM-Vergabe feilgeboten haben. Das dies nur die Spitze des Eisberges zu sein scheint, untermauerte der englische BBC-Journalist Andrew Jennings vor gut einer Woche. Seine veröffentlichten Recherchen belasten drei aktuelle hohe FIFA-Mitglieder schwer.

Ricardo Teixeira aus Brasilien, Nicolas Leoz aus Paraguay - der zugleich Chef der südamerikanischen Konföderation Conmebol ist, sowie Issa Hayatou aus Kamerun, Präsident des afrikanischen Verbands CAF, haben sich alle in den Jahren 1989 bis 1999 mehrfach bestechen lassen, zum Teil mit Millionen von Dollar. Teixeira, Leoz und Hayatou sind drei von zweiundzwanzig Stimmberechtigten aus dem Exekutivkomitee, in dem auch Franz Beckenbauer sitzt. Dieses Gremium entscheidet über die Vergabe der Weltmeisterschaft und hat eigentlich 24 Mitglieder. Doch mit der Suspendierung von Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) wegen unethischen Verhaltens – oder nennen wir es einfach korrupter Charaktere – blieben nur noch 22 Stimmen übrig.

Absender der Zahlungen an die FIFA-Funktionäre war übrigens die Sportrechtefirma ISL, die im Jahr 2001 in die Insolvenz ging. ISL verteilte über Jahrzehnte hochdotierte Verträge mit Hilfe von Schmiergeld und Scheinfirmen. Ein Schweizer Gericht hatte in einem Prozess im Jahr 2008 für die Zeit von 1999 bis 2001 ISL-Zahlungen in Höhe von umgerechnet vierzehn Millionen Euro festgestellt. Empfänger waren hohe Sportfunktionäre, unter ihnen bereits Teixeira und Leoz. Gründer von ISL war der ehemalige Adidas-Chef Horst Dassler, der 1987 starb.

Doch damit nicht genug: zu allem Überfluss kann es auch noch ein juristisches Nachspiel geben. "Es ist durchaus möglich, dass die Wahl erfolgreich angefochten werden kann. In den FIFA-Statuten ist in dem Artikel 30 eindeutig festgehalten, dass das Exekutiv-Komitee aus 24 Mitgliedern besteht. Scheidet ein Mitglied aus, muss es unverzüglich ersetzt werden. Das kann man so verstehen, dass zumindest 24 Mitglieder eingeladen werden müssen, damit die Wahl auf jeden Fall gültig ist. Sollte der Internationale Sportgerichtshof CAS zu der gleichen Ansicht kommen, müsste die Wahl wiederholt werden", hatte der Frankfurter Sportrechtler Nicolas Rößler gesagt.

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