Die Not macht in allen erdenklichen Lebenslagen erfinderisch. Das stellt nun in durchaus beeindruckender Weise auch die deutsche Versicherungslandschaft unter Beweis, die mit großem Eifer nach alternativen Einnahmequellen gesucht und diese in Form eigener Festgeld-Produkte nun auch gefunden zu haben scheint. Denn viele Verbraucher hatten infolge der mitunter erheblichen finanziellen Probleme der Versicherungsbranche viele altbekannte Produkte gemieden und sich stattdessen nach lukrativeren Modellen als Geldanlagen umgesehen.
Grund für die Neuorientierung der Versicherer als Anbieter von Geldanlagen ist der Wunsch, Kunden mit Lebensversicherungen nach dem Auslaufen dauerhaft mit anderen Angeboten an sich zu binden. Denn angesichts spürbar gesunkener Rentabilität bei vielen langfristigen Versicherungsprodukten verzichten viele Versicherungsnehmer nach Ende der Laufzeit auf eine erneute Investition über viele Jahre.
Für die Versicherungen geht das Experiment scheinbar zumindest derzeit bestens auf. Aus gutem Grund, denn die neuen Festgeld-Anbieter halten für die Anleger in spe in vielen Fällen Angebote bereit, mit denen die Kunden teilweise sogar deutlich bessere Zinssätze erhalten als bei den normalen Banken mit eigenen Festgeld-Offerten. Die Banken fürchten die neuen Mitbewerber somit berechtigt, denn eine steigende Zahl typischer Bankkunden wechselt inzwischen zu den Angeboten, die auf dem Versicherungsmarkt zu finden sind.
Banken-Produkte schneiden vielfach deutlich schlechter ab
Bisher wissen viele Verbraucher jedoch noch nicht um die neuen Möglichkeiten, die sich ihnen durch diese Art der Horizonterweiterung bieten können. Leider, muss man im Grunde sagen, denn viele Anleger lassen sich somit mit eher durchschnittlichen Renditeaussichten bei der bisherigen Hausbank abspeisen, statt die neuen Produkte für sich arbeiten zu lassen, die nicht selten mit Top-Zinssätzen einhergehen. Auch die Rahmenbedingungen können überzeugen. So gibt es etwa beim Produkt der AachenMünchener Versicherung das Produkt mit dem Namen „Parkdepot", bei dem die Kunden zwar einen garantierten Zins über eine Laufzeit von einem Jahr erhalten, parallel dazu kann aber trotzdem monatlich gekündigt werden. Mit einem Zinssatz von momentanen 2,25 Prozent pro Jahr lässt das Depot im Vergleich die Klassiker aus der Bankenbranche bei der besagten Laufzeit deutlich hinter sich.
Wie das Vergleichsportal
www.festgeld.org berichtet, bestehen nochmals weitaus bessere Zinsmöglichkeiten für die Versicherungskunden mit Interesse an Festgeld-Investitionen dann, wenn sie gleichzeitig die Bereitschaft an anderen Versicherungsleistungen mitbringen oder bereits zur Kundschaft der Anbieter gehörten. Bestandskunden mit einer frisch abgelaufenen Lebensversicherung etwa zum Beispiel können bei der bekannten Zürich Versicherung 3,25 Prozent mit fester Verzinsung verdienen.
Konditionen beim Festgeld vom Versicherer genau lesen und prüfen
Ganz risikofrei ist dieser neue Bereich des Festgeldmarktes aber dann doch nicht für die Kunden. Denn in üblicher Manier kommen die Berater der Versicherungen zu den an Festgeld interessierten Anlegern nach Hause. Im Rahmen der Beratungsgespräche wird in vielen Fällen deutlich, dass die Versicherungen diese neuen Anlageformate sehr wohl auch als eine Art Türöffner erkennen, über die sie die Kunden zum Abschluss weiterer Policen bewegen können. Während postalisch eingehende Versicherungsangebote ohne Schwierigkeiten ignoriert und entsorgt werden können, fällt es vielen Verbrauchern mitunter schwer, sich den Empfehlungen und Versprechungen der Berater zu entziehen und tatsächlich nur eines der Produkte zu eröffnen.
Und selbst wenn die Anleger den Verlockungen doch widerstehen? Dann gilt es immer noch auf Faktoren wie die Grenzen für Einzahlungen oder Entnahmen vom Konto, die Kündigungsfristen und die gebotene Einlagensicherung zu achten. Wer sich als Anleger nichts aufdrängen lässt und an alle Kriterien denkt, die auch bei herkömmlichen Festgeldkonten zu berücksichtigen sind, kann aber getrost die neuen Möglichkeiten genießen und die zinsliche Dürreperiode auf dem Bankenmarkt auf diese Weise überbrücken.
Und noch in einer anderen Hinsicht können die Produkte der Versicherer den Anlegern möglicherweise einen guten Dienst erweisen. Vielleicht führt diese Entwicklung am Ende dazu, dass auch die Banken den potentiellen Kunden auf mittelfristige Sicht endlich wieder etwas mehr Rendite in Aussicht stellen, ohne sich ständig mit dem Verweis auf den zu niedrigen Leitzins aus der Zinsdebatte herauszureden.
Autor: Matthias Nemack