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Fehlende Windpockenimpfung erhöht das Erkrankungsrisiko bei Kindern

Autor: promeus | Erstellt am: 18.01.2010 | Gelesen: 1194
Kategorie: Gesundheit - Medizin & Chirurgie | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Eine neue Studie belegt, dass Kinder, deren Eltern eine Windpockenimpfung ablehnen, ein signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko gegenüber geimpften Kindern haben.

Eine neue Studie belegt, dass Kinder, deren Eltern eine Windpockenimpfung ablehnen, ein signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko gegenüber geimpften Kindern haben.

Studie

Die Studie wurde von Dr. Jason M. Glanz und Kollegen am „Kaiser Permanente, Institute for Health Research" in Denver durchgeführt. Die Ergebnisse erschienen in der Januarausgabe 2010 von Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, einem monatlich erscheinenden Medizinjournal in den USA.

In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher 133 Kinder, die zwischen 1998 und 2008 an Windpocken (Varizellen) erkrankten. Als Kontrollgruppe (493 Kinder) wählte man nach dem Zufallsprinzip zu jedem Erkrankungsfall vier noch nicht an Windpocken erkrankte Kinder aus, die dasselbe Geschlecht und Alter aufwiesen. Außerdem nahmen sie genauso lange an der Studie teil, wie die erkrankten Kinder.

Von den 133 erkrankten Kindern hatten sieben (5 Prozent) Eltern, welche die Windpockenimpfung ablehnten. Bei der Kontrollgruppe (493 Kinder) waren es drei Kinder (0,6 Prozent). Betrachtet man die Gesamtzahl, der an der Studie teilnehmenden Kinder, so konnten 5% der Windpockenerkrankungen der „elterlichen Impfweigerung" zugeschrieben werden.

Mögliche Gründe für die Impfweigerung und Gegenargumente

Laut den Autoren diskutieren die Eltern, wenn es um Impfungen geht, die möglichen Risiken der Impfungen, aber nicht Risiken, die mit einer Unterlassung der Impfung verbunden sind. Letztere wären bei einer Windpockenerkrankung Gehirn-, Mittelohr- und Lungenentzündungen.

Außerdem machen sich Eltern weniger Sorgen um das Erkrankungsrisiko als um die Sicherheit der Impfstoffe. Zum Beispiel gibt es nach wie vor die Angst, die Impfstoffe könnten mit einem erhöhten Auftreten von Autismus in Verbindung stehen, obwohl Studien keine solche Verbindung herstellen konnten.

Auch halten Eltern Windpocken für keine ernste, schwere Erkrankung und denken, dass ihre Kinder nicht gefährdet sind. Demgegenüber müssen folgende Erkrankungszahlen vor der Einführung der Windpockenimpfung 1995 (USA) gestellt werden: Vor diesem Zeitpunkt mussten jährlich 10.000 amerikanische Kinder wegen einer Windpockenerkrankung ins Krankenhaus eingewiesen werden. Hundert starben jährlich an der Krankheit.

[In Deutschland wurde die Windpockenimpfung im Sommer 2004 in den Impfkatalog der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) aufgenommen. Die Einweisungsrate ins Krankenhaus lag vor diesem Zeitpunkt bei 2,5 pro 100 000 Einwohner (USA 6,2 pro 100 000). Die Varizellen-bedingten Todesfälle lagen in Deutschland nach Schätzungen bei 25 bis 40 Personen pro Jahr].

Ein weiterer Grund dafür, dass sich Eltern weigern, ihre Kinder impfen zu lassen, ist nur das „allgemeine Gefühl", dass ihre Kinder zu früh zu viele Impfungen erhalten.

Weitere Betrachtungen

Laut den Forschern (Jason M. Glanz et al.) sollen die Studienergebnisse dazu beitragen, dass den Eltern geholfen wird, mehr sachlich begründete Entscheidungen in Bezug auf Impfungen treffen zu können.

Weiterhin bieten die Ergebnisse Beweise, um dem Missverständnis bei einigen Eltern entgegenzutreten, dass ungeimpfte Kinder keine Gefährdung für Krankheiten haben, die durch Impfungen vermieden werden könnten.

Die Studienergebnisse legen auch nahe, dass eine immer größere Impfmüdigkeit mit der Zeit zu einer steigenden Anzahl von Windpockenneuerkrankungen und den damit verbundenen Komplikationen führen kann. Besonders fatal ist dies für Hochrisikogruppen, wie Schwangere, kleine Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Außerdem muss man sich bewusst machen, dass Varizellen (= Erreger der Windpocken) die Eigenschaft haben, im menschlichen Körper in Nervenzellen über Jahre zu verweilen. Unter bestimmten Umständen – bsp. Stress, Abwehrschwäche – verursachen sie dann eine Gürtelrose, eine sehr schmerzhafte Erkrankung mit Hautausschlag.

Interessantes

Auch andere Forschungen von Glanz und Kollegen hatten schon das Ziel, die Auswirkungen der Impfweigerung bei Kinderkrankheiten zu untersuchen. So fand man in einer Studie, die 2009 veröffentlicht wurde, heraus, dass 11 Prozent der Keuchhustenerkrankungen bei Kindern (bezogen auf die Gesamtzahl der an der Studie teilnehmenden Kinder) auf die elterliche Impfweigerung zurückzuführen waren. Die sogenannte „Herdenimmunität" scheint nicht vor Erkrankung zu schützen. Mit Herdenimmunität wird der Effekt bezeichnet, dass auch nicht geimpfte Personen in einer bestimmten Population („Herde") gegen Krankheitserreger geschützt sind. Der Effekt kommt durch eine hohe Anzahl von Individuen in der betrachteten Population zustande, die gegen einen bestimmten Krankheitserreger immun sind. Die Immunität kann auf eine Impfung oder auf eine durchgemachte Infektion zurückgeführt werden.

Weitere Gesundheitsinformationen:
Dr. med. W. Kellner
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