
Es hätte so schön sein können. Nach dem Pokalerfolg und der zu erwartenden Meisterschaft wollte der FC Bayern München mit einem Sieg gegen Zenit St. Petersburg in das Finale des UEFA Cups einziehen. Dort hätte man sich dann den dritten Titel geholt und das Triple perfekt gemacht.
Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.Während die Münchner in der Bundesliga von Beginn an vorne weg marschierten hatten sie auf internationaler Bühne große Schwierigkeiten zu ihrem gewohnten Kombinationsspiel zu finden. Lag es an den kleinen Stadien oder den teils unbekannten Gegnern oder hatten die Millionäre des FC Bayern einfach kein Interesse im „Cup der Verlierer", wie ihn der Kaiser Franz Beckenbauer, einmal verächtlich nannte, zu spielen.
Es schien als hätten sie das Fußballspielen verlernt. Die ersten Partien gegen Belenenses wurden mit viel Mühe gewonnen, überzeugen konnten die Bayern dabei jedoch nicht. In der Gruppenphase mühte sich der Champions League Sieger von 2001 gegen die unbequemen Gegner und hatte schon dort mehr Glück, als fußballerische Klasse auf seiner Seite. Gegen Belgrad half der bekannte Bayerndusel, als das Spiel in den letzten 4 Minuten noch gedreht wurde. Das Spiel gegen die Bolton Wanderers zeigte zum ersten Mal die Schwäche der Münchner. Mit einer Führung im Rücken gingen es die Akteure ruhiger an und wurden prompt bestraft – so gab es nur ein Remis. Auch gegen Braga fehlte der letzte Biss und so konnten die Rot-Weißen auch dort nur ein Unentschieden verbuchen. Der 6:0 Erfolg über Saloniki täuscht, denn der Gegner war einfach viel zu harmlos. In den folgenden Partien zog sich stets ein roter Faden durch das Bayernspiel. Sobald sie in Führung gingen, nahmen sie Tempo aus dem Spiel und versuchten das Ergebnis über die Zeit zu bringen. In der K.o.-Runde reichte gegen Aberdeen und Anderlecht ein gutes Spiel zum weiterkommen. Gegen den FC Getafe waren sich die Münchner im Heimspiel zu siegessicher und wurden bestraft. Mit dem unschönen 1:1 fuhr man zum schweren Rückspiel. Der Rest ist Fußballgeschichte. Wer nach dem 1:1 gegen St. Petersburg an eine Wiederholung des Wunders geglaubt hatte, wurde nach wenigen Minuten bitter enttäuscht. Miroslav Klose hatte die Chance zur Führung auf dem Fuß, aber er scheiterte. Auf der anderen Seite erzwangen die Russen das Glück und zeigten dem FC Bayern seine Grenzen auf. Stand die hochgelobte Abwehr in der Bundesliga noch wie eine Mauer (nur 18 Gegentore in 30 Spielen), so gab es in 15 UEFA Cup Partien sage und schreibe 19 Gegentore!
Da wartet eine Menge Arbeit auf den neuen Trainer. Jürgen Klinsmann muss die Mannschaft festigen. Reicht oftmals eine mäßige Leistung in der Liga noch zu einem spektakulären Sieg, so wird auf internationaler Bühne jeder Fehler gnadenlos bestraft. An den Spielern liegt es nicht. Lucio und Demichelis spielen eine tolle Saison. Lahm und Jansen beißen sich in jedes Spiel und Lell ist die starke Alternative zu den beiden. Zudem sitzt der baumlange van Buyten noch auf der Bank. Sagnol ist und bleibt das Sorgenkind. Er braucht Spielpraxis um seine alte Form zu erlangen, aber in der Abwehr kann und darf man halt nicht ständig experimentieren. Er muss Geduld haben und im Training Gas geben. Hinter der guten Verteidigungslinie stand ein erfahrener Oliver Kahn. Ihn will der junge Michael Rensing ersetzen, aber kann er das schon? In den Spielen, wo er sich beweisen sollte enttäuschte er sehr oft. Man sah im seine fehlende Spielpraxis deutlich an und er leistete sich teilweise amateurhafte Fehler. So ist er keine Hilfe sondern ein Schwachpunkt. Deshalb suchen die Münchner einen erfahrenen Torwart, der notfalls für Rensing einspringen kann. Jürgen Klinsmann hat dem jungen Keeper keine Zusage auf die Nummer 1 gegeben und so wäre es durchaus möglich, dass sich Klinsi seine eigene Nummer 1 sucht und Rensing weiterhin nur der Platz auf der Bank bleibt.

Das Mittelfeld und der Sturm müssen unbedingt noch mit erstklassigen Spielern erweitert werden. Besonders Franck Ribery benötigt jemanden, der ihm die Last der Verantwortung von den Schultern nehmen kann. Ob Tim Borowski die Lösung ist bleibt abzuwarten. Barcelons Deco scheint besser zu dem dribbelstarken Franzosen zu passen. Vielleicht gelingt es Uli Hoeneß ja erneut einen spielstarken Mittelfeldstar nach München zu locken. Im Sturm besteht auch noch Handelsbedarf. Luca Toni ist der Torschütze vom Dienst, aber was, wenn er mal fehlt? Miroslav Klose und Lukas Podolski sind meilenweit von ihrer Bestform entfernt. Klinsmann braucht unbedingt noch einen Sturmpartner für Toni und zusätzlich einen gleichwertigen Ersatzmann. Nur, wenn sich der FC Bayern an den richtigen Positionen gezielt und erfolgreich verstärken kann, können die Münchner in Europa mitspielen. Es bleibt zu hoffen, dass der Rekordmeister neben Ribery und Toni weitere Weltstars an die Isar locken kann und somit endlich wieder eine große und erfolgreiche Mannschaft auf den Platz schickt. Es muss ja kein „weißes Ballett" sein und „Galaktische" erwartet auch niemand. Das Team sollte einfach nur erfolgreichen Fußball spielen. Wenn er dann noch schön anzuschauen ist, sind die Fans in der Allianz Arena zufrieden und können vielleicht bald schon einen Sieg über Real Madrid, Chelsea London oder Inter Mailand feiern.
Autor: Sebastian Bork