FDM Faszien Distorsions Modell - bild: fdm-europe.com
Als
Faszien werden die zähen Bindegewebshäute bezeichnet, die Muskeln oder Muskelgruppen, aber auch ganze Körperabschnitte umhüllen können und dadurch u.a. den Muskeln ihre Form und Festigkeit geben. Nachdem die Faszien lange Zeit in der Medizin nur wenig beachtet wurden, erkennt die Wissenschaft deren wichtige Funktionen für den Körper mittlerweile an und bringt nun stetig neue interessante Erkenntnisse über die Bindegewebsstrukturen zu Tage.
Eine lange Zeit stiefmütterlich behandelte Struktur in der Medizin ist die der
Faszien. Das Hauptaugenmerk wurde in der bisherigen Anatomie und Physiologie, sowie Diagnose und Behandlung auf Muskeln, Organe, Knochen, Gelenke und Gefäße (
Nerven, Blutgefäße) gelegt.
Nicht nur das Aufkommen von verschiedensten Beschwerden ohne befriedigende Erklärungsmodelle und Behandlung führten zur Suche nach neuen Strukturen und Möglichkeiten. Dabei konnte zum Teil auf schon ältere Erkenntnisse wie die von dem Biomechanik- Experten
Dr. Serge Gracovetsky zurückgegriffen werden. Er hatte schon lange entdeckt, dass das derbe fasziale Bindegewebe des Rückens einen Hauptteil der Haltearbeit leistet. So konnte erklärt werden, warum das Modell der Rückenkräftigung bei vielen Betroffenen nicht half.
Mittlerweile gab es im Herbst 2009 schon den zweiten internationalen Faszienkongress mit 500 Teilnehmern in Amsterdam, der sich ausschließlich auf der Basis wissenschaftlicher Forschung und Behandlungsergebnissen mit dieser Struktur beschäftigt. Eine vor kurzem revidierte Ansicht bestand darin, dass es sich um eine rein passive abgrenzende Struktur handelt. Dies konnte nun wissenschaftlich eindrucksvoll widerlegt werden. Die Faszien sind nicht nur trennende Bindegewebsstrukturen, sondern in der Lage sich zusammen zu ziehen und eng mit dem Nervensystem verknüpft. Sie verbinden vielmehr ganze Körperteile und Funktionen.
In der Medizin sind neuere Erklärungs- und Behandlungsansätze von Beschwerden immer mehr auf das Erkennen von Zusammenhängen ausgerichtet. Die anatomische Struktur, die sich hier geradezu anbietet sind die Faszien. Sie umhüllen ganze Muskel- und Organbereiche und verlaufen fast durch den gesamten Körper. Durch die enge Verknüpfung mit dem Nervensystem liefern sie ständig Informationen über Spannungen, Haltungen und Bewegungsabläufe an das Gehirn. Wenn es in den
Faszien zu Störungen kommt, so können sich die Beschwerden über die betroffenen Regionen hinaus fortsetzen, indem die Fehlhaltung über die Faszie Zug oder Spannung auf andere Bereiche ausübt und falsche Meldungen an das Gehirn geliefert werden.
Behandlungsmethoden wie Rolfing, Osteopathie oder das
Fasziendistorsionmodell nach
Dr. Stephen Typaldos tragen dieser Tatsache Rechnung und gewinnen in der Therapie von schwierig zu behandelnden Leiden, wie z.B. der Fibromyalgie immer mehr Einfluss. Durch das Behandeln einer Struktur die alles verbindet, in der häufig die Blutversorgung der betroffenen Region und Organe verläuft und die das Gehirn mit Informationen über den mechanischen Zustand des Organismus versorgt, sind effektive Eingriffe zur Wiederherstellung der normalen beschwerdefreien Funktion möglich.
Thorsten Fischer